Apistogramma borelli - "Gelber" Zwergbuntbarsch
Wissenschaftlicher Name
Apistogramma borelli (Regan, 1906)
Apistogramma borelli (Regan, 1906)
Familie
Cichlidae (Buntbarsche)
Cichlidae (Buntbarsche)
Ordnung
Cichliformes (früher den Barschartigen/Perciformes zugeordnet)
Cichliformes (früher den Barschartigen/Perciformes zugeordnet)
Name
Borellis Zwergbuntbarsch (auch Gelber Zwergbuntbarsch oder Reitzigs Zwergbuntbarsch)
Borellis Zwergbuntbarsch (auch Gelber Zwergbuntbarsch oder Reitzigs Zwergbuntbarsch)
Herkunft
Südamerika, Brasilien
(Mato Grosso, Pantanal)
Südamerika, Brasilien
Lebensraum
Flache, ufernahe, strömungsarme Klarwasserbereiche mit dichter Unterwasservegetation und Laubschichten.
Flache, ufernahe, strömungsarme Klarwasserbereiche mit dichter Unterwasservegetation und Laubschichten.
Ernährung
Carnivor (Fleischfresser); bevorzugt Lebend- und Frostfutter wie Artemia, Mückenlarven, Cyclops und Daphnien.
Carnivor (Fleischfresser); bevorzugt Lebend- und Frostfutter wie Artemia, Mückenlarven, Cyclops und Daphnien.
Größe
Männchen bis zu 6 cm, Weibchen bleiben mit ca. 4 cm deutlich kleiner
Männchen bis zu 6 cm, Weibchen bleiben mit ca. 4 cm deutlich kleiner
Lebenserwartung
2 bis 4 Jahre
2 bis 4 Jahre
Temperatur
20° - 25° C (Verträgt kurzzeitig deutlich kühlere Phasen von 15° - 18° C im Winter, da subtropische Herkunft).
20° - 25° C (Verträgt kurzzeitig deutlich kühlere Phasen von 15° - 18° C im Winter, da subtropische Herkunft).
pH-Wert
6,0 - 7,5
6,0 - 7,5
Gesamthärte
2° - 15° dGH (Sehr anpassungsfähig für einen Zwergbuntbarsch)
2° - 15° dGH (Sehr anpassungsfähig für einen Zwergbuntbarsch)
Karbonathärte
unter 8° dKH
unter 8° dKH
Haltung
In Aquarien ab 60 cm Kantenlänge (ca. 54 - 60 Liter) für ein Paar; feiner Sandboden, strukturreiche Einrichtung mit vielen Höhlen (z. B. Kokosnüsse) und dichter Bepflanzung zwingend erforderlich.
In Aquarien ab 60 cm Kantenlänge (ca. 54 - 60 Liter) für ein Paar; feiner Sandboden, strukturreiche Einrichtung mit vielen Höhlen (z. B. Kokosnüsse) und dichter Bepflanzung zwingend erforderlich.
Schwierigkeitsgrad
Anfänger (gilt als einer der robustesten und anspruchslosesten Apistogramma-Arten).
Anfänger (gilt als einer der robustesten und anspruchslosesten Apistogramma-Arten).
Sozialverhalten
Friedlicher, aber revierbildender Fisch; Männchen leben polygam im Harem; ausgeprägte Brutpflege durch das Weibchen (Höhlenbrüter).
Friedlicher, aber revierbildender Fisch; Männchen leben polygam im Harem; ausgeprägte Brutpflege durch das Weibchen (Höhlenbrüter).
IUCN-Status
Nicht gefährdet (LC / Least Concern)
Nicht gefährdet (LC / Least Concern)
Verbreitungskarte & Fundort
Der Borellis Zwergbuntbarsch, wissenschaftlich als Apistogramma borellii klassifiziert und im deutschen Sprachraum gelegentlich auch als Reitzigs Zwergbuntbarsch oder Gelber Zwergbuntbarsch bezeichnet, gehört zur artenreichen Familie der Buntbarsche (Cichlidae). Dieser kleine, südamerikanische Fisch zählt seit vielen Jahrzehnten zu den absoluten Juwelen der Aquaristik. Sein wissenschaftlicher Artname ehrt den Forscher Alfredo Borelli, welcher die ersten Exemplare dieser Art sammelte. Unter Aquarianern genießt er vor allem deshalb einen herausragenden Ruf, weil er im Vergleich zu vielen seiner recht empfindlichen Verwandten aus der Gattung Apistogramma als unkompliziert, anpassungsfähig und ausgesprochen friedfertig gilt.
