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Zuchtprojekte - Chromobotia macracanthus - Prachtschmerle
Wissenschaftlicher Name:
Chromobotia macracanthus
Name:
Prachtschmerle
Herkunft:
Indonesien
Größe:
ca. 30 cm
Chromobotia macracanthus- Prachtschmerle
von Hans-Georg Evers und Herbert Nigl

Erste Veröffentlichung im Aquaristik Fachmagazin Nr. 181 Februar/März 2005

Ein jeder, der sich schon ein wenig mit der Aquaristik auskennt, weiß um die Existenz der Prachtschmerle, wissenschaftlich neuerdings als Chromobotia macracanthus bezeichnet (vgl. hierzu OTT 2004). Diese Fische sind sehr beliebt und werden gern und häufig für das große Gesellschaftsaquarium erworben. Bei den im Zoohandel erhältlichen Fischen handelt es sich zum allergrößten Teil um Importe aus Asien. Sie kommen als Wildentnahmen über Singapur aus Indonesien. Die Hauptfanggebiete sind in Zentral-Sumatra und Zentral-Kalimantan (Borneo). Die Tiere von Kalimantan sind etwas intensiver in der Färbung, allerdings auch empfindlicher.

Die Elterntiere der Prachtschmerlen wandern mit dem Einsetzen der Regenzeit flussaufwärts in die Laichgebiete. Nach dem Laichen gehen sie nicht zugrunde, wie wir es etwa von den Lachsen kennen, sondern wandern wieder flussabwärts in jenen Bereich, in dem sie dann die nächsten ca. vier bis sechs Monate verbringen. Es gibt zwei Laichzeiten im Jahr. Auf Sumatra werden die Jungtiere im Dezember und März gefangen, in Kalimantan im Januar und Juni. Im Jahr des El Niñio gibt es eine zeitliche Verschiebung auf Sumatra, nicht aber in Kalimantan. Gelaicht wird offenbar am Ende der Trockenzeit bzw. zu Beginn der Regenzeit mit einsetzendem Regen. Nach dem Laichen wandern die Eltern und auch bald die schon größeren Jungfische wieder flussabwärts. Schon kurze Zeit nach dem Ablaichen werden die ersten Jungfische beim Zurückwandern gefangen. Die Jungtiere sind dann 2 bis 5 cm groß. Die Fänger haben dabei eine interessante und schonende Fangtechnik entwickelt, die es relativ unwahrscheinlich macht, die Tiere durch Überfischung für die Aquaristik auszurotten. Die Fänger installieren an zugänglichen Stellen der Sandbänke Bambusrohre mit kleinem Durchmesser, die von den Jungfischen als Versteck genutzt werden und in die zu große Exemplare nicht einschwimmen können. Diese werden dann ein- bis zweimal täglich kontrolliert und entleert.Die gefangenen Tiere gelangen danach zu den Exporteuren. KORTHAUS (1979) fing Chromobotia macracanthusin Kalimantan und gibt exakte Detailbeobachtungen wider. Seither fehlen solche Beobachtungen und es wäre wünschenswert, wenn einmal jemand diese Schmerle in beiden Vorkommensgebieten aufsuchen und darüber berichten würde.

