Apistogramma uaupesi - Blutkehl- Apistogramma, Rotkeil- Apistogramma
Wissenschaftlicher Name
Apistogramma uaupesi (Kullander, 1980)
Apistogramma uaupesi (Kullander, 1980)
Familie
Cichlidae (Buntbarsche)
Cichlidae (Buntbarsche)
Ordnung
Cichliformes (Buntbarschartige)
Cichliformes (Buntbarschartige)
Name
Blutkehl-Zwergbuntbarsch (auch Rotkeil- oder Segelflossen-Zwergbuntbarsch)
Blutkehl-Zwergbuntbarsch (auch Rotkeil- oder Segelflossen-Zwergbuntbarsch)
Herkunft
Südamerika, Brasilien
, Kolumbien
, Venezuela 
Südamerika, Brasilien
Lebensraum
Schattige, langsam fließende Schwarzwasserflüsse und Uferzonen mit viel Laub und Holz.
Schattige, langsam fließende Schwarzwasserflüsse und Uferzonen mit viel Laub und Holz.
Ernährung
Carnivor (bevorzugt Lebend- und Frostfutter wie Cyclops, Artemia und Mückenlarven).
Carnivor (bevorzugt Lebend- und Frostfutter wie Cyclops, Artemia und Mückenlarven).
Größe
Männchen bis zu 7 - 9 cm, Weibchen deutlich kleiner mit ca. 4 cm
Männchen bis zu 7 - 9 cm, Weibchen deutlich kleiner mit ca. 4 cm
Lebenserwartung
2 bis 3 Jahre
2 bis 3 Jahre
Temperatur
24° - 30° C
24° - 30° C
pH-Wert
4,0 - 6,5 (Sehr sauer, besonders für die Zucht)
4,0 - 6,5 (Sehr sauer, besonders für die Zucht)
Gesamthärte
0° - 5° dGH (Extrem weich)
0° - 5° dGH (Extrem weich)
Karbonathärte
0° - 2° dKH
0° - 2° dKH
Haltgung
Aquarien ab 60 - 80 cm Länge, paarweise oder im Harem, sandiger Boden, viele Verstecke (Höhlen, Laub, Wurzeln).
Aquarien ab 60 - 80 cm Länge, paarweise oder im Harem, sandiger Boden, viele Verstecke (Höhlen, Laub, Wurzeln).
Schwierigkeitsgrad
Anspruchsvoll (für erfahrene Aquarianer, da sehr empfindlich gegenüber Wasserqualität).
Anspruchsvoll (für erfahrene Aquarianer, da sehr empfindlich gegenüber Wasserqualität).
Sozialverhalten
Friedlicher Revierbildner; während der Brutpflege verteidigen die Weibchen ihre Höhle aggressiv.
Friedlicher Revierbildner; während der Brutpflege verteidigen die Weibchen ihre Höhle aggressiv.
IUCN-Status
Ungefährdet (LC / Least Concern)
Ungefährdet (LC / Least Concern)
Verbreitungskarte & Fundort
Der Uaupes-Zwergbuntbarsch, in der Fachwelt präzise als Apistogramma uaupesi klassifiziert, ist ein außergewöhnlicher und hochgradig spezialisierter Vertreter der südamerikanischen Zwergcichliden. Vor seiner wissenschaftlichen Erstbeschreibung im Jahr 1980 war dieser Fisch in der Aquaristik unter dem treffenden Codenamen „Breitbinden-Zwergbuntbarsch“ bekannt, was auf seine markante Zeichnung hindeutet. Sein Artname bezieht sich direkt auf sein Hauptverbreitungsgebiet, den Rio Uaupés, einen bedeutenden Nebenfluss des Rio Negro. Unter Kennern gilt diese Art aufgrund ihrer einzigartigen Flossenmorphologie und der extremen Ansprüche an das Aquarienwasser als eine der faszinierendsten und gleichzeitig anspruchsvollsten Kronjuwelen der Gattung Apistogramma.
