Cambarellus patzcuarensis

Cambarellus patzcuarensis - Orangener Zwergkrebs
 
Cambarellus patzcuarensis - Orangener Zwergkrebs

Wissenschaftlicher Name
Cambarellus patzcuarensis
Familie
Cambaridae (Zwergflusskrebse)
Ordnung
Decapoda (Zehnfußkrebse)
Name
Gestreifter Zwergflusskrebs (Zuchtform: CPO / Oranger Zwergflusskrebs)
Herkunft
Zentralamerika (Mexiko Mexico)
Lebensraum
Stehende oder leicht fließende, krautige Gewässer in Höhenlagen; endemisch im Lago de Pátzcuaro.
Ernährung
Omnivor (Allesfresser); Herbstlaub, Detritus, Futtertabletten, Frostfutter, Algen, Schnecken.
Größe
3 - 5 cm (Weibchen werden meist etwas größer als Männchen).
Lebenserwartung
1,5 bis 3 Jahre
Temperatur
15° - 26° C (optimal sind 20° - 24° C)
pH-Wert
7,0 bis 8,5 (braucht tendenziell alkalisches Wasser)
Gesamthärte
12° - 25° dGH (Mittelhart bis hart für stabilen Panzeraufbau)
Karbonathärte
6° - 15° dKH
Haltung
In strukturierten Aquarien ab 45 - 50 Litern mit vielen Verstecken (Tonröhren, Laub, Wurzeln); ausbruchssichere Abdeckung zwingend erforderlich.
Schwierigkeitsgrad
Einfach bis mittel (Sehr anpassungsfähig, aber empfindlich gegen Kupfer und Häutungsfehler bei zu weichem Wasser).
Sozialverhalten
Tag- und dämmerungsaktiv; untereinander oft territorial und leicht aggressiv (Scherenkniffe bei Engpässen), lässt sich gut im Harem (1M, 2 - 3W) halten. Vergesellschaftung mit friedlichen Fischen der mittleren/oberen Wasserzone möglich.
IUCN-Status
Stark gefährdet (EN / Endangered) aufgrund von Umweltverschmutzung und Habitatverlust in seinem Heimatsee
Verbreitungskarte & Fundort
Der Gestreifte Zwergflusskrebs, in der Wissenschaft präzise als Cambarellus patzcuarensis bezeichnet, hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem der absoluten Lieblinge in der modernen Aquaristik entwickelt. Weltweite Berühmtheit erlangte er vor allem durch seine leuchtend orangefarbene Zuchtvariante, die unter dem Kürzel CPO (Cambarellus patzcuarensis var. "orange") bekannt ist. Diese kleine, aber ungemein charakterstarke Krebsart verbindet die faszinierenden Verhaltensweisen der Flusskrebse mit einer Dimension, die perfekt in die heutigen Heimaquarien passt.

Optik & Verhalten

In seiner ursprünglichen Wildform zeigt der kleine Scherenritter eine eher unauffällige, aber wunderschön gemusterte Zeichnung aus graubraunen, dunkelbraunen und beigen Tönen, die ihm in der Natur eine perfekte Tarnung bietet. Die ungleich populärere Zuchtvariante strahlt dagegen in einem intensiven Orange, das von hellen Nuancen bis zu kräftigen Rot-Orange-Tönen reicht und oft von dunkleren Längsstreifen oder einer feinen Marmorierung auf dem Panzer geziert wird. Mit einer Körperlänge von maximal vier bis fünf Zentimetern bei den weiblichen Tieren – während die Männchen meist etwas kleiner und zierlicher bleiben – gehören sie zu den echten Zwergen unter den Zehnfußkrebsen. Ihr Verhalten lässt sich am besten als mutig, tagaktiv und ungemein neugierig beschreiben. Sie verstecken sich keineswegs permanent, sondern patrouillieren aufmerksam durch ihr Revier. Droht vermeintliche Gefahr, flüchten sie nicht kopflos, sondern recken dem Betrachter furchtlos ihre winzigen Scheren entgegen, was ihnen einen unheimlich charmanten Charakter verleiht.