Eines der Ziele des Zuchtprogrammes von uns ist die Vermehrung von Chromobotia macracanthus;erste Ergebnisse können wir hier bereits vorlegen. In diesem Artikel geht es uns vornehmlich um die Ei- und Jungfischentwicklung dieser Art. Unsere ca. 30 Zuchttiere bekamen wir 2001 aus Singapur. Die Fische stammen von Sumatra. Sie kamen in einer Größe von ca. 10 cm bei uns an und waren schätzungsweise 1 bis 1,5 Jahre alt. Sie wurden in eine ca. 500 l fassende Wanne mit Sandboden und jeder Menge Versteckmöglichkeiten eingesetzt. Die Wasserwerte lagen bei ca. 300 µs/cm Leitfähigkeit und einem pHWert von ca. 6,5 bei einer Wassertemperatur von ca. 28°C. Gefüttert wurden Tubifex, Frostfutter sowie Trockenfutter. Die Prachtschmerlen waren bis zum Mai 2004 auf ca. 12 bis 15 cm herangewachsen. Mehrere Versuche, sie mit Wasserwertveränderungen zu stimulieren, verliefen ergebnislos. Allerdings konnten wir Ende Mai 2004 eindeutig fülligere und schlankere Fische erkennen. Wir gehen davon aus, dass es hierfür zwei Hauptgründe gibt. Zum ersten brauchen die Fische ein gewisses Alter, um geschlechtsreif zu werden. In der Natur wären die Tiere sicher innerhalb der drei Jahre, in denen sie bei uns waren, auf 25 bis 40 cm Länge angewachsen und hätten somit in dieser Zeit die Größe der Elterntiere in der freien Wildbahn erreicht. Zum zweiten beginnt auf Sumatra im Mai die kleine Regenzeit. Das ist jene Periode, in der die Schmerlen flussaufwärts in die Laichgebiete wandern. Unsere Tiere, die als Wildfänge zu uns gekommen waren, haben auch nach drei Jahren noch diese innere Uhr, die ihnen signalisiert, dass die Regenzeit begann. Der erste Zuchtversuch wurde im Juni durchgeführt. Die Menge der klaren grünen Eier, die jedes Weibchen erbringen kann, ist beachtlich, nämlich ca. 2000. Die Befruchtungsrate war mit ca. 50% nicht sehr groß, dennoch schwammen nach ca. 18 Stunden bei 28°C Wassertemperatur ca. 1500 kleine Larven.

Die Embryonalentwicklung
Unter dem Mikroskop bei einer 40fachen Vergrößerung ist die Entwicklung der Eier gut zu verfolgen. Im Bild 1 sehen wir das Ei direkt nach der Befruchtung.Es ist deutlich zu erkennen, wie sich die Außenhülle, das Chorion, deutlich um die Eizelle, die Zygote vergrößert.Ca. 20 Minuten später (Bild 2) ist die Außenhülle, das Chorion noch mehr angewachsen.Die Eier der Prachtschmerlen sind pelagisch, d.h. sie schweben leicht über dem Boden im Gegensatz zu den Eiern der meisten uns bislang bekannten bodenorientiert lebenden Fische (etwa Welse), die gewöhnlich auf dem Boden liegen und nicht selten daran kleben oder haften. Nach ca. 3,5 Stunden befindet sich das Ei im Oblong-Stadium (Bild 3). Auf Bild 4 ist die Fischlarve 17,5 Stunden alt und kurz vor dem Schlupf. Auch die Larve der Prachtschmerle unterscheidet sich deutlich von den Larven anderer Bodenfische: Nach 18 Stunden ist die Larve geschlüpft, man erkennt deutlich Herz und Auge (Bild 5). Eine Erklärung dafür, warum die Eier der Prachtschmerle pelagisch sind, lässt sich vielleicht darin finden, dass diese Fische in flachen Überschwemmungsgebieten laichen und somit ihre Eier in die noch flacheren Randzonen abgetrieben werden sollen, um Fressfeinden zu entgehen. Anders als viele Welse, suchen die laichenden Adulti offenbar nicht das Rithron zum Ablaichen auf, weshalb die Eier auch keine Klebkraft besitzen. Im Schutz der überschwemmten Ufervegetation können die verdrifteten Eier zur Entwicklung gelangen, und die schlüpfenden Larven sind dort gut geschützt.