Optik & Verhalten
Die optische Erscheinung von Apistogramma uaupesi unterscheidet sich radikal von den meisten anderen Zwergbuntbarschen, was ihn zu einem unverwechselbaren Blickfang macht. Die ausgewachsenen Männchen erreichen eine Körperlänge von etwa sechs bis sieben Zentimetern und besitzen eine absolut spektakuläre, segelförmig vergrößerte Rückenflosse. Besonders markant ist jedoch die Schwanzflosse, die im Alter eine extrem tief gegabelte Lyraform annimmt, deren Spitzen fadenförmig verlängert sind. Über die Flanken zieht sich ein namensgebendes, ungewöhnlich breites und tiefschwarzes Längsband, während der Körper je nach Fundortvariante in metallischen Blau-, Türkis- oder Rottönen erstrahlt. Die Weibchen bleiben mit rund vier bis fünf Zentimetern deutlich kompakter. Sie tragen außerhalb der Paarungszeit ein unauffälliges, lehmfarbenes Kleid, welches sich während der Brutpflege in ein leuchtendes Signalgelb mit einer kontrastreichen, tiefschwarzen Zeichnung im Gesicht und an den Bauchflossen verwandelt. Vom Verhalten her zeigen sich die Tiere sehr grazil, wachsam und sensibel, wobei sie innerhalb der eigenen Art eine stark ausgeprägte Territorialität an den Tag legen.
Natürlicher Lebensraum & Herkunft
Die Heimat des Uaupes-Zwergbuntbarsches liegt in den unberührten, tropischen Regenwaldregionen des nordwestlichen Amazonasbeckens in Brasilien und Kolumbien. Dort besiedelt die Art primär das Einzugsgebiet des oberen Rio Negro sowie dessen Zuflüsse wie den Rio Uaupés. In diesen naturbelassenen Biotopen bewohnen die Fische die flachsten, nahezu stehenden Randzonen von Schwarzwasserbächen und überschwemmten Waldgebieten. Das Wasser dieser Lebensräume ist durch gigantische Mengen an gelösten Gerbstoffen und Huminsäuren extrem sauer, vollkommen mineralarm und kaffeebraun gefärbt. Der Bodengrund ist dicht mit dicken Schichten aus herabgefallenen Blättern, Ästen und komplexem Wurzelwerk bedeckt, welche den Fischen in der Natur als exklusiver Lebensraum und Jagdgrund dienen.
Artgerechte Haltung im Aquarium
Für eine dauerhaft erfolgreiche und artgerechte Pflege dieses hochempfindlichen Schwarzwasserspezialisten muss das Aquarium präzise auf seine biologischen Bedürfnisse abgestimmt sein. Da die Art eine hohe innerartliche Aggression und eine ausgeprägte Individualdistanz besitzt, sollte das Aquarium eine Mindestlänge von achtzig Zentimetern und ein Volumen von rund einhundert Litern aufweisen. Kleinere Becken bieten bei Stimmungsschwankungen der Fische nicht genügend Rückzugsraum und führen schnell zu fatalem Stress. Eine dichte Bepflanzung an den Seiten und im Hintergrund, kombiniert mit einer dichten Decke aus Schwirrpflanzen, ist unerlässlich, um das Licht stark zu dämpfen und die schummrigen Lichtverhältnisse des tropischen Regenwaldes zu simulieren.
Aquarium-Einrichtung
Die Inneneinrichtung des Aquariums muss die bodenorientierte Lebensweise der Fische perfekt widerspiegeln. Als Bodengrund kommt ausschließlich feiner, dunkler Sand in Frage, da die Tiere den Sand leidenschaftlich gerne nach fressbaren Kleinstlebewesen durchkauen. Scharfkantiger Kies würde die empfindlichen Kiemen und das Maul verletzen. Filigrane, stark verzweigte Moorkienwurzeln und eine dicke Schicht aus getrocknetem Laub wie Seemandelbaumblättern oder Eichenlaub sind Pflicht, um das Becken in komplexe Sichtschutzzonen zu unterteilen. Essentiell für das Wohlbefinden sind zudem mehrere sehr enge Bruthöhlen aus Ton oder Kokosnussschalen, die so im hinteren Bereich platziert werden müssen, dass ihre Eingänge von anderen Zonen des Aquariums aus absolut nicht einsehbar sind.
Wasserwerte & Technik
In Bezug auf die Wasserparameter gehört Apistogramma uaupesi zu den anspruchsvollsten Pfleglingen in der Aquaristik, weshalb der Einsatz einer Osmoseanlage oder eines Vollentsalzers zwingend erforderlich ist. Das Wasser muss extrem weich sein, wobei die Gesamthärte idealerweise unter zwei Grad deutscher Härte und der Leitwert im zweistelligen Bereich liegen sollte. Der pH-Wert muss stabil im stark sauren Bereich zwischen 4,5 und 5,5 eingeregelt werden. Die Wassertemperatur verlangt nach wohliger Wärme und sollte konstant zwischen vierundzwanzig und achtundzwanzig Grad Celsius liegen. Technisch ist eine biologisch hochentwickelte, aber strömungsarme Filterung wichtig. Um die Keimdichte extrem niedrig zu halten, empfiehlt sich die kontinuierliche Filterung über Torf sowie ein disziplinierter, wöchentlicher Teilwasserwechsel mit penibel angepasstem Wechselwasser.