Natürlicher Lebensraum & Herkunft

Die Wiege dieser Art liegt in den geografischen Höhenlagen von Mexiko, genauer gesagt im namensgebenden Lago de Pátzcuaro im Bundesstaat Michoacán. Dieser vulkanische Hochlandsee liegt weit über dem Meeresspiegel und zeichnet sich durch recht spezifische ökologische Bedingungen aus. Die Krebse bewohnen dort vornehmlich die flachen, schlammigen Uferzonen, die dicht mit Unterwasserpflanzen und Schilf bewachsen sind. Der Boden ihres natürlichen Habitats ist oft von einer dicken Schicht aus herabgefallendem Laub und organischem Detritus bedeckt, in dem die Tiere nach Nahrung suchen und Schutz vor Fressfeinden finden.

Artgerechte Haltung im Aquarium

Aufgrund der geringen Endgröße gestaltet sich die Pflege im Aquarium als erfreulich unkompliziert, weshalb die Art auch für ambitionierte Einsteiger wunderbar geeignet ist. Ein artgerechtes Zuhause beginnt idealerweise bei einem Beckenvolumen von etwa fünfundfünfzig Litern für eine kleine Gruppe. Bei der Auswahl des Aquariums sollte stets darauf geachtet werden, dass die reine Bodenfläche beziehungsweise die Kantenlänge des Beckens eine größere Rolle spielt als die Höhe, da sich das Leben dieser Tiere fast ausschließlich auf dem Untergrund abspielt. Da die Krebse exzellente Kletterkünstler sind und selbst an dünnen Silikonnähten oder Kabeln emporsteigen, ist eine absolut lückenlos schließende Aquarienabdeckung eine zwingende Grundvoraussetzung, um tödliche Ausflüge ins Wohnzimmer zu verhindern.

Aquarium-Einrichtung
Die Gestaltung des Aquariums sollte den natürlichen Bedürfnissen nach Struktur und Schutz Rechnung tragen. Ein dunkler, feiner Bodengrund aus Sand oder gerundetem Kies bringt nicht nur die leuchtenden Farben der Krebse phänomenal zur Geltung, sondern schont auch ihre empfindlichen Tastorgane. Das Herzstück der Einrichtung bilden zahlreiche Versteckmöglichkeiten. Hierfür eignen sich kleine Tonröhren, Bambusrohre, Steinaufbauten und Wurzeln, die so angeordnet werden müssen, dass die Sichtlinien am Boden unterbrochen werden. Eine dichte Bepflanzung mit robusten Arten wie Moosen, Javafarn oder feinfiedrigen Stängelpflanzen wertet das Becken optisch auf und bietet zusätzliche Klettermöglichkeiten. Im Gegensatz zu größeren Flusskrebsen graben diese Zwerge die Pflanzen weder aus, noch beschädigen sie das wertvolle Grün. Ein absolutes Muss ist eine großzügige Schicht aus getrocknetem Herbstlaub, beispielsweise von Eichen oder Buchen, das als natürlicher Sichtschutz dient und gleichzeitig permanent abgeweidet wird.

Wasserwerte & Technik
In Bezug auf die chemische Beschaffenheit des Wassers erweisen sich die Krebse als überaus anpassungsfähig, solange extreme Schwankungen vermieden werden. Sie bevorzugen tendenziell mittelhartes bis hartes Wasser mit einer Gesamthärte zwischen zwölf und fünfundzwanzig Grad sowie einer Karbonathärte von sechs bis fünfzehn Grad. Der pH-Wert sollte sich stabil im leicht alkalischen Bereich zwischen sieben und etwa achteinhalb bewegen, da saures Wasser den Chitinpanzer angreifen und zu massiven Häutungsproblemen führen kann. Die Wassertemperatur ist optimal bei Werten zwischen zwanzig und vierundzwanzig Grad Celsius eingestellt, wobei kurzzeitige jahreszeitliche Schwankungen nach unten oder oben gut toleriert werden. Technisch reicht ein zuverlässiger Innenfilter oder ein Hamburger Mattenfilter vollkommen aus, sofern er eine moderate Strömung erzeugt und das Wasser gut mit Sauerstoff anreichert.

