Guppy (Poecilia reticulata) – Millionfish mit Farbenvielfalt
Wissenschaftlicher Name
Poecilia reticulata (Peters, 1859)
Poecilia reticulata (Peters, 1859)
Familie
Poeciliidae (Lebendgebärende Zahnkarpfen)
Poeciliidae (Lebendgebärende Zahnkarpfen)
Ordnung
Cyprinodontiformes (Zahnkärpflinge)
Cyprinodontiformes (Zahnkärpflinge)
Name
Guppy
Guppy
Herkunft
Südamerika (Venezuela
, Brasilien
, Guyana
, Trinidad
), Karibik
Südamerika (Venezuela
Lebensraum
Langsam fließende Bäche, Teiche, Flussarme und küstennahe Brackwasserzonen
Langsam fließende Bäche, Teiche, Flussarme und küstennahe Brackwasserzonen
Ernährung
Omnivor
Omnivor
Größe
Männchen 3 - 4 cm, Weibchen 5 - 6 cm
Männchen 3 - 4 cm, Weibchen 5 - 6 cm
Lebenserwartung
2 bis 3 Jahre
2 bis 3 Jahre
Temperatur
22 - 26 °C
22 - 26 °C
pH-Wert
7,0 - 8,5
7,0 - 8,5
Gesamthärte
10 - 25 °dGH
10 - 25 °dGH
Karbonathärte
5 - 15 °dKH
5 - 15 °dKH
Haltung
Aquarium ab 60×30×30 cm / 54 Liter (Gruppe)
Aquarium ab 60×30×30 cm / 54 Liter (Gruppe)
Schwierigkeitsgrad
Anfänger
Anfänger
Sozialverhalten
Gruppe (Schwarmfisch)
Gruppe (Schwarmfisch)
IUCN-Status
Least Concern (LC)
Least Concern (LC)
Verbreitungskarte & Fundort
Der Guppy (Poecilia reticulata) zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Aquarienfischen weltweit. Sein wissenschaftlicher Name geht auf Wilhelm Peters zurück, der die Art 1859 erstmals beschrieb. Ursprünglich in den Süßgewässern Südamerikas und der Karibik beheimatet, hat sich dieser lebendgebärende Zahnkarpfen durch menschliche Einführung in tropischen und subtropischen Regionen rund um den Globus verbreitet. Besonders auffällig ist der ausgeprägte Geschlechtsdimorphismus: Während Männchen mit leuchtenden Farben, gemusterten Flossen und einer schlanken Körperform beeindrucken, präsentieren sich Weibchen in schlichtem Grau und deutlich größerer Statur. Die Anpassungsfähigkeit, unkomplizierte Haltung und hohe Vermehrungsrate machen den Guppy zum idealen Einsteigerfisch. Gleichzeitig bietet die Art durch ihre Vielfalt an Zuchtformen – von Fächer- über Schwertträger- bis hin zu Mosaikmustern – auch erfahrenen Aquarianern spannende Zuchtprojekte. Mit seiner friedlichen Natur und dem lebhaften Schwarmverhalten bringt der Guppy Bewegung und Farbe in jedes Gesellschaftsaquarium.
Optik & Verhalten
Der Guppy besticht durch einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus, der ihn unverwechselbar macht. Männchen präsentieren sich in einem Kaleidoskop aus Farben – von leuchtendem Orange über intensives Blau bis hin zu metallischem Grün. Ihre Schwanz- und Rückenflossen zeigen kunstvolle Muster: Punkte, Streifen, Mosaikstrukturen oder einfarbige Flächen. Das charakteristische Gonopodium, eine zur Begattung umgebildete Afterflosse, unterscheidet sie zusätzlich von den Weibchen. Diese bleiben in ihrer Wildform überwiegend grau-silbrig gefärbt, erreichen dafür aber eine deutlich imposantere Körpergröße von bis zu 6 cm. Der sogenannte Gravidfleck – eine dunkle Verfärbung am Hinterleib – signalisiert bei trächtigen Weibchen die bevorstehende Geburt. Im Aquarium zeigen Guppys ein lebhaftes Schwarmverhalten mit ausgeprägter Neugier. Sie durchstreifen alle Wasserschichten, wobei Männchen ständig um die Gunst der Weibchen werben. Ihre Anpassungsfähigkeit ist bemerkenswert: In der Natur besiedeln sie sowohl langsam fließende Bäche als auch stehende Tümpel und tolerieren sogar brackige Küstengewässer.