Optik & Verhalten
Ein Blick auf ausgewachsene Exemplare offenbart einen faszinierenden Geschlechtsdimorphismus, bei dem Männchen und Weibchen völlig unterschiedlich wirken. Die männlichen Tiere erreichen eine Gesamtlänge von etwa sechs bis sieben Zentimetern. Sie bilden im Laufe ihrer Entwicklung imposante, fächerartig vergrößerte Rücken- und Afterflossen aus, was ihnen im englischsprachigen Raum den treffenden Namen „Umbrella Cichlid“ eingebracht hat. Farblich zeigen sie eine Palette aus metallisch irisierenden Blautönen, kombiniert mit einer leuchtend gelben Kehl- und Brustregion sowie feinen roten Zeichnungen im Gesicht. Besonders populär ist die intensiv blau-türkis glänzende Standortvariante „Opal“.
Die Weibchen bleiben mit vier bis fünf Zentimetern deutlich kleiner und kompakter. Sie zeigen außerhalb der Paarungszeit ein schlichtes, tarngelbes bis grau-bräunliches Gewand. Sobald sie jedoch in Brutstimmung geraten, verwandeln sie sich schlagartig: Sie nehmen eine intensiv leuchtende, zitronengelbe Warnfärbung an, die mit tiefschwarzen Kontraststreifen im Gesicht und am Körper verziert ist. Vom Verhalten her ist Apistogramma borellii ein ruhiger, besonnener und aufmerksamer Beobachter. Die Fische bewegen sich meist knapp über dem Bodengrund und erkunden mit bedächtigen Flossenschlägen ihre Umgebung, wobei sie Männchen-typische Reviere besetzen, ohne dabei übermäßig aggressiv gegen andere Aquarienbewohner vorzugehen.
Natürlicher Lebensraum & Herkunft
Das natürliche Verbreitungsgebiet dieser Art erstreckt sich über weite Teile des südlichen Südamerikas. Der Schwerpunkt der Populationen liegt im riesigen Einzugsgebiet des Río Paraguay sowie im unteren Río Paraná. Damit reicht ihr Vorkommen vom tropischen Pantanal in Brasilien über Paraguay bis in die kühleren, subtropischen Zonen Nordargentiniens und Teile Boliviens. In ihrer Heimat besiedeln die Fische vor allem die flachen, strömungsarmen Uferzonen, kleine Waldbäche, schattige Seitenarme und temporäre Überschwemmungsgebiete.
Diese Habitate zeichnen sich meist durch klares Wasser, einen sandigen oder schlammigen Untergrund und eine extreme Dichte an organischem Material aus. Der Boden ist oft meterdick mit herabgefallenen Blättern, Totholz, Ästen und dichten Polstern aus Wasserpflanzen bedeckt. Da diese Regionen im Jahresverlauf starken klimatischen Schwankungen unterliegen, müssen die Tiere in der Natur sowohl mit heißen Sommerperioden als auch mit erstaunlich kühlen Übergangsmonaten zurechtkommen. Dies erklärt ihre bemerkenswerte Robustheit im Aquarium.
Artgerechte Haltung im Aquarium
Aufgrund ihrer geringen Körpergröße und ihres friedlichen Wesens lässt sich ein einzelnes Paar oder ein kleiner Harem bereits in Aquariengrößen ab 60 Zentimetern Kantenlänge (ca. 54 bis 60 Liter Volumen) erfolgreich pflegen. Wer jedoch das volle Spektrum ihres natürlichen Verhaltens, das Balzspiel und die Aufzucht mehrerer Generationen ohne Stress beobachten möchte, ist mit einem Becken ab 80 Litern oder mehr deutlich besser beraten.