Gruppenhaltung & Sozialverhalten
Obwohl man diese Krebse durchaus einzeln pflegen kann, zeigt sich ihr faszinierendes Verhaltensrepertoire erst so richtig in der Gruppe. Sie besitzen ein ausgeprägtes Territorialverhalten und stecken feste Reviere am Aquarienboden ab. Bei Begegnungen kommt es regelmäßig zu kleinen Drohgebärden und Scheingefechten, die bei einer ausreichend strukturierten Einrichtung jedoch völlig harmlos verlaufen. Um dauerhaften Stress zu vermeiden, empfiehlt sich die Haltung im Harem, also ein Männchen mit zwei oder drei Weibchen. So verteilt sich der Paarungsdruck des Männchens besser, und die Tiere können sich in ihren eigenen Zonen des Beckens aus dem Weg gehen.

Vergesellschaftung mit anderen Arten

Aufgrund ihrer friedlichen Natur gegenüber artfremden Beckenbewohnern lassen sich die Zwergflusskrebse wunderbar in Gesellschaftsbecken integrieren. Ideale Partner sind friedliche, im mittleren oder oberen Bereich des Aquariums schwimmende Fische wie kleinere Bärblinge, Guppys oder Salmler. Große, aggressive Raubfische oder extrem bodenorientierte Arten wie größere Welse und Schmerlen sollten gemieden werden, da sie die Krebse entweder als Futter ansehen oder um dieselben Höhlen konkurrieren. Die Vergesellschaftung mit Zwerggarnelen funktioniert in der Regel reibungslos, da die Garnelen viel zu flink für die Krebse sind, obgleich ein unvorsichtiges Jungtier im Einzelfall einmal erbeutet werden kann. Große Wasserschnecken sind ebenfalls gute Mitbewohner, wobei kleinere Posthornschnecken oder Blasenschnecken gelegentlich geknackt und verzehrt werden.

Ernährung & Fütterung

Als klassische Allesfresser sind die Krebse bei der Nahrungssuche absolut nicht wählerisch und nehmen dankbar alles an, was der Pfleger ihnen anbietet. Ihre Hauptnahrung sollte aus pflanzlichen Komponenten wie absinkenden Tabletten, speziellem Krebsfutter, Spirulina-Tabs und gebrühten Brennnesselblättern bestehen. Dennoch benötigen sie für einen gesunden Panzeraufbau regelmäßig Proteine, die in Form von Frostfutter wie Artemia, Daphnien oder Mückenlarven gereicht werden können. Eine dauerhafte Quelle für Ballaststoffe und wichtige Gerbstoffe stellt das bereits erwähnte braune Herbstlaub dar, welches von Mikroorganismen besiedelt wird und den Krebsen als gesunder Dauersnack dient.

Zucht & Vermehrung

Die Vermehrung im Aquarium verläuft unter optimalen Bedingungen fast von ganz alleine und erfordert keine künstliche Stimulation. Nach einer oft recht wild aussehenden Paarung, bei der das Männchen das Weibchen auf den Rücken dreht, legt das Weibchen nach einigen Tagen zwischen zwanzig und fünfzig Eier. Diese heftet sie an ihre Schwimmbeine unter dem Pleon. Während der rund vierwöchigen Tragzeit zieht sich das Weibchen extrem zurück und fächelt den Eiern permanent frischen Sauerstoff zu. Aus den Eiern schlüpfen keine Larven, sondern vollständig entwickelte, winzige Abbilder ihrer Eltern. Die Jungkrebse sind anfangs sehr kannibalisch veranlagt, weshalb eine dicke Schicht aus Laub und feinsten Verstecken im Aufzuchtbecken essenziell ist, damit möglichst viele Tiere unbeschadet heranwachsen.