Natürlicher Lebensraum & Herkunft
Die Typ-Lokalität des Guppys liegt in Guyana, wo Wilhelm Peters die Art 1859 erstmals wissenschaftlich beschrieb. Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich über weite Teile Südamerikas – von Venezuela über Brasilien bis nach Trinidad und Tobago. Auch auf karibischen Inseln wie Jamaika, Barbados und Antigua ist die Art heimisch. Durch menschliche Einführung zur Mückenbekämpfung hat sich der Guppy mittlerweile in tropischen und subtropischen Gewässern weltweit etabliert. In seiner natürlichen Umgebung bevorzugt Poecilia reticulata vegetationsreiche Süßgewässer: langsam fließende Bäche, Teiche, Flussarme und küstennahe Brackwasserzonen. Die Gewässer sind oft von dichter Ufervegetation gesäumt, die Schutz vor Fressfeinden bietet. Charakteristisch sind schwankende Wasserstände durch saisonale Regenfälle, an die sich die Art perfekt angepasst hat. In stromaufwärts gelegenen Bereichen dominieren klare, sauerstoffreiche Abschnitte mit Kiesgrund, während stromabwärts schlammige Substrate und Algenmatten vorherrschen. Diese Habitatvielfalt spiegelt sich in der opportunistischen Ernährungsstrategie wider: Je nach Standort wechselt die Nahrung von Insektenlarven über Algen bis hin zu herabgefallenen Früchten.
Artgerechte Haltung im Aquarium
Aquarium-Einrichtung
Für eine Gruppe von mindestens 5-6 Guppys empfiehlt sich ein Aquarium ab 60×30×30 cm (54 Liter). Die Einrichtung sollte den natürlichen Lebensraum nachbilden: Dichte Bepflanzung mit feinfiedrigen Arten wie Javamoos, Hornkraut oder Cabomba bietet Rückzugsmöglichkeiten für Weibchen und Jungfische. Schwimmpflanzen wie Wasserlinsen oder Froschbiss dämpfen das Licht und schaffen zusätzliche Verstecke. Ein dunkler Bodengrund aus feinem Kies oder Sand betont die Farbenpracht der Männchen. Wurzeln und Steine gliedern das Becken und dienen als Reviergrenzen. Wichtig ist ausreichend freier Schwimmraum im vorderen Beckenbereich, da Guppys aktive Schwimmer sind. Die Strömung sollte schwach bis mittel ausfallen – eine Filterung über Außenfilter oder Hamburger Mattenfilter ist ideal. Starke Strömung stresst die Tiere und kann die großen Flossen der Zuchtformen beschädigen.
Wasserwerte & Technik
Guppys bevorzugen Wassertemperaturen zwischen 22 und 26 °C, wobei 24 °C optimal sind. Der pH-Wert sollte neutral bis leicht alkalisch liegen (7.0 oder höher). Besonders wichtig ist hartes, mineralreiches Wasser mit hohen Calcium- und Magnesiumwerten. In zu weichem Wasser können Flossenschäden und Wachstumsstörungen auftreten. Die Karbonathärte stabilisiert den pH-Wert und sollte im mittleren bis hohen Bereich liegen. Regelmäßige Wasserwechsel von 30-50% wöchentlich halten die Wasserqualität stabil und regen die Fortpflanzung an. Eine moderate Filterung entfernt Schadstoffe, ohne zu starke Strömung zu erzeugen. Guppys tolerieren auch leicht brackiges Wasser, was sie zu robusten Pfleglingen macht. Eine Heizung ist in den meisten Wohnräumen nur im Winter erforderlich. Beleuchtung mit 8-10 Stunden Tageslicht fördert Pflanzenwachstum und natürliches Verhalten.
Gruppenhaltung & Sozialverhalten
Guppys sind ausgeprägte Schwarmfische und sollten niemals einzeln gehalten werden. Ideal ist ein Geschlechterverhältnis von 1 Männchen zu 2-3 Weibchen, um die ständige Balz der Männchen auf mehrere Partner zu verteilen. In reinen Männchengruppen kann es zu Rangkämpfen kommen, die jedoch selten in Verletzungen enden. Das Sozialverhalten ist friedlich und lebhaft: Die Tiere durchschwimmen das gesamte Becken, wobei Männchen ihre Flossen spreizen und um Weibchen werben. Weibchen bilden oft lockere Gruppen und suchen gemeinsam nach Futter. Die Art zeigt keine Territorialität, sodass auch größere Gruppen problemlos möglich sind. Wichtig ist ausreichend Platz und Struktur, damit rangniedere Tiere ausweichen können.