Die Pflege dieser Zwergbuntbarsche gestaltet sich erfreulich unkompliziert, weshalb sie als die idealen „Einsteiger-Apistogrammas“ gelten. Wichtig ist, dass im Aquarium Ruhe einkehrt. Hektische, extrem schwimmfreudige oder gar aggressive Beckeninsassen verschüchtern die kleinen Cichliden schnell, sodass sie sich zurückziehen und ihre prächtigen Farben verblassen. Da sie sich bevorzugt in der unteren Beckenregion aufhalten, sollte die Bodenfläche optimal strukturiert sein, um jedem Tier seinen eigenen kleinen Lebensbereich zu ermöglichen.
Aquarium-Einrichtung
Bei der Gestaltung des Aquariums sollte das natürliche Biotop als Vorbild dienen. Der Bodengrund ist der wichtigste Faktor: Hier muss zwingend feiner, ungekippter Sand gewählt werden. Apistogramma borellii zeigt ein typisches Verhalten, bei dem die Tiere Sand mit dem Maul aufnehmen, diesen nach fressbaren Mikroorganismen durchsieben und durch die Kiemen wieder ausstoßen. Grober oder scharfkantiger Kies kann hierbei zu schweren Verletzungen der empfindlichen Kiemenstrukturen und des Mauls führen.
Das Becken sollte zudem üppig mit feinfiedrigen und breitblättrigen Wasserpflanzen bewachsen sein, die bis an die Oberfläche reichen, um schattige Zonen zu kreieren. Die Strukturierung des Raumes erfolgt durch den geschickten Einsatz von Moorkienwurzeln, Steinaufbauten und verschiedenen Höhlen. Da es sich um klassische Höhlenbrüter handelt, dürfen kleine, engmündige Tonhöhlen, Kokosnussschalen mit Einströmlöchern oder umgedrehte kleine Blumentöpfe auf keinen Fall fehlen. Idealerweise bietet man pro Weibchen mindestens zwei Verstecke an, die optisch voneinander getrennt sind. Eine Schicht aus getrocknetem Herbstlaub (z.B. Seemandelbaumblätter oder Buchenlaub) auf dem Sandboden rundet das stimmige Bild ab, liefert wertvolle Huminstoffe und dient den Fischen als Sichtschutz und Reviergrenze.
Wasserwerte & Technik
Hinsichtlich der chemischen Zusammensetzung des Wassers erweist sich der Borellis Zwergbuntbarsch als wahrer Anpassungskünstler. Während viele andere Arten der Gattung zwingend extrem weiches und saures Osmosewasser benötigen, toleriert diese Art auch mittelhartes und leicht alkalisches Leitungswasser ohne Probleme. Ein pH-Wert im Bereich von 6,0 bis 7,5 sowie eine Gesamthärte (GH) von bis zu 15 °dH sind für die reine Haltung absolut im grünen Bereich.
Bei der Temperatur zeigt sich die subtropische Herkunft der Tiere: Sie benötigen im Gegensatz zu rein tropischen Fischen keine dauerhafte Hitze. Eine Wohlfühltemperatur zwischen 20 und 25 °C ist ideal. Es ist für die Vitalität und Langlebigkeit der Tiere sogar ausgesprochen förderlich, wenn die Temperaturen im Winter auf 18 bis 20 °C absinken dürfen, um ihnen eine natürliche Regenerationspause zu gönnen. Die Filterung sollte effektiv, aber strömungsarm sein, da die Fische keine starken Strömungen mögen. Ein regelmäßiger, wöchentlicher Teilwasserwechsel von etwa 30 Prozent ist Pflicht, um die Keimdichte im Wasser niedrig zu halten, da Zwergbuntbarsche empfindlich auf organische Belastungen und hohe Nitratwerte reagieren.
Gruppenhaltung & Sozialverhalten
Das Sozialverhalten von Apistogramma borellii ist stark durch die Haremshaltung geprägt. In kleineren Aquarien bis 80 Zentimeter Länge ist die Pflege als festes Paar oder als Harem mit einem Männchen und zwei bis drei Weibchen die absolut beste Wahl. Jedes Weibchen besetzt ein kleines Brutrevier rund um eine ausgewählte Höhle, während das Männchen ein größeres Territorium verteidigt, das die Reviere all seiner Weibchen umschließt.
