Acheilognathus barbatus – Endemischer Bitterling aus China
Wissenschaftlicher Name
Acheilognathus barbatus (Nichols, 1926)
Acheilognathus barbatus (Nichols, 1926)
Familie
Acheilognathidae (Bitterlinge)
Acheilognathidae (Bitterlinge)
Ordnung
Cypriniformes (Karpfenartige)
Cypriniformes (Karpfenartige)
Name
Bitterling China Green Red
Bitterling China Green Red
Herkunft
China
(Mingjiang, Yangtze Flusssysteme)
China
Lebensraum
Fließgewässer
Fließgewässer
Ernährung
Omnivor
Omnivor
Fortpflanzungstyp
Eierleger mit Ovipositor (Muschellaicher)
Eierleger mit Ovipositor (Muschellaicher)
Größe
4 - 8 cm
4 - 8 cm
Lebenserwartung
4 bis 6 Jahre
4 bis 6 Jahre
Temperatur
18 °C - 24 °C
18 °C - 24 °C
pH-Wert
6,5 - 7,5
6,5 - 7,5
Gesamthärte
5° - 15° dGH
5° - 15° dGH
Karbonathärte
4° - 10° dKH
4° - 10° dKH
Haltung
Aquarium
Aquarium
Schwierigkeitsgrad
Fortgeschritten
Fortgeschritten
Sozialverhalten
Gruppenhaltung (6 bis 8 Tiere)
Gruppenhaltung (6 bis 8 Tiere)
IUCN-Status
Nicht bewertet (NE)
Nicht bewertet (NE)
Verbreitungskarte & Fundort
Acheilognathus barbatus ist ein faszinierender Süßwasserfisch aus der Familie der Karpfenfische (Acheilognathidae), der ausschließlich in den Flusssystemen des Mingjiang und Yangtze in China vorkommt. Erstmals 1926 von Nichols beschrieben, zeichnet sich diese Art durch eine bemerkenswerte Fortpflanzungsstrategie aus: Die Weibchen besitzen einen Ovipositor (Legeröhre), mit dem sie ihre Eier in lebende Süßwassermuscheln (Bivalven) ablegen. Die Jungfische entwickeln sich geschützt im Inneren der Muschel, bis sie schwimmfähig sind. Diese symbiotische Beziehung macht Acheilognathus barbatus zu einem ökologisch hochspezialisierten Fisch. Aufgrund der begrenzten wissenschaftlichen Datenlage über Wasserwerte, Ernährung und Haltungsbedingungen eignet sich diese Art eher für erfahrene Aquarianer mit Interesse an Artenschutz und naturnaher Nachzucht.
Optik & Verhalten
Acheilognathus barbatus gehört zur Gruppe der Bitterlinge, die für ihre einzigartige Fortpflanzungsbiologie bekannt sind. Ein charakteristisches Merkmal der Weibchen ist der Ovipositor – eine verlängerte Legeröhre, die während der Laichzeit deutlich sichtbar wird. Mit diesem Organ legen die Weibchen ihre Eier gezielt in die Kiemenhöhle lebender Süßwassermuscheln ab. Die Jungfische verbleiben nach dem Schlupf in der Muschel, bis sie vollständig entwickelt und schwimmfähig sind. Diese Anpassung schützt die empfindlichen Larven vor Fressfeinden und ungünstigen Umweltbedingungen. Verwechslungsgefahr besteht mit der nahe verwandten Art Acheilognathus barbatulus sowie mit provisorisch als Acheilognathus cf. barbatus bezeichneten Populationen, deren taxonomischer Status noch nicht abschließend geklärt ist.
Natürlicher Lebensraum & Herkunft
Acheilognathus barbatus ist endemisch in den Flusssystemen des Mingjiang und Yangtze in China. Diese großen Fließgewässer bieten vielfältige Lebensräume mit unterschiedlichen Strömungsgeschwindigkeiten, Substraten und Wassertiefen. Entscheidend für das Vorkommen der Art ist die Präsenz geeigneter Süßwassermuscheln, die als Wirte für die Fortpflanzung dienen. Die genauen Mikrohabitate innerhalb dieser Flusssysteme – etwa bevorzugte Wassertiefen, Strömungszonen oder Vegetationsstrukturen – sind wissenschaftlich noch nicht ausreichend dokumentiert. Das Verbreitungsgebiet liegt im zentralen und östlichen China, wobei die Art auf diese Region beschränkt ist und nirgendwo sonst auf der Welt natürlich vorkommt.