Gesundheit & typische Probleme

Das größte Gesundheitsrisiko für alle Krebse stellt der Prozess der Häutung dar. Während dieser Phase werfen sie ihr altes Exoskelett ab und sind für einige Tage vollkommen weich und schutzlos, weshalb man in der Aquaristik auch vom sogenannten "Butterkrebs" spricht. Fehlen in dieser Zeit adäquate Verstecke, werden sie leicht Opfer ihrer eigenen Artgenossen. Ein weiteres, absolut tödliches Problem ist die Krebspest, ein Schlauchpilz, der von nordamerikanischen Krebsarten übertragen wird. Da Cambarellus patzcuarensis selbst aus Nord- bzw. Mittelamerika stammt, besitzt er zwar eine gewisse Toleranz, darf aber niemals mit infizierten Überträgern zusammengehalten werden. Zudem reagieren die Tiere extrem empfindlich auf Schwermetalle im Wasser, weshalb kupferhaltige Medikamente oder Dünger im Krebsaquarium strengstens verboten sind.

Schutzstatus & Verantwortung

Als verantwortungsvoller Aquarianer sollte man sich stets darüber im Klaren sein, dass man ein Lebewesen pflegt, dessen Heimatbiotop akuten Bedrohungen ausgesetzt ist. Die Pflege im Aquarium dient somit im weitesten Sinne auch der Erhaltung einer genetischen Reserve außerhalb der Natur. Es versteht sich von selbst, dass Aquarientiere niemals in heimische Wildgewässer ausgesetzt werden dürfen, da sie dort das ökologische Gleichgewicht massiv stören könnten.

IUCN
In der Roten Liste der IUCN wird der Cambarellus patzcuarensis in seiner Wildform als stark gefährdet (Endangered) eingestuft. Die Gründe hierfür liegen in der massiven Umweltverschmutzung seines Heimatsees, der zunehmenden Austrocknung und dem illegalen Einbringen invasiver Fischarten zu Speisezwecken, welche die Wildbestände drastisch dezimieren.

CITES
Die Art ist aktuell nicht in den Anhängen des CITES-Abkommens (Artenschutzübereinkommen) gelistet. Es liegen somit keine internationalen Handelsbeschränkungen oder strengen Import-Export-Zertifizierungspflichten für den legalen Erwerb dieser Zwergflusskrebse vor.

WISIA
Im deutschen wissenschaftlichen Informationssystem für den Artenschutz (WISIA) wird der Gestreifte Zwergflusskrebs derzeit nicht als geschützte oder invasive Art mit besonderen Besitz- oder Vermarktungsverboten geführt. Der Handel und die Haltung der Nachzuchten sind im europäischen Raum somit vollkommen legal und unbürokratisch möglich.

Häufig gestellte Fragen

Wie alt werden die orangenen Zwergflusskrebse im Aquarium?
Die Lebenserwartung dieser kleinen Wirbellosen ist biologisch bedingt relativ kurz und liegt unter guten Haltungsbedingungen im Durchschnitt zwischen achtzehn und vierundzwanzig Monaten, in seltenen Ausnahmefällen auch bis zu drei Jahren.

Fressen die Krebse meine Aquarienpflanzen auf?
Nein, im Gegensatz zu vielen großen Flusskrebsarten vergreift sich diese Zwergkrebsart überhaupt nicht an gesunden Pflanzen. Sie nutzen das Grün lediglich als Klettergerüst und weiden die darauf wachsenden Biofilme ab.

Warum versteckt sich mein Krebs plötzlich tagelang?
Wenn ein ansonsten aktiver Krebs plötzlich von der Bildfläche verschwindet, steht meist eine Häutung bevor oder ein Weibchen trägt Eier. In beiden Phasen suchen die Tiere instinktiv Schutz und sollten keinesfalls gestört oder durch das Bewegen von Dekoration gesucht werden.

Kann man CPOs mit Zwerggarnelen zusammen halten?
Ja, das ist in einem ausreichend großen und gut strukturierten Aquarium meistens problemlos möglich. Da Garnelen extrem flink sind, erwischt der Krebs sie nur in seltenen Ausnahmefällen, wenn eine Garnele krank oder unvorsichtig ist.

Was passiert, wenn ein Krebs bei einem Streit eine Schere verliert?
Der Verlust von Gliedmaßen oder Scheren sieht zwar dramatisch aus, ist für das Tier jedoch kein Todesurteil. Im Zuge der nächsten Häutungen regenerieren sich verlorene Extremitäten schrittweise, bis sie wieder ihre volle Größe erreicht haben.