Eine Gruppenhaltung mit mehreren Männchen ist erst in deutlich größeren, stark strukturierten Aquarien ab einer Kantenlänge von mindestens 120 Zentimetern zu empfehlen. In solch großen Becken bilden sich feste Reviergrenzen aus, und die Männchen zeigen faszinierende, aber weitgehend unblutige Kommentkämpfe, bei denen sie sich mit aufgestellten Flossen und intensivem Farbwechsel imponieren. Gibt es im Becken zu wenig visuelle Barrieren, kann ein dominantes Männchen die unterlegenen Artgenossen jedoch so stark jagen und unterdrücken, dass diese verkümmern. Interessanterweise nehmen unterdrückte Männchen manchmal eine dauerhafte Weibchenfärbung an, um den Aggressionen des Alpha-Tieres zu entgehen.
Vergesellschaftung mit anderen Arten
Bei der Auswahl von Mitbewohnern sollte stets berücksichtigt werden, dass Apistogramma borellii ein eher ruhiger Zeitgenosse und ein langsamer Fresser ist. Aggressive, extrem flinke oder sehr große Fische würden die Zwergbuntbarsche bei der Fütterung zu stark ins Hintertreffen geraten lassen. Perfekt geeignet für ein harmonisches Gesellschaftsbecken sind kleine, friedliche Salmlerarten aus Südamerika (wie der Neonsalmler, Phantomsalmler oder Rotkopfsalmler), die sich vorwiegend im mittleren und oberen Beckenbereich aufhalten.
Auch die Vergesellschaftung mit friedlichen Harnischwelsen (Ancistrus oder Otocinclus) verläuft in der Regel völlig reibungslos. Bei Panzerwelsen (Corydoras) ist hingegen etwas Vorsicht geboten: Da Panzerwelse keine Reviergrenzen respektieren und permanent über den Boden gründeln, laufen sie während der Brutphase der Buntbarsche regelmäßig in deren Reviere und werden dann vom verteidigenden Weibchen rigoros attackiert. Die Vergesellschaftung mit Zwerggarnelen ist ein zweischneidiges Schwert: Ausgewachsene, größere Garnelen (wie Amanogarnelen) werden meist ignoriert, während der winzige Nachwuchs von Zwerggarnelen von den jagdfreudigen Cichliden als willkommene Nahrungsergänzung angesehen wird.
Ernährung & Fütterung
Als typische Fleisch- und Kleinsttierfresser (Karnivore bzw. Mikroprädatoren) ernähren sich die Fische in der Natur von Insektenlarven, kleinen Krebstieren, Würmern und Plankton, das sie im Bodengrund aufspüren. Im Aquarium verweigern sie billiges, pflanzenbasiertes Flockenfutter oft beharrlich oder nehmen es nur widerwillig an. Für eine gesunde Entwicklung, strahlende Farben und anhaltende Vitalität ist eine abwechslungsreiche Fütterung mit hochwertigem Frost- und Lebendfutter unerlässlich.
Besonders begehrt sind frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien, Wasserflöhe (Daphnien), Cyclops sowie weiße und schwarze Mückenlarven. Rote Mückenlarven sollten aufgrund ihres oft hohen Belastungsgrades und des Risikos von Verdauungsproblemen nur extrem spärlich oder gar nicht verfüttert werden. Wer die Fische an Trockenfutter gewöhnen möchte, sollte auf spezielles, langsam sinkendes Granulat für fleischfressende Zwergbuntbarsche zurückgreifen, das die Tiere bequem in Bodennähe aufnehmen können.
Zucht & Vermehrung
Die Zucht des Borellis Zwergbuntbarschs im Aquarium ist ein packendes Erlebnis und gilt unter den Apistogramma-Arten als mittelschwer bis einfach. Um die Laichbereitschaft anzuregen, simuliert man am besten den Beginn der körpereigenen Regenzeit: Ein kräftiger Wasserwechsel mit weichem, leicht kühlerem Wasser, gepaart mit einer mehrtägigen, reichhaltigen Fütterung mit hochwertigem Lebendfutter, bewirkt oft Wunder. Das Weibchen putzt daraufhin intensiv die Decke ihrer ausgewählten Bruthöhle und lockt das Männchen mit heftigem Flossenschlagen und seitlichen Krümmungen an.