Artgerechte Haltung im Aquarium
Aquarium-Einrichtung
Aufgrund fehlender wissenschaftlicher Daten zu den spezifischen Haltungsanforderungen von Acheilognathus barbatus sollte sich die Aquariengestaltung an den Bedürfnissen verwandter Bitterlingsarten orientieren. Ein naturnahes Biotop-Aquarium mit feinem Kies- oder Sandsubstrat, strukturreichen Versteckmöglichkeiten durch Wurzeln und Steine sowie einer moderaten Bepflanzung dürfte den natürlichen Lebensraum am besten nachbilden. Besonders wichtig ist die Integration lebender Süßwassermuscheln (z.B. Teichmuscheln der Gattungen Anodonta oder Unio), ohne die eine erfolgreiche Nachzucht nicht möglich ist. Die Muscheln benötigen ein sauerstoffreiches Milieu und sollten teilweise im Bodengrund eingegraben werden können.
Wasserwerte & Technik
Da konkrete Wasserwerte aus dem natürlichen Habitat nicht dokumentiert sind, empfiehlt sich eine Orientierung an den allgemeinen Bedingungen chinesischer Flusssysteme. Vermutlich bevorzugt Acheilognathus barbatus kühles bis temperiertes Wasser mit guter Sauerstoffversorgung. Eine effiziente Filterung ist essentiell, um die Wasserqualität stabil zu halten – insbesondere wenn Muscheln im Aquarium leben, die empfindlich auf Schadstoffe reagieren. Regelmäßige Teilwasserwechsel tragen zur Gesunderhaltung bei. Eine moderate Strömung simuliert die natürlichen Fließgewässerbedingungen.
Gruppenhaltung & Sozialverhalten
Über das Sozialverhalten von Acheilognathus barbatus liegen keine spezifischen Informationen vor. Bitterlinge werden generell in Gruppen gehalten, wobei ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis empfehlenswert ist. Während der Laichzeit können Männchen territoriales Verhalten zeigen, insbesondere in der Nähe von Muscheln. Eine Gruppenhaltung ab 6-8 Tieren in einem ausreichend großen Becken dürfte artgerecht sein.
Vergesellschaftung mit anderen Arten
Mangels dokumentierter Erfahrungen zur Vergesellschaftung sollte Acheilognathus barbatus bevorzugt in einem Artbecken oder mit friedlichen, nicht zu großen Fischen aus ähnlichen Habitaten gepflegt werden. Aggressive oder räuberische Arten sind ungeeignet. Wichtig ist, dass Mitbewohner die Muscheln nicht stören oder beschädigen, da diese für die Fortpflanzung unverzichtbar sind.
Ernährung & Fütterung
Das natürliche Nahrungsspektrum von Acheilognathus barbatus ist nicht wissenschaftlich erfasst. Verwandte Bitterlingsarten ernähren sich omnivor von kleinen Wirbellosen, Algenaufwuchs, Detritus und pflanzlicher Kost. Im Aquarium sollte eine abwechslungsreiche Fütterung mit hochwertigem Flockenfutter, Frostfutter (Cyclops, Daphnien, Mückenlarven) und gelegentlich pflanzlichen Komponenten (Spirulina, überbrühtes Gemüse) erfolgen. Kleine, häufige Fütterungen sind großen Einzelportionen vorzuziehen.
Zucht & Vermehrung
Die Fortpflanzung von Acheilognathus barbatus ist an die Anwesenheit lebender Süßwassermuscheln gebunden. Während der Laichzeit entwickeln Weibchen einen deutlich sichtbaren Ovipositor, mit dem sie ihre Eier durch die Atemöffnung in die Kiemenhöhle der Muschel einführen. Die Männchen geben ihre Spermien ins freie Wasser ab, die von der Muschel beim Filtern aufgenommen werden und so die Eier befruchten. Die Embryonalentwicklung findet geschützt im Inneren der Muschel statt. Nach dem Schlupf verbleiben die Jungfische noch einige Zeit in der Muschel, bis sie vollständig entwickelt und schwimmfähig sind. Erst dann verlassen sie ihren Wirt. Für eine erfolgreiche Nachzucht im Aquarium sind daher gesunde, aktive Muscheln unerlässlich. Spezifische Auslöser für die Laichbereitschaft (z.B. Temperaturänderungen, Tageslänge) sind nicht dokumentiert.
