Misool-Zwergkrebs (Cherax misolicus) – Blau-orangefarbener Mini-Flusskrebs
Wissenschaftlicher Name
Cherax misolicus (Holthuis, 1949)
Cherax misolicus (Holthuis, 1949)
Familie
Parastacidae
Parastacidae
Ordnung
Decapoda (Zehnfußkrebse)
Decapoda (Zehnfußkrebse)
Name
Misool-Zwergkrebs
Misool-Zwergkrebs
Herkunft
Indonesien
, Misool Island (Raja Ampat, West Papua)
Indonesien
Lebensraum
Süßgewässer-Fließgewässer
Süßgewässer-Fließgewässer
Ernährung
Omnivor
Omnivor
Größe
Bis 8 cm (Mini-Form)
Bis 8 cm (Mini-Form)
Lebenserwartung
2 bis 5 Jahre
2 bis 5 Jahre
Temperatur
20 - 28 °C
20 - 28 °C
pH-Wert
6,0 - 7,5
6,0 - 7,5
Gesamthärte
Ab 6 °dH
Ab 6 °dH
Karbonathärte
Bis 8 °dH
Bis 8 °dH
Haltung
Aquarium ab 60×30×30 cm / 54 Liter
Aquarium ab 60×30×30 cm / 54 Liter
Schwierigkeitsgrad
Anfänger
Anfänger
Sozialverhalten
Paar oder Einzelhaltung
Paar oder Einzelhaltung
IUCN-Status
Nicht bewertet (NE)
Nicht bewertet (NE)
Verbreitungskarte & Fundort
Der Misool-Zwergkrebs (Cherax misolicus) ist ein faszinierender kleiner Flusskrebs aus der indonesischen Raja-Ampat-Region. Mit seiner auffälligen blau-grünen Grundfärbung, den beige-orangefarbenen Scherenbändern und dem kompakten Körperbau gehört er zu den beliebtesten Zwergart-Flusskrebsen in der Aquaristik. Die Art wurde 1949 von Lipke Bijdeley Holthuis wissenschaftlich beschrieben und stammt von der abgelegenen Insel Misool bei West-Papua. Besonders charakteristisch sind die sogenannten "scissor blisters" – beige-orangefarbene Knubbel auf den Scherenbändern der Männchen. Im Handel wird die Art unter verschiedenen Namen geführt: Misool Mini Cherax, Blue Lightning Striped Crayfish oder auch Tiger Crayfish. Trotz seiner geringen Größe zeigt dieser Krebs ein interessantes Sozialverhalten und ist bei artgerechter Haltung auch für Einsteiger geeignet. Die friedliche Natur und die vergleichsweise einfache Zucht machen ihn zu einem idealen Bewohner für strukturreich eingerichtete Aquarien ab 54 Litern.
Optik & Verhalten
Der Misool-Zwergkrebs beeindruckt durch seine kontrastreiche Färbung: Die Scheren zeigen ein intensives Blau-Grün mit seitlichen beige-orangefarbenen Bändern. Bei geschlechtsreifen Männchen entwickeln sich auf diesen Bändern charakteristische "scissor blisters" – kleine Erhebungen, die wie Blasen oder Knubbel wirken. Die Scherenarme sind hellblau gefärbt und weisen helle Gelenkmembranen auf. Der Carapax präsentiert sich grünlich-blau mit dunklem Rand, während das Abdomen auf der Unterseite orange-beige und oben blau-grün mit auffälligem dunkelblauen Muster gefärbt ist. Die Beine sind blau-grau mit orange-beigen Gelenken. Diese Farbkombination macht jeden Krebs zu einem individuellen Kunstwerk. Verwechslungen können mit nahe verwandten Arten wie Cherax warsamsonicus oder Cherax mosessalossa auftreten, die ähnliche Zeichnungsmuster aufweisen. Auch andere Papua-Cherax mit blauen Scheren werden gelegentlich fehlbestimmt.
Natürlicher Lebensraum & Herkunft
Die Heimat von Cherax misolicus liegt auf der Insel Misool, die zur Raja-Ampat-Region in West-Papua (Indonesien) gehört. Die Art bewohnt dort Süßgewässer-Fließgewässer – vermutlich kleinere Bäche und Flüsse in der Umgebung der Stadt Fakal. Detaillierte Habitatbeschreibungen aus wissenschaftlichen Feldstudien fehlen bislang, doch aus der Aquaristikpraxis und Feldberichten lässt sich ableiten, dass die Krebse strukturreiche Gewässer mit Versteckmöglichkeiten bevorzugen. Das tropische Klima der Region sorgt für ganzjährig warme Wassertemperaturen, wobei saisonale Schwankungen durch Regen- und Trockenzeiten wahrscheinlich sind. Die geografische Isolation auf Misool hat zur Entwicklung dieser eigenständigen Art beigetragen. Koordinaten des Verbreitungszentrums liegen bei etwa -1.9 Grad südlicher Breite und 130.0 Grad östlicher Länge.
