Altolamprologus calvus

Altolamprologus calvus - Paar

Altolamprologus calvus
Paar

Altolamprologus calvus - Männchen

Altolamprologus calvus
Männchen

Altolamprologus calvus - Bei der Jagd

Altolamprologus calvus
Bei der Jagd

Altolamprologus calvus - Perlhuhncichlide

Wissenschaftlicher Name
Altolamprologus calvus
Familie
Cichlidae (Buntbarsche)
Ordnung
Cichliformes (Buntbarschartige) / ehemals Barschartige (Perciformes)
Name
Perlhuhncichlide (auch Perlhuhncichlide oder Perlhuhn-Nanderbarsch)
Herkunft
Ostafrika Tanganjikasee Congo, Democratic RepublicTanzaniaZambiaBurundi
Lebensraum
Reines Felslitoral, felsige Höhlensysteme und tiefe Spalten
Ernährung
Carnivor (Fleisch- und räuberische Nahrung wie Kleinkrebse, Insektenlarven und Fischbrut)
Größe
Männchen bis ca. 14 - 15 cm, Weibchen deutlich kleiner mit ca. 8 - 10 cm
Lebenserwartung
ca. 8 bis 10 Jahre
Temperatur
24° - 27° C
pH-Wert
7,8 - 9,0 (typisch für den alkalischen Tanganjikasee)
Gesamthärte
10° - 20° dGH (mittelhart bis hart)
Karbonathärte
15° - 20° dKH (sehr hoher Pufferbereich im Herkunftssee)
Haltung
Paarweise in strukturierten Becken ab ca. 200 - 250 Litern mit vielen Steinaufbauten
Schwierigkeitsgrad
Fortgeschritten / Anspruchsvoll (reagiert empfindlich auf schwankende Wasserwerte)
Sozialverhalten
Ruhiger, tendenziell scheuer Lauerjäger; innerartlich territorial (besonders in der Paarungszeit); friedlich gegenüber anderen, nicht zu kleinen Arten.
IUCN-Status
Potenziell gefährdet (NT / Near Threatened)
Verbreitungskarte & Fundort
Der Perlhuhn-Cichlide, in der wissenschaftlichen Fachwelt präzise als Altolamprologus calvus klassifiziert, gehört zu den faszinierendsten und anatomisch außergewöhnlichsten Buntbarschen des afrikanischen Tanganjikasees. Der Gattungsname setzt sich aus dem lateinischen Wort für „hoch“ und dem altbekannten Cichliden-Gattungsnamen Lamprologus zusammen, was auf den extrem hochrückigen Körperbau dieser Fische verweist. Das Art-Epitheton „calvus“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt „kahl“ oder „hauchdünn“, was auf die charakteristische, beschuppungsfreie Zone auf der Stirn- und Kopfregion der Tiere anspielt. In der Aquaristik erfreut sich dieser hochspezialisierte Raubfisch aufgrund seines majestätisch-ruhigen Verhaltens und seiner unverwechselbaren Silhouette einer enormen Beliebtheit bei Liebhabern ostafrikanischer Grabenseecichliden.

Optik & Verhalten

Die optische Erscheinung von Altolamprologus calvus ist ein meisterhaftes Produkt der Evolution und perfekt an seinen Lebensraum angepasst. Der Körper ist extrem seitlich komprimiert, messerrückenartig dünn und gleichzeitig enorm hochrückig, was den Fischen ein fast prähistorisches Aussehen verleiht. Die Männchen erreichen eine Körperlänge von bis zu dreizehn Zentimetern, während die Weibchen mit rund sieben bis acht Zentimetern auffallend kleiner bleiben. Die Grundfärbung variiert je nach Standortvariante von tiefem Schwarz über Dunkelblau bis hin zu einem hellen Gelb oder Weiß, wobei der gesamte Körper und die Flossen von unzähligen, intensiv weiß-bläulich glänzenden Punkten übersät sind, die an das Gefieder eines Perlhuhns erinnern. Ein weiteres markantes Merkmal ist das tief gespaltene, nach oben gerichtete Raubfischmaul. Vom Verhalten her bewegen sich die Tiere meist in aufrechter oder charakteristisch nach unten geneigter Haltung majestätisch und extrem langsam durch das Becken. Sie gelten als ausgeprägte Stoßräuber, die stundenlang bewegungslos lauern können, bis sich eine Beute bietet.