Die Jungfische
Frisch geschlüpfte Larven erinnern in ihrer Zerbrechlichkeit und aufgrund ihrer glasigen Erscheinung etwas an Larven von Salmlern (Familie Characidae), die ja auch als "kleine Glassplitter" bezeichnet werden.Der deutlich abgesetzte Kopf trägt winzig kleine Augen, der Körper scheint nur aus Chorda und Dottersack zu bestehen. Dieser Dottersack wird bei 28°C noch relativ lange, bis etwa zum 6. Tag, verdaut, bevor der Jungfisch durch das winzig kleine Mäulchen Nahrung aufnimmt. Diese bestand bei uns aus Mikrowürmchen und Pantoffeltierchen, später kamen dann frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien hinzu. Die Augen sind zu diesem Zeitpunkt schon gut entwickelt, und die Larve nimmt die Umwelt deutlich wahr, wie durch die Fluchtreflexe der Tiere bei Lichtveränderungen deutlich wurde. Das Futter wird sehr langsam und gemächlich auch im freien Wasser aufgenommen, so dass bei oberflächlichem Betrachten angenommen werden könnte, dass diese Larven pelagisch leben. Das ist aber keineswegs der Fall, denn sie verbringen den meisten Teil des Tages liegend irgendwo in sicheren Verstecken. Die kleinen Schmerlen sind also schon zu diesem Zeitpunkt, etwa 6 Tage nach dem Schlupf, versteckliebend und auf ihre Sicherheit bedacht. Ab dem 8. oder 9. Lebenstag setzt die Pigmentierung des Körpers ein. Noch immer handelt es sich um Larven, deren Körper von einem Flossensaum umgeben ist. Dieser bildet sich mit zunehmender Pigmentierung stetig zurück, ist aber erst etwa in der 4. Lebenswoche ganz verschwunden und die Flossen zu diesem Zeitpunkt fertig ausgebildet. Vier Körperbinden bilden sich ab dem 8. Lebenstag aus. Eine durchzieht das Auge, eine zweite setzt hinter dem Kiemendeckel an. Die dritte, später verschwindende, beginnt etwa beim Ansatz der sich später ausbildenden Rückenflosse und die vierte Körperbinde schließlich ziert den Schwanzstiel etwa auf Höhe des Ansatzes der sich ebenfalls erst später herausbildenden Afterflosse. Interessanterweise bildet sich die dritte Körperbinde im späteren Entwicklungsverlauf ganz zurück. Dafür verbreitet sich die zweite Körperbinde und nimmt bei den meisten Exemplaren die gesamte Breite vom Kopfende bis zum Ansatz der Rückenflosse ein, um sich nach unten v-förmig zu verjüngen. Etwa im 2. Lebensmonat sind alle drei Körperbinden gut ausgebildet, auch die ehemals vierte Binde hat sich jetzt über einen Großteil des Schwanzstiels verbreitet. Die Rotfärbung der Flossen setzt zuerst in der Schwanzflosse, dann in der Rückenflosse ein. Erst danach färben sich auch Brust- und Bauchflossen rot und fertig ist die kleine Prachtschmerle. Die Jungen sind relativ schnellwüchsig und können nach drei Monaten schon beinahe 4 cm Gesamtlänge messen. Die weitere Aufzucht macht dann keine Probleme mehr. In den ersten Lebenstagen sind die kleinen Prachtschmerlen dagegen sehr empfindlich gegenüber Störungen und benötigen klares, sauerstoffreiches Wasser. Verschmutzte Aufzuchtbehälter oder verstopfte Filter werden umgehend mit Todesfällen quittiert, was den Pfleger zu einem erhöhten Maß an Aufmerksamkeit zwingt. Aber das sollte bei einem derartigen Zuchtversuch ohnehin der Fall sein.

Literatur:
EVERS,H.-G. und H.NIGL (2004):Die ersten Lebenswochen bei Fiederbartwelsen: Ei- und Jungfischentwicklung bei acht Synodontis-Arten.? Aquaristik-Fachmagazin 36 (180),12-18

KORTHAUS, E. (1979): Zur Fortpflanzung der Prachtschmerle Botia macracantha: Beobachtungen im natürlichen Lebensraum.? Das Aquarium 13,498-502

NIGL,H.und T.PEACH (2004):Die Embryonalentwicklung bei Synodontis am Beispiel von Synodontis nigrita.? Aquaristik-Fachmagazin 36 (180),10-11

OTT,G. (2000): Schmerlen im Aquarium.? Tetra Verlag, Bissendorf

OTT,G.(2004):Prachtschmerlen:Neue Namen ? die gleichen Fische.? Aquaristik-Fachmagazin 36 (180),34-38 S_048-051 09.12.2008 11:08 Uhr Seite 51
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