Artgerechte Haltung im Aquarium
Aquarium-Einrichtung
Für die Haltung eines Paares wird ein Aquarium mit mindestens 54 Litern Volumen empfohlen, wobei die Kantenlänge mindestens 60 cm betragen sollte. Entscheidend ist eine strukturreiche Bodenzone mit zahlreichen Versteckmöglichkeiten. Geeignet sind Steinaufbauten, Wurzeln, Tonröhren und Höhlen, die den Krebsen Rückzugsorte bieten – besonders wichtig während der Häutungsphasen. Der Bodengrund sollte aus feinem Kies oder Sand bestehen. Pflanzen können eingesetzt werden, allerdings muss mit gelegentlichem Pflanzenfraß gerechnet werden, insbesondere bei adulten Tieren mit überwiegend pflanzlicher Ernährung. Robuste Arten wie Javafarn oder Anubias sind empfehlenswert.
Wasserwerte & Technik
Die Wassertemperatur sollte zwischen 20 und 28 °C liegen, wobei der mittlere Bereich um 24 °C optimal ist. Der pH-Wert kann zwischen 6,0 und 7,5 schwanken, die Gesamthärte sollte mindestens 6 °dH betragen, die Karbonathärte bis 8 °dH. Eine gute Filterung und ausreichende Sauerstoffversorgung sind wichtig, da die Art aus Fließgewässern stammt. Regelmäßige Wasserwechsel (wöchentlich 20–30 %) tragen zur Gesundheit bei. Die Krebse sind relativ anpassungsfähig, reagieren aber empfindlich auf plötzliche Wasserwertänderungen und Schadstoffe.
Gruppenhaltung & Sozialverhalten
Der Misool-Zwergkrebs gilt als verträglich und kann paarweise in ausreichend strukturierten Becken gehalten werden. Einzelhaltung ist ebenfalls möglich. Eine Vergesellschaftung mit anderen Flusskrebsarten, Krabben, Großarmgarnelen oder Fächergarnelen sollte unbedingt vermieden werden, da es zu Kämpfen kommen kann. Besonders kritisch ist der Kontakt zu amerikanischen Flusskrebsen, die Überträger der Krebspest sein können – selbst indirekte Übertragung über Wasser oder Gegenstände ist möglich.
Vergesellschaftung mit anderen Arten
Eine Vergesellschaftung ist mit Zwerggarnelen und friedlichen, mittelgroßen, oberflächenorientierten Fischen möglich. Die Krebse sind Bodenbewohner und kommen diesen Tieren kaum in die Quere. Aggressive oder zu kleine Fische sollten vermieden werden. Wichtig ist ausreichend Struktur im Becken, damit alle Bewohner ihre Reviere finden. Von einer Haltung mit anderen Krebstieren wird dringend abgeraten.
Ernährung & Fütterung
In der Natur ernährt sich Cherax misolicus omnivor von Detritus, abgestorbenen Pflanzenteilen und gelegentlich tierischer Kost. In der Aquaristik zeigt sich eine altersabhängige Ernährungspräferenz: Jungtiere benötigen eine ausgewogene Mischkost aus tierischen und pflanzlichen Komponenten. Adulte Tiere werden überwiegend pflanzenfressend – ein zu hoher Anteil tierischer Nahrung kann bei ihnen zu Häutungsproblemen führen. Geeignete Futtermittel sind braunes Herbstlaub (Buche, Eiche), überbrühte Brennnesseln, Gemüse (Gurke, Zucchini, Paprika), Flocken- und Granulatfutter sowie spezielles Cherax-Futter. Frostfutter sollte nur in Maßen gegeben werden. Eine abwechslungsreiche Ernährung fördert Gesundheit und Farbenpracht.
Zucht & Vermehrung
Die Zucht von Cherax misolicus gilt als nicht schwierig. Geschlechtsreife Männchen erkennt man an den Gonoporen zwischen dem fünften Schreitbeinpaar und den auffälligen "scissor blisters" auf den Scheren. Weibchen haben ihre Gonoporen zwischen dem dritten Schreitbeinpaar. Nach erfolgreicher Paarung trägt das Weibchen die befruchteten Eier unter dem Abdomen und betreut sie intensiv. Nach etwa 6 bis 9 Wochen (Angaben variieren) schlüpfen 30 bis 50 voll entwickelte Jungtiere. Diese bleiben noch einige Tage unter dem Abdomen der Mutter, bevor sie selbstständig werden. Das Wachstum der Jungtiere verläuft relativ langsam. Sie benötigen omnivor-ausgewogene Nahrung und ausreichend Verstecke. Spezielle Zuchtauslöser sind nicht erforderlich – stabile Wasserwerte und gute Ernährung genügen meist.