Gruppenhaltung & Sozialverhalten
Das Sozialverhalten dieser Zwergbuntbarsche ist von einer stark ausgeprägten Territorialität geprägt, wobei insbesondere die Männchen ihre Reviere unnachgiebig verteidigen. Für die Pflege im Heimaquarium wird daher in den allermeisten Fällen eine strikte Paarhaltung empfohlen. Eine Haremshaltung mit einem Männchen und mehreren Weibchen ist nur in sehr großen, exzellent strukturierten Aquarien ab einhundertzwanzig Zentimetern Länge erfolgreich umsetzbar, da auch die Weibchen untereinander extrem unverträglich sein können und eigene Brutreviere vehement verteidigen. Durch den geschickten Einsatz von Wurzeln und großen Pflanzen müssen zwingend optische Barrieren geschaffen werden, damit unterdrückte oder erschöpfte Tiere jederzeit die Möglichkeit haben, sich komplett aus dem Sichtfeld des dominanten Partners zurückzuziehen.
Vergesellschaftung mit anderen Arten
Aufgrund seines feinfühligen, eher scheuen Wesens und der extremen Wasseransprüche sollte Apistogramma uaupesi idealerweise in einem reinen Artaquarium oder nur mit extrem ruhigen Mitbewohnern vergesellschaftet werden. Perfekte Partner für die oberen Wasserschichten sind winzige, friedliche Salmlerarten aus dem Rio Negro, wie beispielsweise der Blaue Neon oder Zwergziersalmler, da sie die Buntbarsche nicht bedrängen und durch ihr freies Schwimmen im Raum Sicherheit signalisieren. Auf die Vergesellschaftung mit quirligen oder dominanten Bodenbewohnern wie Panzerwelsen sollte gänzlich verzichtet werden, da diese die Reviergrenzen der Cichliden permanent missachten und insbesondere in der Brutzeit für endlose, stressreiche Konflikte sorgen würden. Kleine Zwerggarnelen passen perfekt in das Beuteschema der jagdfreudigen Mikroprädaktoren und würden innerhalb kürzester Zeit dezimiert werden.
Ernährung & Fütterung
Als spezialisierter Fleischfresser und Mikroprädator besitzt der Uaupes-Zwergbuntbarsch eine strikte Präferenz für lebende, tierische Nahrung und verweigert herkömmliches Trocken- oder Flockenfutter anfangs oft komplett. Um die Vitalität und die spektakulären Farben zu erhalten, muss die Fütterung überwiegend aus hochwertigem Lebendfutter und Frostfutter bestehen. Frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien, Cyclops, Daphnien sowie weiße und schwarze Mückenlarven sind die absolute Leibspeise und regen zudem die natürliche Laichbereitschaft an. Rote Mückenlarven und Tubifex sollten wegen potenzieller Keimbelastungen und Darmunverträglichkeiten strikt vermieden werden. An feines, fleischbetontes Granulatfutter lassen sich Nachzuchten zwar schrittweise gewöhnen, es darf jedoch immer nur eine sporadische Ergänzung auf dem Speiseplan bleiben, um Verdauungsproblemen zu verhindern.
Zucht & Vermehrung
Die Fortpflanzung im Aquarium ist eine anspruchsvolle Königsdisziplin der Aquaristik, die jedoch bei optimalen Extrem-Weichwasserbedingungen und einem sehr niedrigen pH-Wert erfolgreich gelingen kann. Als klassischer Höhlenbrüter heftet das Weibchen seine Eier an die Decke oder die Innenwände einer engen Bruthöhle, wo sie vom Männchen befruchtet werden. Unmittelbar nach dem Ablaichen übernimmt das Weibchen die alleinige und extrem engagierte Pflege des Geleges in der Höhle, fächelt den Eiern Sauerstoff zu und vertreibt selbst das deutlich größere Männchen rigoros aus der Brutzone. Das Männchen sichert währenddessen die Außengrenzen des Gesamtreviers gegen potenzielle Feinde ab. Nach dem Schlupf und dem Aufbrauchen des Dottersacks führt das leuchtend gelbe Weibchen den dichten Jungfischschwarm durch das Becken. Die Jungen müssen sofort mit frisch geschlüpften Artemia-Nauplien gefüttert werden und benötigen extrem sauberes Wasser für ein gesundes Wachstum.
