Rotaugen-Kugelfisch (Carinotetraodon irrubesco) – Zwerg-Kugelfisch mit roter Schwanzflosse
Wissenschaftlicher Name
Carinotetraodon irrubesco (Kottelat, 2000)
Carinotetraodon irrubesco (Kottelat, 2000)
Familie
Tetraodontidae (Kugelfische)
Tetraodontidae (Kugelfische)
Ordnung
Tetraodontiformes (Kugelfischartige)
Tetraodontiformes (Kugelfischartige)
Name
Rotaugen-Kugelfisch
Rotaugen-Kugelfisch
Herkunft
Indonesien
Banyuasin-Becken (Sumatra), Sambas-Flusssystem (Borneo)
Indonesien
Lebensraum
Trübes, saures Schwarzwasser mit versunkener Ufervegetation terrestrischen Ursprungs
Trübes, saures Schwarzwasser mit versunkener Ufervegetation terrestrischen Ursprungs
Ernährung
Carnivor (Schnecken, Krebstiere, Insektenlarven)
Carnivor (Schnecken, Krebstiere, Insektenlarven)
Größe
4 - 5 cm
4 - 5 cm
Lebenserwartung
Vermutlich 5 bis 8 Jahre
Vermutlich 5 bis 8 Jahre
Temperatur
23 - 26 °C
23 - 26 °C
pH-Wert
6,0 - 7,8
6,0 - 7,8
Gesamthärte
8 - 15 °dH
8 - 15 °dH
Karbonathärte
3° - 10° dKH
3° - 10° dKH
Haltung
Aquarium ab 60×30×30 cm / 50 Liter
Aquarium ab 60×30×30 cm / 50 Liter
Schwierigkeitsgrad
Fortgeschritten
Fortgeschritten
Sozialverhalten
Gruppe (1 Männchen : 4 Weibchen) oder einzeln
Gruppe (1 Männchen : 4 Weibchen) oder einzeln
IUCN-Status
Least Concern (LC)
Least Concern (LC)
Verbreitungskarte & Fundort
Der Rotaugen-Kugelfisch (Carinotetraodon irrubesco) ist ein faszinierender Süßwasserkugelfisch aus den trüben Schwarzwasserflüssen Sumatras und Borneos. Erst im Jahr 2000 von Maurice Kottelat wissenschaftlich beschrieben, begeistert diese Art durch ihre leuchtend roten Augen und die kontrastreiche Färbung der Männchen mit roter Schwanzflosse. Mit einer Endgröße von etwa 4-5 cm gehört er zu den kleineren Vertretern der Kugelfische, stellt aber dennoch hohe Ansprüche an die Haltung. Besonders charakteristisch ist sein ausgeprägtes Territorialverhalten und die Fähigkeit, sich bei Gefahr aufzublasen. Die Art bewohnt versunkene Ufervegetation in sauren, weichen Gewässern und vergräbt sich nachts zum Schutz im feinen Sandboden. Für erfahrene Aquarianer bietet dieser Kugelfisch ein spannendes Verhalten und interessante Zuchtmöglichkeiten, erfordert jedoch spezielle Kenntnisse in der Ernährung und Beckenpflege.
Optik & Verhalten
Der Rotaugen-Kugelfisch besticht durch einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus. Männchen zeigen eine graubraune Grundfärbung mit einem durchgehenden cremefarbenen Streifen, der vom Auge bis zum Schwanzstiel verläuft. Ihre Schwanzflosse leuchtet intensiv rot, ebenso wie ein markanter Mittelbauchstreifen. Die Augen beider Geschlechter sind charakteristisch rot gefärbt. Weibchen hingegen präsentieren sich heller und gemusterter mit unterbrochenen Streifen und unregelmäßigen schwarzen Bauchstreifen. Männchen entwickeln zudem ausgeprägte dorsale und ventrale Kiele. Die Art verfügt über 10-12 Dorsalflossenstrahlen, 15-16 Brustflossenstrahlen und 9-10 Afterflossenstrahlen. Typisch für Kugelfische ist die Fähigkeit, sich bei Bedrohung durch Wasseraufnahme aufzublasen. Das Verhalten ist tagaktiv (diurnal), nachts vergräbt sich der Fisch zum Schutz im Sandboden. Die beinartige Kieferstruktur wächst kontinuierlich und muss durch harte Nahrung wie Schneckenschalen abgenutzt werden. Verwechslungsgefahr besteht mit Carinotetraodon lorteti, C. borneensis und C. salivator.