Die Eiablage erfolgt gut geschützt im Inneren der Höhle, wo das Weibchen je nach Alter und Kondition zwischen 50 und 100 rötliche Eier an die Decke oder Wände heftet. Direkt nach der Befruchtung übernimmt das Weibchen die alleinige und äußerst rigorose Brutpflege. Sie fächelt den Eiern permanent frischen Sauerstoff zu und vertreibt jeden Eindringling – selbst das deutlich größere Männchen wird nun rigoros aus der direkten Umgebung der Höhle gejagt. Das Männchen übernimmt währenddessen die Absicherung des Außenreviers gegen potenzielle Feinde. Nach etwa zwei bis vier Tagen schlüpfen die Larven. Nach weiteren fünf bis sieben Tagen haben sie ihren Dottersack aufgezehrt und schwimmen frei. Nun führt das leuchtend gelbe Weibchen ihren Jungfischschwarm wie eine Glucke durch das Aquarium. Die Aufzucht der winzigen Jungen gelingt problemlos durch die gezielte Fütterung mit frisch geschlüpften Artemia-Nauplien.
Gesundheit & typische Probleme
Obwohl Apistogramma borellii zu den härtesten Vertretern seiner Gattung gehört, bleibt auch er ein sensibler Zwergbuntbarsch, der bei mangelnder Beckenhygiene oder anhaltendem Stress schnell kränkeln kann. Ein häufiges Problem ist die sogenannte Lochkrankheit, die sich durch kleine Krater im Kopfbereich äußert und meist auf gravierenden Nährstoffmangel, schlechte Wasserwerte oder Darmparasiten (Flagellaten) zurückzuführen ist. Auch bakterielle Infektionen, Flossenfäule oder die gefürchtete Bauchwassersucht treten dann auf, wenn die Keimdichte im Wasser durch mangelnde Wasserwechsel zu hoch ansteigt.
Ein weiteres, oft unterschätztes Problem ist chronischer Stress, ausgelöst durch unpassende Beifische oder eine mangelhafte Strukturierung des Beckens. Gestresste Tiere magern trotz Futteraufnahme schnell ab, zeigen verblasste Farben und versterben oft ohne erkennbare äußere Krankheitssymptome. Vorbeugend wirken eine exzellente Wasserpflege, der gezielte Einsatz von keimhemmenden Seemandelbaumblättern sowie eine absolut naturnahe, frost- und lebendfutterbasierte Ernährung.
Schutzstatus & Verantwortung
Als verantwortungsvoller Aquarianer trägt man beim Kauf und der Pflege von Lebewesen immer eine ethische Verantwortung für den Erhalt der Art und das Wohlergehen der Tiere. Apistogramma borellii wird zwar regelmäßig als Wildfang aus Südamerika importiert, der Großteil der im Handel angebotenen Fische stammt jedoch aus europäischen Nachzuchten oder großen Zuchtbetrieben. Der Erwerb von Nachzuchten ist aus ökologischer Sicht meist vorzuziehen, da diese Tiere bereits an das Leben im Aquarium und an die typischen Leitungswasserwerte angepasst sind. Wer sich für Wildfänge entscheidet, sollte sicherstellen, dass diese aus nachhaltigen, zertifizierten Quellen stammen, die den lokalen Fangkooperationen vor Ort ein faires Einkommen sichern und somit zum Schutz der natürlichen Lebensräume beitragen.
IUCN
In der Roten Liste der gefährdeten Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) wird Apistogramma borellii aktuell in der Kategorie "Least Concern" (LC), also als nicht gefährdet, geführt. Aufgrund seines enorm großen, länderübergreifenden Verbreitungsgebietes in Südamerika und der Tatsache, dass viele seiner Hauptbiotope in schwer zugänglichen, dünn besiedelten Regionen wie dem Pantanal liegen, gelten die Wildbestände derzeit als stabil und akut nicht bedroht. Dennoch führen die fortschreitende Umweltverschmutzung, Abholzungen und Flussbegradigungen in Südamerika langfristig zu einer schleichenden Zerstörung lokaler Habitate.