Gesundheit & typische Probleme
Aufgrund seiner evolutionären Anpassung an die extrem keimarmen und sauren Schwarzwasserbiotope des Rio Negro reagiert Apistogramma uaupesi hochempfindlich auf bakterielle Belastungen und organische Abfallstoffe im Aquarienwasser. Eine unzureichende Beckenhygiene führt fast unweigerlich zu Hautinfektionen, Flossenfäule oder der infektiösen Bauchwassersucht. Auch Darmparasiten wie Flagellaten finden bei gestressten oder falsch ernährten Tieren ein leichtes Spiel, was sich durch weißen, schleimigen Kot und sichtbare Abmagerung bemerkbar macht. Ein wöchentlicher, großzügiger Wasserwechsel mit temperiertem, aufbereitetem Weichwasser sowie der permanente Einsatz von Seemandelbaumblättern zur biologischen Desinfektion sind die tragenden Säulen einer erfolgreichen Krankheitsvorsorge.
Schutzstatus & Verantwortung
IUCN
Der Uaupes-Zwergbuntbarsch ist in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN aktuell nicht mit einem bedrohten Status erfasst, da seine unzugänglichen Habitate im brasilianischen und kolumbianischen Regenwald weitgehend intakt sind. Da im Fachhandel fast ausschließlich kontrollierte Nachzuchten engagierter Spezialisten oder sehr gezielte Wildfänge angeboten werden, bleibt der Druck auf die natürlichen Ökosysteme erfreulich gering.
CITES
Die Art unterliegt zum aktuellen Zeitpunkt keinen Handelsbeschränkungen oder Kontrollen nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen. Der Transfer zu wissenschaftlichen Zwecken oder für die aquaristische Weiterzucht erfordert keine gesonderten behördlichen Dokumente.
WISIA
Im bundesweiten Artenschutz-Informationssystem des Bundesamtes für Naturschutz sind für diesen Zwergbuntbarsch keine Schutz- oder Meldepflichten verzeichnet. Der Erwerb und die Weitergabe von Nachzuchten sind für den privaten Aquarianer somit vollkommen unbürokratisch und ohne behördliche Auflagen möglich.
Häufig gestellte Fragen
Warum wurde der Fisch früher „Breitbinden-Zwergbuntbarsch“ genannt?
Dieser populäre Name bezieht sich direkt auf das optische Hauptmerkmal der Art. Das dunkle Längsband, welches sich von der Schnauzenspitze bis zur Schwanzflosse zieht, ist bei Apistogramma uaupesi im Vergleich zu fast allen anderen Vertretern der Gattung ungewöhnlich breit und intensiv ausgeprägt, was den Fischen ein sehr markantes Aussehen verleiht.
Kann ich Apistogramma uaupesi auch in normalem, mittelhartem Leitungswasser halten?
Eine dauerhaft erfolgreiche Haltung oder gar Zucht in mittelhartem oder hartem Leitungswasser ist bei dieser hochspezialisierten Schwarzwasserart absolut unmöglich. Ohne den konsequenten Einsatz einer Osmoseanlage zur radikalen Reduzierung der Härte und des pH-Werts kränkeln die Tiere schnell, verlieren ihre Farbenpracht und sterben vorzeitig an Organschäden.
Wie verhält sich das Weibchen während der Brutpflege gegenüber dem Männchen?
Sobald die Eier in der Höhle abgelegt sind, erfährt das Sozialverhalten einen radikalen Wandel, bei dem das deutlich kleinere Weibchen die absolute Vorherrschaft übernimmt. Es vertreibt das Männchen energisch aus der Brutzone, da dieses die Eier fressen könnte, und duldet den Partner erst wieder in der Nähe, wenn die Jungfische agil im offenen Wasser schwimmen.
Welches Frostfutter ist für diese sensible Art am besten geeignet?
Besonders empfehlenswert sind gefrorene Artemia-Salinenkrebse, Cyclops und feine Daphnien, da diese Proteine liefern und das Jagdverhalten anregen. Auf die Fütterung von minderwertigen roten Mückenlarven muss zwingend verzichtet werden, da diese bei den empfindlichen Schwarzwasser-Zwergbuntbarschen fast immer schwere, meist tödliche Darmentzündungen hervorrufen.
Woran erkenne ich, dass das Aquarium zu wenig Struktur für die Fische bietet?
Wenn die Fische ständig blass gefärbt an den Aquarienscheiben auf und ab schwimmen, sich dauerhaft im dichten Filterbereich verstecken oder das Männchen das Weibchen ununterbrochen jagt, fehlen optische Barrieren. In diesem Fall müssen sofort zusätzliche Wurzeln, Laubschichten oder Pflanzen eingebracht werden, um klare Reviere abzugrenzen und den Stresspegel zu senken.
