Boraras naevus - Petch Noi Zwergrasbora
Wissenschaftlicher Name
Boraras naevus (Conway & Kottelat, 2011)
Boraras naevus (Conway & Kottelat, 2011)
Familie
Danionidae (Bärblinge)
Danionidae (Bärblinge)
Ordnung
Cypriniformes (Karpfenartige)
Cypriniformes (Karpfenartige)
Name
Erdbeer-Zwergbärbling (auch Petch Noi Zwergbärbling oder Strawberry Rasbora)
Erdbeer-Zwergbärbling (auch Petch Noi Zwergbärbling oder Strawberry Rasbora)
Herkunft
Thailand
Thailand
Lebensraum
Sumpfgebiete, Überschwemmungsflächen und langsam fließende, dicht verkrautete Schwarzwasser-Bäche mit viel Laub am Boden.
Sumpfgebiete, Überschwemmungsflächen und langsam fließende, dicht verkrautete Schwarzwasser-Bäche mit viel Laub am Boden.
Ernährung
Omnivor (Allesfresser); bevorzugt sehr feines Lebend- und Frostfutter (z. B. Artemia-Nauplien, Cyclops) sowie feines Flockenfutter.
Omnivor (Allesfresser); bevorzugt sehr feines Lebend- und Frostfutter (z. B. Artemia-Nauplien, Cyclops) sowie feines Flockenfutter.
Größe
ca. 1,5 - 2 cm
ca. 1,5 - 2 cm
Lebenserwartung
ca. 3 bis 5 Jahre (unter optimalen Bedingungen im Aquarium teilweise auch länger).
ca. 3 bis 5 Jahre (unter optimalen Bedingungen im Aquarium teilweise auch länger).
Temperatur
22° - 28° C (ideal sind meist 24° - 26° C)
22° - 28° C (ideal sind meist 24° - 26° C)
pH-Wert
5,0 - 7,0 (bevorzugt leicht saures Wasser)
5,0 - 7,0 (bevorzugt leicht saures Wasser)
Gesamthärte
3° - 10° dGH (weich bis maximal mittelhart)
3° - 10° dGH (weich bis maximal mittelhart)
Karbonathärte
0° - 5° dKH
0° - 5° dKH
Haltung
In Aquarien ab 54 Litern (60 cm Kantenlänge); dicht bepflanzt mit feinfiedrigen Pflanzen, Schwimmpflanzen zur Abschattung und eher schwacher Strömung.
In Aquarien ab 54 Litern (60 cm Kantenlänge); dicht bepflanzt mit feinfiedrigen Pflanzen, Schwimmpflanzen zur Abschattung und eher schwacher Strömung.
Schwierigkeitsgrad
Für ambitionierte Anfänger bis Fortgeschrittene (wichtig ist eine stabile Wasserqualität).
Für ambitionierte Anfänger bis Fortgeschrittene (wichtig ist eine stabile Wasserqualität).
Sozialverhalten
Sehr friedlicher, lebhafter Schwarmfisch; muss in Gruppen von mindestens 10 Tieren gehalten werden.
Sehr friedlicher, lebhafter Schwarmfisch; muss in Gruppen von mindestens 10 Tieren gehalten werden.
IUCN-Status
Ungenügende Datengrundlage (DD / Data Deficient)
Ungenügende Datengrundlage (DD / Data Deficient)
Verbreitungskarte & Fundort
Boraras naevus, im deutschsprachigen Raum wegen seiner markanten Fleckenzeichnung und der intensiv roten Färbung meist als Erdbeerbärbling oder Großfleck-Zwergbärbling bezeichnet, ist ein faszinierender Winzling aus der Familie der Karpfenartigen. Der wissenschaftliche Artname leitet sich vom lateinischen Wort für „Fleck“ oder „Muttermal“ ab und beschreibt treffend das visuelle Hauptmerkmal dieser Spezies. Als im Jahr 2011 offiziell beschriebene Art gehört dieser thailändische Nanofisch zu den jüngeren Entdeckungen in der Gattung Boraras und hat sich aufgrund seines charmanten Aussehens in Rekordzeit einen festen Platz in den Herzen von Aquascapern und Nano-Aquarianern erobert.
