Amur-Stichling (Pungitius sinensis) – Ostasiatischer Neunstachliger Stichling
Wissenschaftlicher Name
Pungitius sinensis (Guichenot, 1869)
Pungitius sinensis (Guichenot, 1869)
Familie
Gasterosteidae (Stichlinge)
Gasterosteidae (Stichlinge)
Ordnung
Barschartige (Perciformes)
Barschartige (Perciformes)
Name
Amur-Stichling
Amur-Stichling
Herkunft
Ostasien: Korea-Halbinsel
, Nordost- und Nordchina
, Japan
, Kurilen, Kamtschatka
, Amur-Flusssystem
Ostasien: Korea-Halbinsel
Lebensraum
Saubere Flüsse und Ströme mit klarem Wasser und benthopelagischen Habitaten
Saubere Flüsse und Ströme mit klarem Wasser und benthopelagischen Habitaten
Ernährung
Carnivor
Carnivor
Größe
6,5 cm (Süßwasser), bis 9 cm (Meer)
6,5 cm (Süßwasser), bis 9 cm (Meer)
Lebenserwartung
2 bis 3 Jahre
2 bis 3 Jahre
Temperatur
12 °C - 20 °C
12 °C - 20 °C
pH-Wert
7,0 - 8,0
7,0 - 8,0
Gesamthärte
10° - 20° dGH
10° - 20° dGH
Karbonathärte
5° - 12° dKH
5° - 12° dKH
Haltung
Aquarium
Aquarium
Schwierigkeitsgrad
Fortgeschritten
Fortgeschritten
Sozialverhalten
Einzeln/Paar (Männchen territorial während Brutpflege)
Einzeln/Paar (Männchen territorial während Brutpflege)
IUCN-Status
Vulnerable (VU)
Vulnerable (VU)
Verbreitungskarte & Fundort
Der Amur-Stichling (Pungitius sinensis) ist ein faszinierender Süßwasser- und Brackwasserfisch aus der Familie der Stichlinge (Gasterosteidae), der in den sauberen Flüssen und Strömen Ostasiens beheimatet ist. Mit seiner charakteristischen braunen Rückenfärbung und gelben Bauchseite sowie neun markanten Rückenstacheln erreicht dieser benthopelagisch lebende Fisch eine Länge von bis zu 9 cm. Besonders bemerkenswert ist sein komplexes Fortpflanzungsverhalten: Die Männchen bauen kunstvolle Nester aus Pflanzenmaterial und bewachen die Eier über 15 Tage hinweg ohne Nahrungsaufnahme. Trotz seiner weiten Verbreitung von Korea über Nordchina bis nach Japan, Kamtschatka und die Kurilen gilt die Art als gefährdet (IUCN: VU). Der Amur-Stichling bevorzugt saubere, strömungsreiche Gewässer und ist in der koreanischen Sprache als 'gasigogi' bekannt. Seine Anpassungsfähigkeit an verschiedene Salzgehalte macht ihn zu einem interessanten Studienobjekt für Evolutionsbiologen und Aquarianer gleichermaßen.
Optik & Verhalten
Der Amur-Stichling besticht durch seine charakteristische Färbung mit dorsaler brauner und ventraler gelber Färbung. Sein auffälligstes Merkmal sind die neun Stacheln am Rücken, die ihm auch den englischen Namen 'ninespine stickleback' eingebracht haben. Mit einer Körperlänge von bis zu 9 cm im Meer und etwa 6,5 cm im Süßwasser gehört er zu den kleineren Vertretern der Stichlinge. Besonders faszinierend ist sein Fortpflanzungsverhalten: Männchen konstruieren kunstvolle Nester aus Pflanzenmaterial, in die die Weibchen ihre Eier ablegen. Während der 15-tägigen Brutpflege bewacht und belüftet das Männchen die Eier ohne jegliche Nahrungsaufnahme – ein bemerkenswertes Beispiel elterlicher Fürsorge im Fischreich. Die Art zeigt eine benthopelagische Lebensweise und ist sowohl im Süßwasser als auch im Brackwasser und Meer anzutreffen.
Natürlicher Lebensraum & Herkunft
Pungitius sinensis bewohnt ein ausgedehntes Verbreitungsgebiet in Ostasien, das sich von der koreanischen Halbinsel über Nordost- und Nordchina bis nach Japan, zu den Kurilen und nach Kamtschatka erstreckt. Das Zentrum seines Vorkommens liegt im Amur-Flusssystem, einem der größten Flusssysteme Asiens. Die Art bevorzugt saubere Flüsse und Ströme mit klarem Wasser und benthopelagischen Habitaten. Ihre Anpassungsfähigkeit zeigt sich in der Besiedlung verschiedener Salzgehalte – von reinem Süßwasser über Brackwasser bis hin zu marinen Küstengewässern. Dokumentierte Fundorte umfassen unter anderem den Namdaecheon-Bach in der südkoreanischen Provinz Gangwon sowie acht verschiedene Lokalitäten in Nordost-China. Die Fortpflanzungszeit erstreckt sich in der Natur von April bis August, wenn die Wassertemperaturen optimal für die Eiablage und Larvenentwicklung sind.