Vergesellschaftung mit anderen Arten
Guppys eignen sich hervorragend für Gesellschaftsaquarien mit anderen friedlichen Arten. Ideale Partner sind Panzerwelse (Corydoras), Antennenwelse, Platys, Mollys oder Schwertträger. Auch Salmler wie Neonsalmler oder Glühlichtsalmler harmonieren gut. Vorsicht ist bei flossenzupfenden Arten geboten: Sumatrabarben oder manche Buntbarsche können die langen Schwanzflossen der Männchen beschädigen. Große, räuberische Fische wie Skalare oder Fadenfische betrachten Jungfische als Beute. Garnelen (z.B. Amanogarnelen) und Schnecken sind problemlose Mitbewohner. Bei der Vergesellschaftung sollten ähnliche Wasserwertansprüche beachtet werden – Arten aus weichem, saurem Wasser sind weniger geeignet. Die hohe Vermehrungsrate der Guppys kann in Gemeinschaftsbecken zu Überpopulation führen, weshalb eine Kontrolle der Nachzucht ratsam ist.
Ernährung & Fütterung
In der Natur ernähren sich Guppys omnivor und opportunistisch. Stromaufwärts dominieren Invertebraten wie Insektenlarven und kleine Krebstiere, während stromabwärts Algen, Diatomeen und Mineralpartikel überwiegen. Auch herabgefallene Früchte werden nicht verschmäht. Im Aquarium akzeptieren sie bereitwillig hochwertiges Flockenfutter, das als Grundnahrung dient. Zur Förderung der Farbenpracht und Vitalität sollte die Ernährung durch Lebendfutter ergänzt werden: Artemia (Salzwasserkrebschen), Cyclops, Mückenlarven oder Daphnien sind ideal. Auch Frostfutter wird gerne angenommen. Pflanzliche Kost in Form von überbrühtem Spinat, Gurke oder Spirulina-Flocken unterstützt die Verdauung. Gefüttert wird 1-2 mal täglich in kleinen Portionen, die innerhalb von 2-3 Minuten gefressen werden. Überfütterung führt zu Wasserbelastung und Verfettung. Ein wöchentlicher Fastentag fördert die Gesundheit. Jungfische benötigen mehrmals täglich feines Futter wie frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien oder Staubfutter.
Zucht & Vermehrung
Die Zucht von Guppys gilt als eine der einfachsten in der Aquaristik. Als lebendgebärende Art (ovovivipar) bringen Weibchen nach einer Tragzeit von etwa 4 Wochen 20-200 fertig entwickelte Jungfische zur Welt, wobei 30-60 typisch sind. Die Geburt dauert 1-6 Stunden und erfolgt meist in den frühen Morgenstunden. Auslöser für die Fortpflanzung sind stabile Temperaturen zwischen 22-26 °C und regelmäßige Wasserwechsel. Der charakteristische Gravidfleck – eine dunkle Verfärbung am Hinterleib des Weibchens – signalisiert die fortgeschrittene Trächtigkeit. Bemerkenswert ist die Fähigkeit der Weibchen, Spermien über mehrere Monate zu speichern und mehrere Würfe ohne erneute Paarung zu produzieren. Die Jungfische sind sofort schwimmfähig und selbstständig. Ohne Schutz werden sie jedoch oft von Elterntieren und anderen Fischen gefressen. Zur erfolgreichen Aufzucht empfiehlt sich ein separates Aufzuchtbecken oder dichte Schwimmpflanzen als Versteck. Gefüttert werden die Jungtiere mit frisch geschlüpften Artemia-Nauplien oder feinem Staubfutter. Nach 3-4 Monaten sind sie geschlechtsreif und zeigen die typische Färbung. Die hohe Vermehrungsrate kann in Aquarien schnell zu Überpopulation führen – eine Kontrolle durch natürliche Fressfeinde oder Abgabe überzähliger Tiere ist ratsam.
Gesundheit & typische Probleme
Guppys gelten als robuste Fische, können aber bei suboptimalen Bedingungen anfällig für Krankheiten werden. Häufige Probleme sind Flossenfäule durch bakterielle Infektionen, oft ausgelöst durch schlechte Wasserqualität oder Verletzungen. Regelmäßige Wasserwechsel und stabile Wasserwerte beugen vor. Ichthyophthirius (Weißpünktchenkrankheit) tritt bei Stress oder Temperaturschwankungen auf und ist an weißen Pünktchen auf Haut und Flossen erkennbar. Behandlung erfolgt durch Temperaturerhöhung auf 28-30 °C über mehrere Tage. Pilzinfektionen zeigen sich als watteähnliche Beläge und erfordern Antimykotika. Bei Zuchtformen mit extrem vergrößerten Flossen können Schwimmschwierigkeiten auftreten – hier hilft eine Reduzierung der Strömung. Überbesatz und Überfütterung führen zu Stress und Immunschwäche. Quarantäne neuer Fische verhindert die Einschleppung von Parasiten. Eine ausgewogene Ernährung mit Vitaminen stärkt das Immunsystem. Guppys in zu weichem Wasser entwickeln häufig Skelettdeformationen – hartes, mineralreiches Wasser ist essentiell für gesundes Wachstum.