Optik & Verhalten
Die optische Erscheinung dieses Zwergbärblings ist von einem wunderschönen Farbspiel geprägt. Die geschlechtsreifen Männchen erstrahlen in einem intensiven, leuchtenden Rot, das den gesamten Körper sowie Teile der unpaaren Flossen erfasst. Das absolute Alleinstellungsmerkmal ist ein verhältnismäßig großer, kreisrunder, tiefschwarzer Fleck auf der Mitte der Körperflanke, welcher von einer leuchtend gelben bis goldenen Zone umrahmt wird. Zusätzlich befinden sich kleinere schwarze Punkte an der Basis der After- und Rückenflosse. Es besteht ein sehr ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus, da die Weibchen deutlich blasser gefärbt sind, meist einen transparenten bis zart orange-rosa Körper besitzen und eine deutlich fülligere, rundliche Bauchlinie aufweisen. Mit einer Endgröße von maximal 1,5 bis zwei Zentimetern bleibt der Erdbeerbärbling ein echter Winzling. Vom Verhalten her zeigen sich die Tiere als äußerst friedfertige, gesellige und neugierige Schwimmer, die im Vergleich zu anderen Vertretern ihrer Gattung oft als etwas mutiger und freischwimmender gelten.
Natürlicher Lebensraum & Herkunft
Der Erdbeerbärbling stammt aus Südostasien und ist im Süden Thailands endemisch. Seine natürlichen Vorkommen konzentrieren sich primär auf die Regionen nördlich der Landenge von Kra, insbesondere in den Provinzen Surat Thani und Trang. Im Gegensatz zu den auf Borneo lebenden Verwandten, die reine Schwarzwasserspezialisten sind, bewohnt diese Art meist recht flache, stehende oder nur sehr langsam fließende Gewässer wie Sümpfe, Reisfelder, Gräben und Altwasserarme von Flüssen. Diese Biotope weisen oft eine extrem dichte Unterwasser- und Ufervegetation auf. Das Wasser ist hier meist klar bis leicht getrübt, sehr nährstoffarm und wird durch das tropische Klima stark erwärmt, wobei der Bodengrund oft aus einer Mischung aus feinem Sand und organischem Schlamm besteht.
Artgerechte Haltung im Aquarium
Trotz der minimalen Körpergröße der Fische darf das Aquarium nicht zu klein gewählt werden, weshalb ein Beckenvolumen von mindestens sechzig Litern oder eine Kantenlänge von sechzig Zentimetern als artgerechtes Mindestmaß gilt. Nur so haben die agilen Tiere ausreichend Raum für ihr natürliches Interaktionsverhalten. Da der Erdbeerbärbling ein absolut obligatorischer Schwarmfisch ist, führt eine Haltung in Kleinstgruppen oder gar als Paar unweigerlich zu Verhaltensstörungen und einem verfrühten Tod durch Dauerstress. Eine verantwortungsvolle Pflege beginnt bei einer Gruppengröße von mindestens zehn bis fünfzehn Individuen. Erst in einem größeren Verband von zwanzig oder mehr Tieren legen die Fische ihre anfängliche Scheu vollständig ab, bewegen sich sicher im Freiwasser und entfalten ihre faszinierende Schwarmdynamik.
Aquarium-Einrichtung
Die Gestaltung des Aquariums sollte die pflanzenreichen Gewässer Thailands nachempfunden werden. Eine sehr dichte Hintergrund- und Randbepflanzung mit feinfiedrigen Wasserpflanzen, verschiedenen Moosarten und Cryptocorynen bietet den Fischen die naturnahen Rückzugsorte, die sie für ihr Wohlbefinden benötigen. Der Bodengrund sollte eher dunkel gehalten werden, da dies die Schreckhaftigkeit der Tiere mindert und die roten Körperfarben optisch brillant zur Geltung bringt. Obwohl die Art kein reiner Schwarzwasserfisch ist, ist das Einbringen von Moorkienwurzeln und etwas Laub sehr vorteilhaft, da die abgegebenen Huminstoffe die Schleimhäute schützen. Eine Decke aus Schwimmpflanzen ist auch hier ratsam, um punktuell beschattete Bereiche im Aquarium zu schaffen.
Wasserwerte & Technik
Bezüglich der Wasserwerte zeigt sich der Erdbeerbärbling im Vergleich zu den Borneo-Arten als ein klein wenig toleranter, benötigt aber dennoch sauberes und weiches Wasser. Die Wassertemperatur sollte in einem tropischen Wohlfühlbereich zwischen 24 und 28 Grad Celsius liegen. Der pH-Wert sollte im sauren bis leicht sauren Milieu zwischen 5,5 und 6,8 stabil gehalten werden. Für die Gesamthärte empfiehlt sich ein niedriger Wert von maximal 5 bis 12 Grad deutscher Härte. Die Filtertechnik sollte biologisch gut dimensioniert sein, darf jedoch keinesfalls eine starke Strömung im Becken erzeugen, da die zierlichen Fische sonst permanent gegen die Wassermassen ankämpfen müssen und entkräften. Regelmäßige, wöchentliche Teilwasserwechsel mit weichem Wasser sichern eine konstant niedrige Keimdichte.