Natürlicher Lebensraum & Herkunft

Der Perlhuhn-Cichlide ist ein strikter Endemit des Tanganjikasees in Ostafrika, was bedeutet, dass er weltweit ausschließlich in diesem zweittiefsten See der Erde vorkommt. Innerhalb des Sees besiedelt die Art bevorzugt das stark strukturierte Felslitoral im südlichen und südwestlichen Teil, vor allem entlang der Küstenstriche von Sambia und Tansania. Ihr natürlicher Lebensraum ist von gigantischen Steinformazionen, tiefen Felsspalten und engen Höhlensystemen geprägt, die bis in Wassertiefen von über zwanzig Metern reichen. Die extreme Seitenvorstreckung ihres Körpers ermöglicht es den Fischen in der Natur, in die engsten vertikalen Spalten vorzudringen, um dort Schutz vor größeren Räubern zu suchen oder gezielt nach kleinen Krebstieren und den Jungfischen anderer Cichliden zu jagen.

Artgerechte Haltung im Aquarium

Für eine dauerhaft erfolgreiche und artgerechte Pflege von Altolamprologus calvus muss das Aquarium zwingend den Dimensionen und dem Verhalten der Fische angepasst sein. Da die Art zwar keine extremen Langstreckenschwimmer ist, aber im Alter recht stattlich wird, sollte das Aquarium eine Mindestlänge von einhundert Zentimetern und ein Volumen von etwa zweihundert Litern aufweisen. Größere Becken sind bei der Pflege mehrerer Paare oder im Gesellschaftsbecken dringend anzuraten. Da die Fische ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis haben und im offenen Freiwasser schnell scheu werden, muss das Aquarium eine ausgewogene Balance aus freiem Schwimmraum im vorderen Bereich und einer massiven Steinbarriere im Hintergrund bieten.

Aquarium-Einrichtung
Die Gestaltung des Aquarieninnenraums muss die felsige Heimat im Tanganjikasee detailgetreu nachempfinden. Als Bodengrund ist feiner, heller bis beigefarbener Sand die absolut beste Wahl, da die Fische nicht wie andere Cichliden wühlen, aber den Sandboden als natürlichen Kontrast nutzen. Das dominierende Element der Einrichtung müssen große, standsichere Steinaufbauten aus Lochgestein, Basalt oder Flusssteinen sein, die bis an die Wasseroberfläche reichen und zahlreiche vertikale Spalten sowie Höhlen bilden. Für die Weibchen müssen zudem gezielt sehr enge Verstecke geschaffen werden, in die das deutlich größere Männchen nicht hineinpasst. Große leere Schneckenhäuser von afrikanischen Landschnecken oder spezielle Keramikhöhlen werden hierfür ebenfalls gerne angenommen und dienen später als exklusiver Brutplatz. Auf Pflanzen kann in einem solchen Setup weitgehend verzichtet werden, robuste Arten wie Anubias oder Javafarn können jedoch problemlos auf die Steine aufgebunden werden.

Wasserwerte & Technik
In Bezug auf die Wasserparameter stellt Altolamprologus calvus die typischen, unnachgiebigen Ansprüche eines Grabensee-Bewohners. Das Wasser muss zwingend hart bis sehr hart sein, wobei die Gesamthärte zwischen zehn und zwanzig Grad und die Karbonathärte idealerweise über fünfzehn Grad deutscher Härte liegen sollte. Der pH-Wert muss sich stabil im stark alkalischen Bereich zwischen 8,0 und 9,0 bewegen, was im Zweifelsfall durch den Einsatz von kalkhaltigem Gestein oder speziellen Mineralsalzen unterstützt werden kann. Die Wassertemperatur fühlt sich im Bereich von vierundzwanzig und siebenundzwanzig Grad Celsius optimal ein. Technisch ist eine leistungsstarke, sauerstoffreiche Filterung essentiell, da die Fische sehr empfindlich auf Ammonium und Nitrit reagieren. Ein wöchentlicher Teilwasserwechsel von mindestens dreißig Prozent ist Pflicht, um das Wasser kristallklar und keimarm zu halten.

Gruppenhaltung & Sozialverhalten
Das Sozialverhalten des Perlhuhn-Cichliden ist im Vergleich zu vielen anderen afrikanischen Buntbarschen erstaunlich friedlich, sofern es sich nicht um die innerartliche Konkurrenz handelt. Am besten funktioniert die Haltung als festes, harmonierendes Paar. Eine Gruppenhaltung mit mehreren Männchen ist nur in sehr großen Aquarien ab einhundertfünfzig Zentimetern Kantenlänge zu empfehlen, da die Männchen untereinander feste Reviere rund um ihre bevorzugten Felsspalten besetzen und Eindringlinge vehement vertreiben. Die Weibchen sind ebenfalls territorial, beanspruchen jedoch deutlich kleinere Reviere rund um ihre Bruthöhlen. Durch eine geschickte Anordnung der Steinaufbauten müssen klare Sichtblenden geschaffen werden, damit unterlegene Tiere dem dominanten Männchen komplett aus den Augen gehen können.