Schutzstatus & Verantwortung
IUCN
Least Concern (LC) – Nicht gefährdet. Die Art wurde 2009 bewertet und zeigt einen stabilen Bestandstrend. Aufgrund der weiten Verbreitung und hohen Anpassungsfähigkeit besteht keine Gefährdung.
CITES
Nicht gelistet. Poecilia reticulata unterliegt keinen internationalen Handelsbeschränkungen.
WISIA
Nicht geschützt. Die Art ist weder nach Bundesnaturschutzgesetz noch nach EG-Verordnung 338/97 geschützt. Ein Herkunftsnachweis ist nicht erforderlich.
Trotz des ungefährdeten Status tragen Aquarianer Verantwortung: Die weltweite Verbreitung durch Aussetzungen kann lokale Ökosysteme stören und einheimische Arten verdrängen. Guppys sollten niemals in natürliche Gewässer entlassen werden. Zudem ist auf genetische Vielfalt zu achten – Inzucht in Zuchtlinien führt zu Deformationen und geschwächten Tieren. Verantwortungsvolle Zucht erhält die Gesundheit und Vitalität der Art für kommende Generationen.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Guppys sollte man mindestens halten?
Guppys sind Schwarmfische und sollten in Gruppen ab 5-6 Tieren gehalten werden. Ideal ist ein Geschlechterverhältnis von 1 Männchen zu 2-3 Weibchen, um Stress durch ständige Balz zu vermeiden. In einem 54-Liter-Becken ist Platz für 8-10 ausgewachsene Tiere.
Wie oft vermehren sich Guppys?
Weibchen können alle 4-6 Wochen Jungfische zur Welt bringen. Ein Wurf umfasst typischerweise 30-60 Jungtiere, kann aber bis zu 200 betragen. Weibchen speichern Spermien und können mehrere Würfe ohne erneute Paarung produzieren. Die hohe Vermehrungsrate erfordert Populationskontrolle.
Welche Wasserwerte brauchen Guppys?
Guppys bevorzugen Temperaturen von 22-26 °C, einen pH-Wert ab 7.0 und hartes, mineralreiches Wasser. Besonders wichtig sind ausreichend Calcium und Magnesium für gesundes Flossen- und Skelettwachstum. Wöchentliche Wasserwechsel von 30-50% halten die Qualität stabil.
Was fressen Guppys am liebsten?
Guppys sind Allesfresser. Als Grundfutter eignet sich hochwertiges Flockenfutter. Zur Förderung von Farbe und Vitalität sollten regelmäßig Lebendfutter (Artemia, Mückenlarven, Cyclops) oder Frostfutter sowie pflanzliche Kost (Spirulina, überbrühter Spinat) gefüttert werden. Fütterung erfolgt 1-2 mal täglich in kleinen Portionen.
Können Guppys mit anderen Fischen zusammenleben?
Ja, Guppys sind friedlich und eignen sich für Gesellschaftsaquarien. Geeignete Partner sind Panzerwelse, Platys, Mollys, Neonsalmler oder Garnelen. Vermeiden sollte man flossenzupfende Arten wie Sumatrabarben oder große Räuber wie Skalare, die Jungfische fressen. Wichtig sind ähnliche Wasserwertansprüche der Mitbewohner.
Wissenschaftliche Quellen
Primärliteratur & Datenbanken
- FishBase (2024)
Poecilia reticulata – Summary Page - IUCN Red List (2009)
Poecilia reticulata – Assessment - GBIF (2024)
Poecilia reticulata – Occurrence Data - Catalog of Fishes
Poecilia reticulata – Nomenclature
Fachliteratur & Ratgeber
- Wikipedia (2024)
Guppy – Comprehensive Species Article - Ferplast Blog (2024)
The Guppy Fish – Characteristics & Care - Aquarium Co-Op (2024)
Guppy Care Guide – Husbandry & Breeding - PetMD (2024)
8 Facts About Guppies – Health & Behavior - A-Z Animals (2024)
Incredible Guppy Facts – Ecology & Distribution
Artenschutz & Recht
- CITES
Nicht gelistet (Stand 2024) - WISIA
Art nicht in Datenbank gelistet (Stand 2024)











