CITES
Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES), welches den internationalen Handel mit geschützten freilebenden Tieren und Pflanzen regelt, listet Apistogramma borellii aktuell nicht auf. Der Export und Import dieser Fische unterliegt somit keinen speziellen zollrechtlichen Artenschutzbeschränkungen oder strengen Kontingentierungen. Dies erleichtert den legalen Handel und den Austausch von Zuchttieren zwischen Aquarianern weltweit erheblich.
WISIA
Im wissenschaftlichen Informationssystem zum Artenschutz des deutschen Bundesamtes für Naturschutz (WISIA) ist für Apistogramma borellii kein besonderer oder strenger Schutzstatus verzeichnet. Für den Halter bedeutet dies, dass für diese Art in Deutschland weder eine behördliche Meldepflicht noch ein Herkunftsnachweis erforderlich sind, wie es bei vielen Reptilien oder geschützten Amphibien der Fall ist. Der Fisch darf frei im Fachhandel erworben und gepflegt werden.
Häufig gestellte Fragen
Kann man Apistogramma borellii paarweise im Aquarium halten?
Ja, eine paarweise Haltung ist bei dieser Art im Gegensatz zu vielen anderen Apistogramma-Arten, die strikt im Harem leben wollen, sehr gut möglich. Wenn das Aquarium ausreichend Versteckmöglichkeiten bietet, bildet ein harmonisierendes Paar oft eine lebenslange, stabile Gemeinschaft. Dennoch zeigt sich in der Praxis, dass die Haremshaltung mit einem Männchen und zwei bis drei Weibchen dem natürlichen Sozialverhalten der Tiere noch besser entspricht.
Wie alt werden Borellis Zwergbuntbarsche im Aquarium?
Unter optimalen Haltungsbedingungen, zu denen eine abwechslungsreiche Ernährung und vor allem eine kühle Ruhephase im Winter gehören, erreichen die Fische ein Alter von etwa zwei bis drei Jahren. Eine dauerhaft zu warme Haltung bei über 26 °C kurbelt den Stoffwechsel der kleinen Cichliden permanent an, was zu einer deutlich schnelleren Alterung und einer verkürzten Lebensspanne führt.
Fressen Borellis Zwergbuntbarsche die Pflanzen im Aquarium an?
Nein, im Gegensatz zu vielen großen Buntbarschen sind diese Zwergbuntbarsche absolut pflanzenfreundlich. Sie graben weder Pflanzen aus, noch fressen sie deren Blätter an. Da sie sich rein carnivor ernähren, lassen sie die Flora im Aquarium völlig unangetastet. Ein dichter Pflanzenwald wird von ihnen lediglich als Versteck- und Erkundungsraum genutzt.
Warum verliert mein Borelli-Männchen plötzlich seine blaue Farbe?
Ein plötzlicher Farbverlust, das sogenannte Schreck- oder Stresskleid, ist fast immer ein Indikator für unpassende Haltungsbedingungen. Häufige Ursachen sind zu starke Strömung, aggressive oder zu dominante Mitbewohner, mangelhafte Wasserhygiene oder das Fehlen von schattigen Rückzugsorten. Auch wenn das Männchen von einem brutpflegenden, extrem aggressiven Weibchen permanent attackiert wird, zieht es sich farblich zurück, um keine Angriffsfläche zu bieten.
Brauchen die Fische zwingend Lebendfutter zum Überleben?
Obwohl sie hochwertiges Frostfutter und spezielles Granulat durchaus akzeptieren, ist die regelmäßige Gabe von Lebendfutter für eine artgerechte Haltung dringend zu empfehlen. Das Jagen von lebenden Artemia-Nauplien oder Wasserflöhen fördert nicht nur die Vitalität und die Ausprägung der Farben, sondern regt auch das natürliche Verhaltensrepertoire der Fische an und ist der wichtigste Schlüssel für eine erfolgreiche Zucht.