Vergesellschaftung mit anderen Arten

Von Walter Hilgner

Altolamprologus calvus lebt im Felslitoral des südlichen Teils des Tanganjikasees. Der Perlhuhnbuntbarsch ist ein Höhlenbrüter, der seine Gelege in Felsspalten versteckt.

Im Aquarium lässt er sich gut in großen Schneckenhäusern vermehren. Nach kräftiger Fütterung mit Frostfutter beginnt das Männchen mit der Balz. Es schwimmt ruckartig um das Weibchen und präsentiert sich quer, mit abgespreizten Flossen vor ihr. Das Weibchen streckt ihm zitternd ihren Bauch entgegen. Sie legt ihre Eier im Schneckenhaus ab und das Männchen streicht zur Befruchtung über das Gehäuse. Die Bruthöhle wird in den nächsten Tagen nicht mehr verlassen. Das Männchen verteidigt aggressiv das Revier um die Brutstätte.

Nach 14 Tagen verlassen ca. acht Millimeter große, gelblich - grüne Jungfische das Schneckenhaus. Sie sollten mehrmals täglich mit frisch geschlüpftem Artemia gefüttert werden.

Altolamprologus calvus wächst sehr langsam. Nach sechs Monaten haben die Jungtiere eine Länge von drei bis vier Zentimeter erreicht. Anhand des Wachstumsunterschiedes lassen sich die Geschlechter unterscheiden. Weibchen wachsen erheblich langsamer als männliche Tiere.

Wie bei allen Tanganjikaseecichliden sollte auf regelmäßigen Wasserwechsel und abwechslungsreiche Fütterung geachtet werden.
Altolamprologus calvus eignet sich hervorragend für ein klassisches Tanganjika-Gesellschaftsaquarium, sofern die Mitbewohner mit Bedacht ausgewählt werden. Ideale Partner sind robuste, im Freiwasser lebende Heringscichliden der Gattung Cyprichromis oder diverse Schneckenbuntbarsche (Lamprologus), da sich diese Arten in völlig anderen Zonen des Beckens aufhalten. Auch die Vergesellschaftung mit größeren Julidochromis-Arten verläuft in gut strukturierten Becken meist harmonisch. Da der Perlhuhn-Cichlide jedoch ein spezialisierter Raubfisch ist, werden alle Fische und Jungfische, die kleiner als drei Zentimeter sind und in sein Maul passen, gnadenlos gejagt und gefressen. Eine Vergesellschaftung mit extrem kleinen Schneckenbuntbarschen oder Zwerggarnelen ist daher ausgeschlossen.

Ernährung & Fütterung

Als hochspezialisierter Fleischfresser benötigt Altolamprologus calvus eine proteinreiche, kräftige Kost, um gesund zu bleiben und seine volle Farbenpracht zu entfalten. Den absoluten Schwerpunkt im Speiseplan sollte hochwertiges Frostfutter und Lebendfutter wie Artemia-Salinenkrebse, Mysis, Krill, Bachflohkrebse sowie weiße und schwarze Mückenlarven bilden. Auch kleine Futterfische oder Garnelenstücke werden gierig akzeptiert. An trockenes Granulatfutter oder Flocken lassen sich die Tiere nur sehr schwer und langwierig gewöhnen; es sollte daher niemals als Hauptfutter dienen, da eine rein trockene Ernährung bei diesen Wildformen schnell zu schweren Verdauungsstörungen und der gefürchteten Tanganjika-Cichliden-Krankheit führen kann.

Zucht & Vermehrung

Die Nachzucht des Perlhuhn-Cichliden im Aquarium ist ein faszinierendes und langwieriges Geduldspiel. Als klassischer Höhlenbrüter sucht sich das Paar eine Höhle oder ein Schneckenhaus, dessen Eingang so eng ist, dass nur das deutlich kleinere Weibchen hineinpasst. Das Weibchen legt seine Eier tief im Inneren ab, woraufhin das Männchen sein Sperma von außen vor den Höhleneingang abgibt, welches das Weibchen durch intensives Fächeln zu den Eiern transportiert. Nach der Befruchtung übernimmt das Weibchen die alleinige Brutpflege im Inneren der Höhle und blockiert den Eingang mit seinem Körper, während das Männchen das Revier nach außen hin gegen Feinde absichert. Die Larven schlüpfen nach einigen Tagen und wachsen extrem langsam heran. Sobald sie die Höhle verlassen, können sie mit frisch geschlüpften Artemia-Nauplien gefüttert werden, benötigen jedoch Monate, um eine nennenswerte Größe zu erreichen