Gruppenhaltung & Sozialverhalten
Das Sozialverhalten innerhalb der Gruppe ist friedlich und von einem interessanten, hierarchischen Miteinander geprägt. Ähnlich wie die anderen Arten der Gattung besetzen die dominantesten Männchen während der Paarungsstimmung winzige Scheinterritorien inmitten der dichten Pflanzenpolster. Dort imponieren sie rivalisierenden Männchen mit maximal abgespreizten Flossen, was zu wunderbar intensiven Ausfärbungen führt, jedoch niemals in echten Beißereien endet. Die Weibchen ziehen lose durch das Becken und besuchen die Männchen in ihren Revieren. Bei potenzieller Gefahr im Raum löst sich dieses Territorialverhalten augenblicklich auf, und die Fische formieren sich zu einem dichten, schützenden Schwarm im Freiwasser.
Vergesellschaftung mit anderen Arten
Aufgrund der geringen Körpermaße verbietet sich eine Vergesellschaftung mit großen, lebhaften oder räuberischen Fischen von selbst, da der Erdbeerbärbling ansonsten als Futter enden oder aus Angst dauerhaft im Dickicht verkümmern würde. Die ideale Unterbringung ist ein reines Artbecken, in dem die Zwerge die unangefochtenen Stars sind. Wenn Mitbewohner gewünscht sind, eignen sich ausschließlich andere extrem friedfertige Nanofische wie beispielsweise Zwergpanzerwelse, kleine Dornaugen oder andere winzige Bärblinge. Hervorragend funktioniert auch die Gemeinschaftshaltung mit Süßwasser-Zwerggarnelen wie Neocaridina- oder Caridina-Arten, da das winzige Maul der Bärblinge selbst für frisch geschlüpfte Garnelenlarven kaum eine Bedrohung darstellt.
Ernährung & Fütterung
In seinem natürlichen Lebensraum ernährt sich der Erdbeerbärbling als Mikroräuber von feinstem Zooplankton, Einzellern und kleinsten Insektenlarven. Im Aquarium muss die Fütterung penibel an das winzige Maul angepasst werden, da gewöhnliche Futterflocken schlicht zu groß sind und unberührt zu Boden sinken würden. Trockenfutter sollte daher vor dem Füttern zu feinstem Staubfutter zerrieben werden. Für eine vitale Entwicklung und eine strahlend rote Ausfärbung ist die tägliche Gabe von lebendem oder gefrorenem Kleinstfutter jedoch unerlässlich. Frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien, feinste Cyclops, Rädertierchen, Pantoffeltierchen oder Bananenwürmchen werden von den Fischen mit großer Begeisterung gejagt.
Zucht & Vermehrung
Die Vermehrung im Aquarium ist unter optimalen Bedingungen gut möglich, verlangt jedoch ein separates Vorgehen. Als Freilaicher betreiben die Fische keinerlei Brutpflege und stellen als ausgeprägte Laichräuber ihren eigenen Eiern nach. Für eine erfolgreiche Nachzucht sollte ein kleines Zuchtbecken mit sehr weichem, leicht saurem Wasser vorbereitet und der Boden mit einem Laichschutzgitter oder einer dicken Schicht Javamoos ausgelegt werden. Nach dem Einsetzen eines gut genährten Paares laichen die Fische meist in den frühen Morgenstunden ab. Direkt nach dem Laichvorgang müssen die Elterntiere umgehend zurück ins Hauptbecken überführt werden. Die winzigen Larven schlüpfen nach etwa achtundvierzig Stunden und müssen in den ersten Tagen mit feinsten Infusorien gefüttert werden, bevor sie nach etwa einer Woche Artemia-Nauplien fressen können.
Gesundheit & typische Probleme
Bei Einhaltung der empfohlenen Wasserparameter und einer hohen Beckenhygiene ist Boraras naevus ein erstaunlich robuster und langlebiger Pflegling, der ein Alter von drei bis fünf Jahren erreichen kann. Das größte Gesundheitsrisiko resultiert aus mangelhafter Wasserhygiene oder abrupten Schwankungen der Wasserwerte beim Wasserwechsel. Solche Faktoren schwächen das Immunsystem rapide und machen die Fische anfällig für die Samtkrankheit oder bakterielle Infektionen der empfindlichen Haut. Da die Tiere aufgrund ihrer minimalen Körpermasse kaum über Energiereserven verfügen, verlaufen Krankheiten ohne sofortiges Eingreifen meist rasch tödlich für den betroffenen Bestand.