Artgerechte Haltung im Aquarium
Aquarium-Einrichtung
Für die Haltung des Amur-Stichlings im Aquarium liegen keine spezifischen Angaben vor, jedoch lassen sich aus seinem natürlichen Habitat Rückschlüsse ziehen. Die Art benötigt sauberes, gut mit Sauerstoff angereichertes Wasser, das ihren natürlichen Lebensraum in strömungsreichen Flüssen widerspiegelt. Eine strukturreiche Einrichtung mit Versteckmöglichkeiten und Pflanzenmaterial ist essentiell, da die Männchen während der Brutzeit Nester aus Pflanzen bauen. Aufgrund der territorialen Natur der Männchen während der Fortpflanzungsphase sollte ausreichend Raum für Revierbildung vorhanden sein.
Wasserwerte & Technik
Konkrete Wasserwerte für die Aquarienhaltung sind in den Quellen nicht dokumentiert. Basierend auf dem natürlichen Habitat in sauberen, strömungsreichen Flüssen ist jedoch eine gute Filterung und moderate Strömung unerlässlich. Die Art toleriert verschiedene Salzgehalte von Süßwasser bis Brackwasser, was eine gewisse Flexibilität in der Haltung ermöglicht. Eine effiziente Sauerstoffversorgung ist aufgrund der Herkunft aus sauerstoffreichen Fließgewässern besonders wichtig.
Gruppenhaltung & Sozialverhalten
Das Sozialverhalten des Amur-Stichlings ist besonders während der Brutzeit ausgeprägt. Männchen zeigen territoriales Verhalten, wenn sie ihre Nester bewachen und die Eier über 15 Tage hinweg ohne Nahrungsaufnahme pflegen. Für die Aquarienhaltung sollte dies bei der Planung der Beckengröße und Besatzdichte berücksichtigt werden. Spezifische Empfehlungen zur Gruppengröße liegen nicht vor, jedoch ist aufgrund des Brutverhaltens eine Paarhaltung oder kleine Gruppen mit Rückzugsmöglichkeiten empfehlenswert.
Vergesellschaftung mit anderen Arten
Zur Vergesellschaftung des Amur-Stichlings mit anderen Arten liegen keine dokumentierten Informationen vor. Aufgrund seines natürlichen Vorkommens in Fließgewässern Ostasiens und des territorialen Verhaltens während der Brutzeit sollten Mitbewohner sorgfältig ausgewählt werden. Friedliche, ebenfalls aus kühleren Gewässern stammende Arten, die ähnliche Wasserwerte bevorzugen, könnten geeignete Partner sein. Von einer Vergesellschaftung mit aggressiven oder zu großen Arten ist abzuraten.
Ernährung & Fütterung
Spezifische Informationen zur natürlichen Ernährung und Fressstrategie von Pungitius sinensis sind in den verfügbaren Quellen nicht dokumentiert. Als Stichling ist jedoch davon auszugehen, dass die Art sich von kleinen wirbellosen Tieren, Zooplankton und möglicherweise Insektenlarven ernährt. Bemerkenswert ist, dass Männchen während der 15-tägigen Brutpflege vollständig auf Nahrungsaufnahme verzichten – ein außergewöhnliches Verhalten, das die Bedeutung der Fortpflanzung für diese Art unterstreicht.
Zucht & Vermehrung
Die Fortpflanzung des Amur-Stichlings ist ein faszinierendes Schauspiel elterlicher Fürsorge. Die Laichzeit erstreckt sich in der Natur von April bis August. Das Männchen konstruiert ein kunstvolles Nest aus Pflanzenmaterial, in das das Weibchen seine Eier ablegt. Nach der Eiablage übernimmt das Männchen die vollständige Brutpflege: Es bewacht die Eier, belüftet sie durch Flossenbewegungen und verzichtet dabei über einen Zeitraum von 15 Tagen vollständig auf Nahrung. Dieses bemerkenswerte Verhalten zeigt die hohe Investition in den Fortpflanzungserfolg. Spezifische Informationen zu Geschlechtsunterschieden, Zucht-Triggern und der Aufzucht der Jungfische sind in den verfügbaren Quellen nicht dokumentiert, was die Zucht im Aquarium zu einer Herausforderung für erfahrene Aquarianer macht.
