Apistogramma hongsloi II

Apistogramma hongsloi II
 
Apistogramma hongsloi II

Wissenschaftlicher Name
Apistogramma hongsloi (Zuchtform/Variante II)
Familie
Cichlidae (Buntbarsche)
Ordnung
Cichliformes (Buntbarschartige)
Name
Rotstrich-Zwergbuntbarsch II
Herkunft
Südamerika, Kolumbien Colombia, Venezuela Venezuela
Lebensraum
Flache, strömungsarme Randbereiche von Klar- und Schwarzwasserflüssen, oft mit viel Fallaub, Wurzeln und dichter Uferbepflanzung.
Ernährung
Carnivor (bevorzugt feines Lebend- und Frostfutter wie Artemia, Cyclops, Mückenlarven; nimmt auch feines Granulat).
Größe
Männchen: ca. 7 - 8 cm; Weibchen: ca. 4,5 - 5 cm
Lebenserwartung
2 - 3 Jahre (bei sehr guter Pflege bis zu 5 Jahre)
Temperatur
24° - 28° C  (für die Zucht gerne bis 30° C)
pH-Wert
5,5 - 6,8 (toleriert bis 7,5; für die Nachzucht ist saures Wasser wichtig)
Gesamthärte
2° - 12° dGH (bevorzugt weiches Wasser unter 8° dGH)
Karbonathärte
0° - 4° dKH
Haltung
Paarweise oder als Harem (1 Männchen mit mehreren Weibchen) in gut strukturierten Aquarien ab 80 cm Kantenlänge (ca. 80 - 112 Liter). Sandiger Bodengrund und Versteckhöhlen (z. B. Kokosnüsse) sind Pflicht.
Schwierigkeitsgrad
Für Fortgeschrittene (aufgrund der Ansprüche an die Wasserqualität).
Sozialverhalten
Grundsätzlich friedlich, aber während der Brutzeit stark revierbildend und verteidigungsbereit. Weibchen führen die Brut. Gut verträglich mit kleinen Salmlern oder Harnischwelsen.
IUCN-Status
Nicht gefährdet (LC / Least Concern)
Verbreitungskarte & Fundort
Der Hongsloi-Zwergbuntbarsch, in der wissenschaftlichen Nomenklatur präzise als Apistogramma hongsloi geführt, gehört zu den unangefochtenen Farbwundern der südamerikanischen Cichlidenwelt. Der Gattungsname beschreibt die charakteristisch unvollständige Seitenlinie dieser Fische, während das Art-Epitheton den norwegischen Ichthyologen Thorbjörn Hongslo ehrt, welcher die Art in den 1970er Jahren entdeckte. Die römische Ziffer II kennzeichnet in der Aquaristik eine hochselektierte, extrem farbintensive Aquarienzuchtlinie, die aus der ursprünglichen Wildform hervorgegangen ist. Während die natürlichen Farbformen oft dezentere rötliche Akzente tragen, besticht die Variante II durch eine atemberaubende Maximierung der Rotanteile, die sich flächig über den gesamten Körper und die Flossen erstrecken. Diese Zuchtform verbindet die relative Robustheit der Stammart mit einer optischen Opulenz, die sie zu einem der gefragtesten Blickfänge im Aquariendesign macht.

Optik & Verhalten

Die visuelle Pracht der Variante II des Apistogramma hongsloi sucht unter den Zwergbuntbarschen ihresgleichen und basiert auf einem spektakulären Geschlechtsdimorphismus. Die ausgewachsenen Männchen erreichen eine Körperlänge von bis zu sieben oder acht Zentimetern und präsentieren einen relativ hochrückigen, kräftigen Körperbau. Ihr Prachtkleid fasziniert durch eine leuchtend gelbe bis weißliche Grundfarbe, die im Bereich des Kopfes, des Bauches und insbesondere an der Schwanzwurzel von großflächigen, intensiv feuerroten Zonen überlagert wird. Ein tiefroter Längsstreifen oder eine Reihe roter Tupfen auf den Flanken gaben der Art auch den populären Namen Rotstrich-Zwergbuntbarsch. Die unpaaren Flossen sind prachtvoll ausgezogen und oft filigran gemustert. Die Weibchen bleiben mit rund fünf Zentimetern deutlich kleiner und zeigen außerhalb der Brutzeit eine schlichtere, lehmgelbe Färbung mit einem dunklen Längsband. Zur Laichzeit wechseln sie in ein leuchtendes Signalgelb mit tiefschwarzen Akzenten an den Flossenansätzen. Vom Verhalten her gilt die Art als vergleichsweise friedfertig und besonnen, zeigt aber während der Revierbildung eine gesunde, cichlidenspezifische Durchsetzungskraft.