Natürlicher Lebensraum & Herkunft
Die Typ-Lokalität von Carinotetraodon irrubesco liegt im Banyuasin-Becken in South Sumatra, Indonesien. Die Art ist endemisch in zwei getrennten Regionen verbreitet: dem unteren Banyuasin-Becken auf Sumatra sowie dem Sambas-Flusssystem in West Kalimantan auf Borneo. Der natürliche Lebensraum zeichnet sich durch versunkene Ufervegetation terrestrischen Ursprungs aus, die in trübem, saurem Schwarzwasser wächst. Das Wasser weist typischerweise einen pH-Wert um 6,0 auf und ist mit Wasserpflanzen, Wurzeln und abgestorbenem organischen Material angereichert. Die Strömung ist mittel bis langsam. Diese Biotope bieten ideale Versteckmöglichkeiten und reichlich Nahrung in Form von Schnecken und Kleinkrebsen. Der feine Sandboden ermöglicht das charakteristische nächtliche Eingraben. Die geografische Isolation der beiden Populationen auf verschiedenen Inseln deutet auf eine interessante biogeografische Geschichte hin.
Artgerechte Haltung im Aquarium
Aquarium-Einrichtung
Für die Haltung einer Gruppe wird ein Aquarium mit mindestens 60×30×30 cm (50 Liter) benötigt. Essenziell ist ein feiner Sandboden, da die Tiere sich nachts eingraben – Kies oder Aquasoil sind ungeeignet und können zu Verletzungen führen. Die Einrichtung sollte dem natürlichen Biotop nachempfunden werden: zahlreiche Wurzeln, Äste und dichte Wasserpflanzenbereiche bieten Verstecke und Revierabgrenzungen. Schwimmpflanzen dämpfen das Licht und schaffen Rückzugsmöglichkeiten. Wichtig ist die Förderung von Algenaufwuchs auf Dekorationselementen, da dieser zur natürlichen Ernährung beiträgt. Die Strukturierung des Beckens mit Sichtbarrieren reduziert Aggressionen zwischen den territorial lebenden Tieren. Eine moderate Strömung simuliert die natürlichen Fließgewässer, sollte aber Ruhezonen ermöglichen.
Wasserwerte & Technik
Die Wassertemperatur sollte konstant zwischen 23-26 °C liegen. Der pH-Wert kann in einem breiten Spektrum von 6,0-7,8 gehalten werden, wobei leicht saure Werte (6,0-6,5) dem natürlichen Habitat am nächsten kommen. Die Gesamthärte (GH) liegt idealerweise bei 8-15 °dH. Eine effektive Filterung ist wichtig, da Kugelfische viel fressen und entsprechend Abfallstoffe produzieren. Die Strömung sollte mittel bis langsam eingestellt werden. Regelmäßige Wasserwechsel (wöchentlich 30-50%) sind essentiell für die Gesundheit. Eine moderate Beleuchtung unterstützt das Pflanzenwachstum, ohne die dämmerungsaktiven Tiere zu stressen. Torffilterung oder Erlenzapfen können helfen, Schwarzwasserbedingungen zu simulieren.
Gruppenhaltung & Sozialverhalten
Obwohl Einzelhaltung möglich ist, zeigt Carinotetraodon irrubesco in Gruppen mit einem Geschlechterverhältnis von 1 Männchen zu 4 Weibchen das natürlichste Verhalten. Männchen sind territorial und aggressiv gegenüber Artgenossen, besonders anderen Männchen. Ein ausreichend großes und strukturiertes Becken mit vielen Verstecken ist daher unerlässlich. Weibchen sind untereinander verträglicher, benötigen aber ebenfalls Rückzugsmöglichkeiten. Bei zu geringer Beckengröße oder zu vielen Männchen kommt es zu Stress, Verletzungen und Dominanzkämpfen. Die Tiere zeigen ein interessantes Interaktionsverhalten, besonders während der Balz, wenn Männchen ihre Färbung intensivieren und ventrale Kämme präsentieren.
Vergesellschaftung mit anderen Arten
Die Vergesellschaftung erfordert sorgfältige Auswahl. Geeignet sind kleine, friedliche und schnelle Arten wie Rasboras, Halbschnäbler (Halfbeaks), Pipefish oder Grundeln (Gobies), die die oberen und mittleren Wasserschichten bewohnen. Ungeeignet sind langsame Fische mit langen Flossen, da Kugelfische zum Flossenzupfen neigen. Auch bodenorientierte Arten können mit den territorialen Kugelfischen in Konflikt geraten. Garnelen und Schnecken werden als Nahrung betrachtet und sind keine geeigneten Mitbewohner – wobei Schnecken gezielt als Lebendfutter eingesetzt werden sollten. Andere Kugelfischarten sollten nicht vergesellschaftet werden. Wichtig ist, dass Beifische nicht um die gleichen Ressourcen konkurrieren und ausreichend Ausweichraum haben. Eine dichte Bepflanzung und Strukturierung des Beckens minimiert Konflikte.