Gesundheit & typische Probleme
Spezifische Informationen zu Krankheiten oder typischen Gesundheitsproblemen des Amur-Stichlings sind in den Quellen nicht dokumentiert. Als Bewohner sauberer, sauerstoffreicher Fließgewässer ist die Art jedoch wahrscheinlich empfindlich gegenüber schlechter Wasserqualität. Die Aufrechterhaltung optimaler Wasserbedingungen mit guter Filterung, ausreichender Sauerstoffversorgung und regelmäßigen Wasserwechseln ist essentiell. Während der Brutpflege sollte besonders darauf geachtet werden, dass brütende Männchen nicht gestört werden, da sie in dieser Phase keine Nahrung aufnehmen und unter erhöhtem physiologischem Stress stehen.
Schutzstatus & Verantwortung
IUCN
Der Amur-Stichling wird als VU (Vulnerable – gefährdet) eingestuft. Dies unterstreicht die Bedeutung von Schutzmaßnahmen für die Art und ihre natürlichen Lebensräume. Die Gefährdung resultiert vermutlich aus Habitatverlust und Verschlechterung der Wasserqualität in seinen angestammten Verbreitungsgebieten.
CITES
Die Art ist nicht in den CITES-Anhängen gelistet, unterliegt also keinen internationalen Handelsbeschränkungen.
WISIA
Pungitius sinensis ist nicht in der WISIA-Datenbank gelistet und unterliegt somit keinen besonderen artenschutzrechtlichen Bestimmungen in Deutschland. Ein Herkunftsnachweis ist nicht erforderlich.
Trotz des fehlenden rechtlichen Schutzes in Deutschland sollten Aquarianer die Verantwortung für diese gefährdete Art ernst nehmen. Der Erhalt reiner Zuchtlinien und die Vermeidung von Hybridisierung mit verwandten Arten sind wichtige Beiträge zum Artenschutz. Die Haltung sollte nur von erfahrenen Aquarianern mit entsprechenden Kenntnissen über die speziellen Anforderungen der Art erfolgen.
Häufig gestellte Fragen
Wie groß wird der Amur-Stichling?
Der Amur-Stichling erreicht im Süßwasser eine Länge von etwa 6,5 cm, während Exemplare aus marinen Habitaten bis zu 9 cm groß werden können. Die Größe variiert also je nach Lebensraum und Salzgehalt des Wassers.
Warum gilt der Amur-Stichling als gefährdet?
Die IUCN stuft Pungitius sinensis als VU (Vulnerable – gefährdet) ein. Die Gefährdung resultiert vermutlich aus Habitatverlust und der Verschlechterung der Wasserqualität in seinen natürlichen Verbreitungsgebieten in Ostasien. Die Art benötigt saubere, sauerstoffreiche Fließgewässer, die zunehmend durch menschliche Aktivitäten beeinträchtigt werden.
Wie lange dauert die Brutpflege beim Amur-Stichling?
Die Brutpflege des Amur-Stichlings ist bemerkenswert intensiv: Das Männchen bewacht und belüftet die Eier über einen Zeitraum von 15 Tagen, während dessen es vollständig auf Nahrungsaufnahme verzichtet. Diese außergewöhnliche elterliche Fürsorge zeigt die hohe Investition in den Fortpflanzungserfolg.
Kann der Amur-Stichling in Süß- und Salzwasser leben?
Ja, Pungitius sinensis zeigt eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit an verschiedene Salzgehalte. Die Art kommt sowohl in reinem Süßwasser als auch in Brackwasser und marinen Küstengewässern vor. Diese euryhaline Lebensweise ermöglicht es der Art, verschiedene Habitate zu besiedeln.
Ist der Amur-Stichling für Anfänger geeignet?
Der Amur-Stichling wird als Art für fortgeschrittene Aquarianer eingestuft. Dies liegt an seinen speziellen Anforderungen an Wasserqualität, dem komplexen Brutverhalten und dem Mangel an detaillierten Haltungsinformationen. Die Art benötigt sauberes, sauerstoffreiches Wasser und während der Brutzeit besondere Rücksichtnahme auf territoriale Männchen. Anfänger sollten zunächst Erfahrungen mit robusteren Arten sammeln.
Wissenschaftliche Quellen
Primäre und kuratierte Quellen
- FishBase (2024)
Pungitius sinensis, Amur stickleback - GBIF (2024)
Pungitius sinensis (Guichenot, 1869) - Mapress (2021)
Redescription of the Chinese ninespine stickleback, Pungitius sinensis
Fachlich-seriöse Quellen
- Wikipedia (2024)
Amur stickleback - iNaturalist (2024)
Pungitius sinensis - Wiley (2021)
Phylogenomics of Northeast Asian Pungitius sticklebacks
Kontext- und Proxy-Quellen
- NatureServe (2024)
Pungitius pungitius - WoRMS (2024)
Pungitius sinensis kaibarae