Natürlicher Lebensraum & Herkunft

Die evolutionären Wurzeln der Stammart liegen im nördlichen Südamerika, wo sie in den weitverzweigten Gewässersystemen des Orinoco-Einzugsgebietes in Kolumbien und Venezuela beheimatet ist. Dort besiedeln die Fische bevorzugt die flachen, strömungsarmen Uferbereiche kleinerer Savannenbäche (Llanos) sowie temporär überschwemmte Wiesen und Waldrandzonen. Diese Gewässer zeichnen sich meist durch einen extrem feinen Sandboden aus, der von gigantischen Schichten aus herabgefallenen Blättern und dichtem Totholz bedeckt ist. Im Gegensatz zu extremen Schwarzwasserarten lebt Apistogramma hongsloi in der Natur häufig in sogenanntem Klarwasser, das zwar arm an Schwebstoffen, aber dennoch reich an gelösten Huminstoffen aus der Ufervegetation ist und saisonal starken Schwankungen bezüglich der Wasserstände unterliegt.

Artgerechte Haltung im Aquarium

Für eine erfolgreiche Haltung der Farbvariante II sollte dem natürlichen Bewegungsdrang und dem ausgeprägten Revierverhalten der Fische Rechnung getragen werden. Ein gut strukturiertes Aquarium ab achtzig Zentimetern Kantenlänge und einem Volumen von etwa einhundert Litern stellt die ideale Basis für ein harmonisches Zusammenleben dar. Zwar lässt sich ein gut harmonierendes Paar unter optimalen Bedingungen auch in Becken ab sechzig Zentimetern pflegen, doch bieten größere Wasservolumina deutlich mehr Puffer gegen biologische Schwankungen und minimieren das Stressrisiko erheblich. Eine üppige Randbepflanzung mit feinfiedrigen Gewächsen und Solitärpflanzen wie Echinodorus-Arten schafft schützende Dickichte, während im Zentrum ausreichend freier Raum für die Erkundungstouren der Fische verbleiben sollte.

Aquarium-Einrichtung
Die Gestaltung des Aquarieninnenraums muss zwingend auf die feinen Sinnesorgane und die Lebensweise der Fische abgestimmt sein. Der Bodengrund sollte aus feinem, runden Sand bestehen, da die Tiere den Sand auf der Suche nach fressbaren Mikroorganismen einsaugen und durch die Kiemen filtrieren. Scharfkantiger Kies würde zu schweren Verletzungen der empfindlichen Maul- und Kiemenpartien führen. Große, verzweigte Moorkienwurzeln und eine großzügige Schicht aus getrocknetem Laub – wie Seemandelbaumblätter oder Buchenlaub – teilen das Becken in natürliche Sichtzonen auf und bieten exzellente Rückzugsmöglichkeiten. Essentiell für das Wohlbefinden sind zudem mehrere kleine, extrem enge Bruthöhlen aus Ton oder Kokosnussschalen, die gut versteckt im hinteren Bereich des Aquariums platziert werden müssen.

Wasserwerte & Technik
In Bezug auf die Wasserparameter erweist sich die Aquarienzuchtlinie Apistogramma hongsloi II als bemerkenswert anpassungsfähig und deutlich toleranter als viele reine Wildfänge. Sie gedeiht hervorragend in weichem bis mittelhartem Wasser bei einer Gesamthärte von bis zu zwölf Grad deutscher Härte. Der pH-Wert sollte idealerweise im leicht sauren bis neutralen Bereich zwischen 6,0 und 7,2 stabilisiert werden. Die Wassertemperatur benötigt eine konstante Zufuhr von Wärme und fühlt sich im Bereich von vierundzwanzig bis achtundzwanzig Grad Celsius optimal ein. Die Filtertechnik sollte effizient, aber strömungsarm arbeiten, um klares, schadstofffreies Wasser zu garantieren. Ein regelmäßiger, wöchentlicher Teilwasserwechsel ist unerlässlich, um die Keimdichte auf einem Minimum zu halten, was durch die kontinuierliche Zugabe von Huminstoffen biologisch unterstützt wird.