Ernährung & Fütterung
Zucht & Vermehrung
Gesundheit & typische Probleme
Gesundheit & typische Probleme
Kugelfische sind generell robust, aber anfällig für typische Aquarienkrankheiten bei schlechter Wasserqualität. Häufige Probleme sind Parasitenbefall (Ichthyo, Oodinium), bakterielle Infektionen und Pilzerkrankungen, besonders bei Stress oder Verletzungen durch Revierkämpfe. Ein spezifisches Problem ist übermäßiges Zahnwachstum: Ohne ausreichend harte Nahrung (Schnecken, Muscheln) wachsen die Zähne zu lang und verhindern die Nahrungsaufnahme. Regelmäßige Kontrolle und gegebenenfalls tierärztliches Schleifen sind notwendig. Stress durch zu kleine Becken, falsche Vergesellschaftung oder ungeeignetes Substrat (kein feiner Sand) führt zu Verhaltensauffälligkeiten und geschwächtem Immunsystem. Das Aufblasen sollte nur in echten Gefahrensituationen erfolgen – häufiges Aufblasen durch Stress ist gesundheitsschädlich. Quarantäne neuer Tiere und präventive Maßnahmen wie stabile Wasserwerte, abwechslungsreiche Ernährung und ausreichend Verstecke minimieren Krankheitsrisiken. Bei Auffälligkeiten sollte schnell gehandelt werden, da Kugelfische empfindlich auf Medikamente reagieren können.
Schutzstatus & Verantwortung
IUCN
Die Art ist als "Least Concern" (LC - Nicht gefährdet) eingestuft. Der genaue Bestandstrend ist unbekannt, aber die Art scheint in ihrem begrenzten Verbreitungsgebiet stabil zu sein.
CITES
Carinotetraodon irrubesco ist nicht in den CITES-Anhängen gelistet. Ein internationaler Handel unterliegt keinen besonderen artenschutzrechtlichen Beschränkungen durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen.
WISIA
Die Art ist in Deutschland nicht besonders geschützt und nicht in der WISIA-Datenbank des Bundesamts für Naturschutz gelistet. Ein Herkunftsnachweis ist für die Haltung nicht erforderlich. Dennoch sollten Aquarianer verantwortungsvoll mit der Art umgehen und nur Nachzuchten erwerben, um Wildfänge zu vermeiden. Die speziellen Haltungsanforderungen erfordern fundierte Kenntnisse – die Art ist nicht für Anfänger geeignet.
Häufig gestellte Fragen
Wie groß sollte das Aquarium für Rotaugen-Kugelfische sein?
Für eine Gruppe (1 Männchen, 4 Weibchen) wird ein Aquarium mit mindestens 60×30×30 cm (50 Liter) benötigt. Einzelhaltung ist in kleineren Becken möglich, aber Gruppenhaltung zeigt natürlicheres Verhalten. Wichtiger als die reine Größe ist die Strukturierung mit vielen Verstecken und Revierabgrenzungen.
Können Rotaugen-Kugelfische mit anderen Fischen vergesellschaftet werden?
Ja, aber mit Vorsicht. Geeignet sind kleine, schnelle und friedliche Arten wie Rasboras, Halbschnäbler oder Grundeln, die andere Wasserschichten bewohnen. Ungeeignet sind langsame Fische mit langen Flossen sowie bodenorientierte Arten. Garnelen und Schnecken werden als Nahrung betrachtet.
Was fressen Rotaugen-Kugelfische und warum sind Schnecken so wichtig?
Die Art ernährt sich karnivor von Schnecken, kleinen Krebstieren, Insektenlarven und Muscheln. Schnecken sind essentiell, da ihre harten Schalen die kontinuierlich wachsenden Zähne abnutzen. Ohne ausreichend harte Nahrung müssen die Zähne tierärztlich geschliffen werden, da sie sonst die Nahrungsaufnahme behindern.
Warum ist feiner Sand als Bodengrund so wichtig?
Rotaugen-Kugelfische vergraben sich nachts zum Schutz im Sandboden. Feiner Sand ermöglicht dieses natürliche Verhalten ohne Verletzungsgefahr. Kies oder Aquasoil sind ungeeignet, da sie scharfkantig sind und die empfindliche Haut der Tiere verletzen können. Der Sandboden ist daher keine Option, sondern eine Grundvoraussetzung.
Ist die Zucht von Carinotetraodon irrubesco im Aquarium möglich?
Ja, die Zucht ist möglich, aber anspruchsvoll. Das Weibchen legt hunderte Eier in Vegetation ab, die Eltern müssen danach sofort entfernt werden, da sie ihre Eier fressen. Die Larvenaufzucht ist kritisch und erfordert Erstfutter wie Infusorien und später Artemia-Nauplien. Separate Aufzuchtbecken mit stabilen Wasserwerten sind erforderlich.
Wissenschaftliche Quellen
- FishBase (2026)
Carinotetraodon irrubesco - IUCN Red List
Carinotetraodon irrubesco - WISIA BfN (2026)
Artenschutzdatenbank - Seriously Fish
Carinotetraodon irrubesco - Fishi-pedia
Carinotetraodon irrubesco - Wikipedia
Carinotetraodon irrubesco - Pufferfish Enthusiasts Worldwide
Care Sheet - Aqua Imports
Red Eye Red Tailed Puffer