Gesundheit & typische Probleme
Bei artgerechter Haltung ist Cherax misolicus robust. Häutungsprobleme können auftreten, wenn adulte Tiere zu viel tierisches Futter erhalten oder die Wasserwerte (insbesondere Härte) zu niedrig sind. Während der Häutung sind die Krebse besonders verletzlich und benötigen sichere Verstecke. Die größte Gefahr stellt die Krebspest dar, die durch amerikanische Flusskrebse übertragen wird. Daher ist strikte Trennung von amerikanischen Arten und deren Wasser zwingend erforderlich. Auch Werkzeuge und Hände sollten nicht zwischen Becken mit amerikanischen und asiatisch-australischen Krebsen wechseln. Regelmäßige Wasserwechsel und gute Wasserqualität beugen bakteriellen Infektionen vor.
Schutzstatus & Verantwortung
IUCN
Nicht bewertet (NE) – Die Art ist aktuell nicht in der Roten Liste der IUCN geführt.
CITES
Nicht gelistet – Cherax misolicus unterliegt keinen CITES-Beschränkungen.
WISIA
Nicht geschützt – In Deutschland ist die Art nicht im Artenschutzverzeichnis WISIA gelistet.
Ein Herkunftsnachweis ist nicht erforderlich. Dennoch sollten nur Nachzuchten erworben werden, um Wildpopulationen zu schonen. Die abgelegene Herkunft von Misool Island macht Wildfänge ökologisch bedenklich. Verantwortungsvolle Aquarianer setzen auf Nachzuchten aus europäischer Zucht.
Häufig gestellte Fragen
Welche Aquariengröße benötigt der Misool-Zwergkrebs?
Für ein Paar wird ein Aquarium mit mindestens 54 Litern Volumen empfohlen, wobei die Kantenlänge mindestens 60 cm betragen sollte. Wichtiger als die reine Größe ist eine strukturreiche Einrichtung mit vielen Versteckmöglichkeiten.
Für ein Paar wird ein Aquarium mit mindestens 54 Litern Volumen empfohlen, wobei die Kantenlänge mindestens 60 cm betragen sollte. Wichtiger als die reine Größe ist eine strukturreiche Einrichtung mit vielen Versteckmöglichkeiten.
Kann man Misool-Zwergkrebse mit Garnelen vergesellschaften?
Ja, eine Vergesellschaftung mit Zwerggarnelen ist möglich. Die Krebse gelten als friedlich und stellen adulten Garnelen normalerweise nicht nach. Allerdings können Garnelennachwuchs und Häutlinge gefressen werden.
Ja, eine Vergesellschaftung mit Zwerggarnelen ist möglich. Die Krebse gelten als friedlich und stellen adulten Garnelen normalerweise nicht nach. Allerdings können Garnelennachwuchs und Häutlinge gefressen werden.
Wie unterscheidet man Männchen und Weibchen?
Männchen haben ihre Gonoporen zwischen dem fünften Schreitbeinpaar und zeigen auffällige beige-orangefarbene "scissor blisters" (Knubbel) auf den Scherenbändern. Weibchen haben die Gonoporen zwischen dem dritten Schreitbeinpaar und keine Blasen auf den Scheren.
Was fressen adulte Misool-Zwergkrebse?
Adulte Tiere ernähren sich überwiegend pflanzlich. Geeignet sind braunes Herbstlaub, überbrühte Brennnesseln, Gemüse wie Gurke und Zucchini sowie spezielles Cherax-Futter. Zu viel tierisches Futter kann zu Häutungsproblemen führen.
Wie lange dauert es bis die Jungtiere schlüpfen?
Nach der Eiablage trägt das Weibchen die Eier etwa 6 bis 9 Wochen unter dem Abdomen. Anschließend schlüpfen 30 bis 50 voll entwickelte Jungtiere, die noch einige Tage bei der Mutter bleiben, bevor sie selbstständig werden.
Wissenschaftliche Quellen
- DecaNet / WoRMS
Cherax misolicus Holthuis, 1949 - ZooKeys
Vergleichsabbildungen Cherax-Arten - IUCN
Red List - WISIA
Wissenschaftliches Informationssystem Artenschutz - Garnelio
Misool Mini Cherax - Aquarium Glaser
Cherax-Arten - Aquatic Arts
Blue Lightning Striped Crayfish - PetZoneSD
Asian Tiger Lobster - Wikipedia
Cherax (Gattung) - YouTube
Feldbericht Misool Island 2016