Gruppenhaltung & Sozialverhalten
Das Sozialverhalten dieser Zwergbuntbarsche erlaubt im Heimaquarium sowohl die klassische Paarhaltung als auch die Haremshaltung, wobei letztere den natürlichen Bedingungen am nächsten kommt. Bei einer Beckengröße ab achtzig Zentimetern kann ein Männchen idealerweise mit zwei bis drei Weibchen vergesellschaftet werden. Das Männchen besetzt ein übergeordnetes Gesamtrevier, während jedes Weibchen eine eigene Bruthöhle wählt und den unmittelbaren Umkreis als eigenes Kleinrevier gegen die Konkurrentinnen verteidigt. Damit dieses soziale Gefüge ohne gefährliche Beißereien funktioniert, muss das Aquarium durch dichte Pflanzenwände oder Wurzelstrukturen so radikal unterteilt sein, dass die Weibchen visuell komplett voneinander getrennt leben können.

Vergesellschaftung mit anderen Arten

Der Hongsloi-Zwergbuntbarsch eignet sich aufgrund seines relativ friedlichen Grundwesens hervorragend für das klassische Gesellschaftsaquarium. Als ideale Mitbewohner haben sich kleine, ruhige Salmlerarten aus Südamerika bewährt, wie beispielsweise Neonsalmler, Phantomsalmler oder Rotaugensalmler, da sie sich vorwiegend im mittleren und oberen Freiwasser aufhalten. Diese Freiwasserfische signalisieren den eher bodenorientierten Barschen Sicherheit und reduzieren deren natürliche Scheu. Auf die Vergesellschaftung mit sehr quirligen oder dominanten Bodenbewohnern wie Panzerwelsen sollte in kleineren Aquarien verzichtet werden, da diese die Reviergrenzen der Cichliden permanent missachten und in der Brutzeit vehement attackiert würden. Kleine Zwerggarnelen werden von den Barschen als willkommener Snack betrachtet und eignen sich nicht als Mitbewohner.

Ernährung & Fütterung

Als spezialisierter Fleischfresser benötigt Apistogramma hongsloi II eine proteinreiche und abwechslungsreiche Ernährung, um seine spektakulären Rot- und Gelbpigmente voll auszuprägen und langfristig vital zu bleiben. Den Schwerpunkt des Speiseplans sollte hochwertiges Lebendfutter und Frostfutter bilden. Frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien, Daphnien, Cyclops sowie weiße und schwarze Mückenlarven sind die absolute Leibspeise der Tiere. Rote Mückenlarven sollten wegen potenzieller Keimbelastungen und Darmunverträglichkeiten strikt vermieden werden. Obwohl sich diese etablierte Zuchtform im Laufe der Zeit gut an feines Granulatfutter oder Flocken gewöhnen lässt, darf Trockennahrung niemals als Alleinfutter dienen, da sie langfristig zu schweren Organschäden und Verdauungsproblemen führen kann.

Zucht & Vermehrung

Die Nachzucht dieser wunderschönen Variante im Aquarium ist ein ungemein lohnendes und faszinierendes Schauspiel, das bei guter Pflege und leicht saurem Wasser oft ganz von alleine gelingt. Als typischer Höhlenbrüter heftet das Weibchen seine Eier an die Decke oder die Innenwände einer engen Bruthöhle, wo sie vom Männchen befruchtet werden. Unmittelbar nach dem Ablaichen übernimmt das Weibchen die alleinige und extrem rigorose Brutpflege in der Höhle, fächelt den Eiern Sauerstoff zu und vertreibt selbst das deutlich größere Männchen energisch aus der Brutzone. Das Männchen sichert währenddessen die Außengrenzen des Gesamtreviers ab. Nach dem Schlupf und dem Aufbrauchen des Dottersacks führt das intensiv gelbe Weibchen den dichten Jungfischschwarm durch das Becken. Die Jungen können sofort mit frisch geschlüpften Artemia-Nauplien gefüttert werden und wachsen zügig heran.