Gesundheit & typische Probleme
Aufgrund der begrenzten Datenlage sind artspezifische Krankheiten oder Gesundheitsprobleme von Acheilognathus barbatus nicht bekannt. Generell sind Bitterlinge anfällig für bakterielle Infektionen, Pilzbefall und Parasitenbefall bei schlechter Wasserqualität. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Gesundheit der Muscheln, da deren Absterben die Wasserqualität massiv verschlechtern kann. Regelmäßige Kontrolle der Wasserwerte, hygienische Fütterung und Quarantäne neuer Tiere minimieren Krankheitsrisiken.
Schutzstatus & Verantwortung
IUCN
Nicht bewertet (NE) – Die Art wurde bislang nicht von der IUCN Red List erfasst, sodass keine Aussage über den Gefährdungsstatus möglich ist.
CITES
Nicht gelistet – Acheilognathus barbatus unterliegt keinen internationalen Handelsbeschränkungen gemäß dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen.
WISIA
Nicht geschützt – In Deutschland ist die Art nicht nach dem Bundesnaturschutzgesetz oder der EG-Verordnung 338/97 geschützt. Ein Herkunftsnachweis ist nicht erforderlich.
Trotz des fehlenden formalen Schutzstatus trägt jeder Aquarianer Verantwortung für den Erhalt dieser endemischen Art. Die Beschränkung auf ein kleines Verbreitungsgebiet in China macht Acheilognathus barbatus potenziell anfällig für Habitatverlust, Gewässerverschmutzung und andere anthropogene Einflüsse. Nachzuchten im Aquarium können einen Beitrag zum Ex-situ-Artenschutz leisten.
Häufig gestellte Fragen
Kann man Acheilognathus barbatus ohne Muscheln halten?
Eine dauerhafte Haltung ist zwar möglich, jedoch kann die Art ohne lebende Süßwassermuscheln nicht erfolgreich nachgezüchtet werden. Die Muscheln sind essentiell für die Fortpflanzung, da die Weibchen ihre Eier ausschließlich in deren Kiemenhöhle ablegen.
Welche Muscheln eignen sich für die Zucht?
Geeignet sind einheimische Süßwassermuscheln wie Teichmuscheln (Anodonta spp.) oder Malermuscheln (Unio spp.). Diese benötigen sauerstoffreiches Wasser, feines Substrat zum Eingraben und eine gute Wasserqualität.
Wie groß wird Acheilognathus barbatus?
Die genaue Endgröße ist in den verfügbaren Quellen nicht dokumentiert. Verwandte Bitterlingsarten erreichen typischerweise 5-10 cm Körperlänge.
Ist die Art für Anfänger geeignet?
Aufgrund der speziellen Fortpflanzungsbiologie, der begrenzten Informationen zu Haltungsbedingungen und der Notwendigkeit, Muscheln erfolgreich zu pflegen, ist Acheilognathus barbatus eher für fortgeschrittene Aquarianer geeignet.
Warum ist die Art nicht von der IUCN bewertet?
Viele Fischarten aus China sind wissenschaftlich noch unzureichend erforscht. Das Fehlen einer IUCN-Bewertung bedeutet nicht, dass die Art ungefährdet ist – es liegen schlicht keine ausreichenden Daten für eine Einschätzung vor.
Wissenschaftliche Quellen
- FishBase (2006)
Acheilognathus barbatus - Wikipedia
Acheilognathus barbatus - Mindat
Acheilognathus barbatus - MitoFish
Acheilognathus cf. barbatus CHC-2013 - BOLD Systems
Acheilognathus barbatus - IUCN Red List
(Art nicht bewertet) - WISIA Artenschutzdatenbank
(Art nicht gelistet)