Gesundheit & typische Probleme

Obwohl Altolamprologus calvus als langlebiger und robuster Fisch gilt, reagiert er extrem empfindlich auf plötzliche Schwankungen der Wasserwerte und organische Belastungen. Ein Absinken des pH-Werts in den sauren Bereich oder zu hohe Nitratwerte schwächen das Immunsystem rapide und führen unweigerlich zu bakteriellen Infektionen, Flossenfäule oder der sogenannten Aufblähkrankheit (Bloat), die bei Grabensee-Cichliden oft tödlich endet. Auch Verletzungen an den Flanken durch zu scharfkantiges Gestein können sich schnell infizieren. Die beste Prophylaxe besteht in einer absolut konstanten Wasserhärte, einem hohen pH-Wert, wöchentlichen Wasserwechseln und einer artgerechten, ballaststoffreichen Frostfütterung unter Verzicht auf minderwertiges Flockenfutter.

Schutzstatus & Verantwortung

IUCN
In der Roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) ist Altolamprologus calvus aktuell als „Near Threatened“ (potenziell gefährdet) eingestuft. Obwohl die Populationen in den tiefen Felsregionen des Tanganjikasees in vielen Bereichen noch stabil sind, leidet die Art lokal unter der zunehmenden Umweltverschmutzung, der Überfischung für den Zierfischhandel und dem Klimawandel, der das Ökosystem des Sees verändert.

CITES
Die Art unterliegt derzeit keinen internationalen Handelsbeschränkungen nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES). Der Import von Wildfängen aus den Herkunftsländern Tansania oder Sambia ist legal, unterliegt jedoch strengen staatlichen Exportkontrollen und Fangquoten vor Ort.

WISIA
Im deutschen Artenschutz-Informationssystem (WISIA) des Bundesamtes für Naturschutz wird Altolamprologus calvus ohne besonderen Schutzstatus oder behördliche Meldepflichten geführt. Der Erwerb, die Haltung und die Weitergabe von Nachzuchten im privaten Rahmen sind für den Aquarianer somit vollkommen unbürokratisch möglich.

Häufig gestellte Fragen

Warum ist mein Altolamprologus calvus so extrem schreckhaft und versteckt sich nur?
Dieses Verhalten ist in den ersten Wochen nach dem Einzug völlig normal, da die Art von Natur aus ein vorsichtiger Lauerjäger ist. Wenn die Schreckhaftigkeit anhält, liegt es meist an einer zu hellen Beleuchtung, einem Mangel an vertikalen Felsspalten oder dem Fehlen von sogenannten „Beifischen“ im Freiwasser, die dem Perlhuhn-Cichliden signalisieren, dass keine Gefahr droht.

Kann man Altolamprologus calvus mit Malawisee-Cichliden vergesellschaften?
Obwohl beide Seen hartes Wasser aufweisen, wird von einer Vergesellschaftung dringend abgeraten. Malawicichliden (insbesondere Mbunas) sind ungleich agiler, aggressiver und oft hektische Dauerschwimmer, was den ruhigen, besonnenen Altolamprologus calvus massiv unter Stress setzt, sodass er meist die Nahrungsaufnahme verweigert und verkümmert.

Welche Standortvarianten gibt es vom Perlhuhn-Cichliden im Handel?
Je nach Fundort im Tanganjikasee gibt es spektakuläre Farbformen. Zu den bekanntesten gehören „Black Pectoral“ oder „Congo Black“ mit fast tiefschwarzer Färbung, „White Chaitika“ mit sehr hellem Körper und blauem Glanz sowie die wunderschöne Variante „Yellow“ oder „Gold“ aus Sambia, die einen intensiv gelblichen Körper aufweist.

Wie alt können diese Fische im Aquarium werden?
Unter optimalen Haltungsbedingungen, erstklassiger Wasserhygiene und einer ausgewogenen Ernährung mit Frostfutter können diese Cichliden eine bemerkenswerte Lebenserwartung von acht bis über zehn Jahren erreichen, was sie zu sehr langfristigen und treuen Pfleglingen im Aquarium macht.

Woran erkenne ich, dass ein Paar Perlhuhn-Cichliden laichen möchte?
Das Männchen beginnt, das Weibchen intensiv zu umwerben, indem es sich mit gespreizten Flossen quer vor ihm aufstellt und zitternde Bewegungen vollführt. Das Weibchen sucht daraufhin immer wieder die ausgewählte, enge Bruthöhle auf, säubert diese von Sandresten und verbleibt schließlich über Stunden im Inneren, während das Männchen den Eingang bewacht.