Schutzstatus & Verantwortung
Die Haltung des Erdbeerbärblings erfordert ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein. Da die natürlichen Habitate in Thailand, insbesondere die flachen Feuchtgebiete und Reisfelder, durch intensive Landwirtschaft, den Einsatz von Pestiziden und urbane Ausbreitung zunehmend gefährdet und verschmutzt werden, stehen die Wildpopulationen unter Druck. Aquarianer sollten beim Kauf gezielt nach europäischen Nachzuchten fragen, um die Wildbestände zu schonen. Die Etablierung und die kontrollierte Vermehrung stabiler Stämme in der Aquaristik leisten einen wertvollen Beitrag, um das langfristige Überleben dieser wunderschönen Art zu sichern.
IUCN
In der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) wird Boraras naevus aktuell nicht gefährdet (Least Concern) eingestuft. Diese Bewertung basiert darauf, dass die Art zum Zeitpunkt der Erfassung in den südthailändischen Provinzen noch in ausreichenden Populationsdichten vorkam. Dennoch mahnen Experten zur Wachsamkeit, da die spezifischen, flachen Lebensräume durch anthropogene Einflüsse und die Zerstörung von Feuchtgebieten in Südostasien einem stetigen Wandel unterliegen.
CITES
Im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) ist der Erdbeerbärbling gegenwärtig nicht gelistet. Es existieren somit keine internationalen Handelsverbote, strengen Importkontingente oder Artenschutzauflagen über dieses Abkommen. Der Schutz der verbleibenden Wildbestände liegt in der Gesetzgebung der thailändischen Behörden, welche den Fang und Export von Wildfängen regulieren.
WISIA
Im deutschen Artenschutz-Informationssystem (WISIA) unterliegt die Art zum aktuellen Zeitpunkt keinem besonderen oder strengen Schutzstatus nach dem Bundesnaturschutzgesetz. Für den privaten Halter ergeben sich daraus keine behördlichen Melde-, Nachweis- oder Vermarktungspflichten. Ungeachtet dessen verpflichtet das deutsche Tierschutzgesetz jeden Tierhalter dazu, die Fische ihren Bedürfnissen entsprechend verhaltensgerecht unterzubringen, zu ernähren und zu pflegen.
Häufig gestellte Fragen
Wie unterscheide ich Boraras naevus von Boraras maculatus?
Die beiden Arten sind sich optisch sehr ähnlich, da beide einen runden Fleck auf der Flanke tragen. Der Erdbeerbärbling (Boraras naevus) unterscheidet sich jedoch dadurch, dass der schwarze Flankenfleck bei den Männchen verhältnismäßig viel größer ist und die rote Färbung der Männchen intensiver ausfällt, während die Weibchen von Boraras naevus deutlich blasser sind als die Weibchen von Boraras maculatus.
Benötigt der Erdbeerbärbling zwingend eine Heizung im Aquarium?
Ja, da diese Art aus den tropischen Regionen Südthailands stammt, ist eine konstante Wassertemperatur von mindestens 24 Grad Celsius für den Stoffwechsel und das Immunsystem unerlässlich. Eine Haltung bei dauerhafter Zimmertemperatur ohne Heizung führt unweigerlich zu Trägheit, Verblassen der Farben und einer hohen Krankheitsanfälligkeit.
Warum schwimmt mein Schwarm Erdbeerbärblinge nicht geschlossen zusammen?
Ein enges, synchrones Schwarmverhalten zeigen diese Fische meist nur dann, wenn sie sich unsicher fühlen oder eine potenzielle Gefahr wahrnehmen. Wenn das Aquarium optimal strukturiert ist, keine räuberischen Beifische vorhanden sind und sich die Fische vollkommen sicher fühlen, löst sich der feste Verband auf, und die Tiere erkunden in lockeren Kleingruppen das Becken.
Kann man den Erdbeerbärbling mit Zwergflusskrebsen halten?
Von einer Vergesellschaftung mit Zwergflusskrebsen der Gattung Cambarellus ist eher abzuraten. Obwohl diese Krebse als relativ friedlich gelten, jagen sie vor allem nachts am Boden. Da die winzigen Erdbeerbärblinge während der Nachtruhe schutzlos nahe dem Boden oder in den Pflanzen verharren, besteht die Gefahr, dass sie von den Scheren der Krebse verletzt oder erbeutet werden.
Welches Lebendfutter eignet sich am besten, wenn man keine Artemia züchten möchte?
Wenn man auf die Zucht von Artemia-Nauplien verzichten möchte, eignen sich lebende Pantoffeltierchen, Rädertierchen oder sogenannte Essigälchen hervorragend als alternatives Kleinstfutter. Auch sehr feines, gesiebtes Teichplankton wie junge Daphnien oder kleinste Cyclops-Stadien wird von den Fischen aufgrund des Jagdtriebs gierig angenommen.