Gesundheit & typische Probleme

Obwohl die Variante II als eine der robustesten Zuchtfirmen innerhalb der Gattung gilt, reagiert auch sie empfindlich auf mangelhafte Aquarienhygiene und anhaltenden Stress. Zu hohe Nitratwerte oder eine hohe Keimdichte im Wasser schwächen das Immunsystem der Fische schnell und begünstigen den Ausbruch von bakteriellen Infektionen, Flossenfäule oder der gefürchteten Lochkrankheit. Auch der Befall mit Darmparasiten wie Flagellaten kann auftreten, was sich durch weißen, schleimigen Kot und sichtbare Abmagerung bemerkbar macht. Die effektivste Prophylaxe besteht in einem konsequenten Pflegerhythmus mit wöchentlichen Teilwasserwechseln von mindestens dreißig Prozent, einer naturnahen Ernährung und der permanenten Anreicherung des Wassers mit antibakteriell wirkenden Huminstoffen.

Schutzstatus & Verantwortung

IUCN
Der Hongsloi-Zwergbuntbarsch ist in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN aktuell nicht als bedrohte Art gelistet, da die Wildpopulationen in den weitläufigen Savannengebieten Südamerikas als stabil gelten. Da es sich bei der Variante II um eine reine Aquarienzuchtlinie handelt, werden für den Handel keine Wildbestände belastet.

CITES
Die Art unterliegt keinerlei Beschränkungen oder Kontrollen nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen. Der internationale Handel, Transport und Vertrieb dieser gezüchteten Tiere ist ohne artenschutzrechtliche Genehmigungen oder Auflagen gestattet.

WISIA
Im deutschen Artenschutz-Informationssystem des Bundesamtes für Naturschutz sind für Apistogramma hongsloi keine Schutzstatus oder Meldepflichten verzeichnet. Der Erwerb, die Haltung und die Weitergabe dieser Nachzuchten sind für den privaten Aquarianer somit vollkommen unbürokratisch möglich.

Häufig gestellte Fragen

Was unterscheidet die Variante II von der normalen Wildform des Apistogramma hongsloi?
Die Variante II ist das Ergebnis jahrelanger, gezielter Selektionszucht in der Aquaristik. Während die Wildform eine eher dezente, olivgraue Grundfärbung mit vereinzelten roten Punkten an der Schwanzwurzel zeigt, besticht die Variante II durch eine extreme Maximierung der roten Pigmente, die sich flächig über den Kopf, den Bauch und die gesamten Flossen der Männchen erstrecken.

Kann man den Hongsloi-Zwergbuntbarsch II mit Diskusfischen vergesellschaften?
Eine Vergesellschaftung in großen Aquarien ab einhundertfünfzig Zentimetern Länge ist durchaus denkbar, da beide Arten ähnliche Ansprüche an warmes, weiches und leicht saures Wasser stellen. Das Becken muss jedoch so gut strukturiert sein, dass die kleinen Zwergbuntbarsche am Boden ihre Reviere ungestört von den großen Diskusfischen verteidigen können.

Wie lange leben Hongsloi-Zwergbuntbarsche im Aquarium?
Unter optimalen Haltungsbedingungen, erstklassiger Wasserqualität und einer abwechslungsreichen Frost- und Lebendfütterung erreichen die Tiere im Aquarium eine Lebenserwartung von etwa zwei bis drei Jahren. Eine dauerhaft zu hohe Haltungstemperatur beschleunigt den Stoffwechsel der Fische erheblich und kann deren Lebensspanne spürbar verkürzen.

Warum verliert mein Männchen seine intensive rote Farbe?
Ein plötzlicher oder schleichender Farbverlust ist fast immer ein Indikator für Stress, unpassende Wasserwerte oder eine einseitige Ernährung. Auch eine zu helle Aquarieneinrichtung ohne dunklen Bodengrund und schützende Schwimmpflanzen führt dazu, dass die Fische eine blasse Schreckfärbung zeigen. Mit der Fütterung von lebenden Artemia und mehr Deckung kehrt die Pracht meist schnell zurück.

Woran erkenne ich, dass das Weibchen laichbereit ist?
Die Laichbereitschaft kündigt sich durch eine dramatische Farbänderung des Weibchens an, das seine schlichte Färbung gegen ein leuchtendes Zitronengelb eintauscht. Zudem beginnt es, eine ausgewählte Bruthöhle intensiv von Sand und Schmutz zu befreien, und lockt das Männchen mit zitternden, wellenförmigen Körperbewegungen gezielt in die Höhle.