Rhodeus nigrodorsalis

 
Gelbflossen China Zwerg Bitterling (Rhodeus nigrodorsalis) – Seltener Winter-Laicher

Wissenschaftlicher Name
Rhodeus nigrodorsalis (Li, Liao & Arai, 2020)
Familie
Acheilognathidae (Bitterlinge)
Ordnung
Cypriniformes (Karpfenartige)
Name
Gelbflossen China Zwerg Bitterling
Herkunft
China China River Le-An (Jiangxi), River Lv (Anhui) – Yangtze-Becken
Lebensraum
Große Fließgewässer mit flache Randbereiche
Ernährung
Omnivor
Größe
4 - 5 cm (max. 4,7 cm dokumentiert)
Lebenserwartung
3 bis 5 Jahre
Temperatur
16 °C - 22 °C
pH-Wert
6,5 - 7,5
Gesamthärte
5° - 12° dGH
Karbonathärte
3° - 8° dKH
Haltung
Aquarium
Schwierigkeitsgrad
Experte
Sozialverhalten
Nicht dokumentiert (vermutlich Gruppe)
IUCN-Status
Vulnerable (VU)
Verbreitungskarte & Fundort
Rhodeus nigrodorsalis ist eine erst 2020 wissenschaftlich beschriebene Bitterlingsart aus dem Yangtze-Becken in China. Diese kleine, faszinierende Art zeichnet sich durch eine einzigartige Fortpflanzungsbiologie aus: Als einziger bekannter Rhodeus-Vertreter laicht sie mitten im Winter (Januar–März), wenn die Wassertemperaturen am niedrigsten sind. Männchen entwickeln während der Laichzeit eine spektakuläre Färbung mit schwarzer Dorsalflosse, blauschwarzen Flankenbändern und leuchtend gelben Bauchflossen – ein diagnostisches Merkmal, das die Art unverwechselbar macht. Trotz ihrer wissenschaftlichen Bedeutung ist R. nigrodorsalis im Aquarienhobby extrem selten und gilt als gefährdet (IUCN: Vulnerable).

Optik & Verhalten

Die diagnostischen Merkmale von Rhodeus nigrodorsalis sind beeindruckend: Männchen in Laichfärbung zeigen eine komplett schwarze Dorsalflossenflächenmembran – ein Alleinstellungsmerkmal unter allen Rhodeus-Arten. Hinzu kommt ein blauschwarzes vertikales Band auf der 4.–5. Schuppenserie der Flanke, eine gelbliche Iris sowie leuchtend gelbe Bauchflossen und gepaarte Flossen. Ein schwarzer Fleck an der Dorsalflossenbasis vergrößert sich mit zunehmendem Alter. Weibchen sind deutlich schlichter gefärbt und entwickeln während der Laichbereitschaft einen Ovipositor. Die Art besitzt 33–35 Längsschienenreihen, 8 verzweigte Dorsal- und Analflossenstrahlen sowie 34–35 Wirbel. Verwechslungen sind vor allem mit dem sympatrisch vorkommenden Rhodeus cyanorostris möglich, der sich jedoch durch mehr Prädorsalschuppen und eine Fleckenzeichnung auf der Dorsalflosse unterscheidet.

Natürlicher Lebensraum & Herkunft

Rhodeus nigrodorsalis wurde 2020 aus dem Yangtze-Becken in Ostchina beschrieben. Die Typ-Lokalität liegt im River Le-An (Wuyuan County, Jiangxi Province), ein weiterer Fundort im River Lv (Qimen County, Anhui Province). Beide Flüsse münden in den Poyang-See, den größten Süßwassersee Chinas. Die Art bewohnt große Fließgewässer mit flachen Randbereichen, wo das Substrat aus gemischtem Sand und Schlamm besteht. Die Strömung ist moderat, typisch für Flussabschnitte mit Muschelbeständen – essenziell für die Fortpflanzung aller Bitterlinge. Das Verbreitungsgebiet ist auf das Einzugsgebiet des Poyang-Sees beschränkt, was die Art besonders anfällig für Habitatverlust macht.

Artgerechte Haltung im Aquarium

Aquarium-Einrichtung
Aufgrund der Seltenheit der Art im Handel liegen keine detaillierten Aquaristik-Empfehlungen vor. Basierend auf der Biologie verwandter Rhodeus-Arten sollte ein Aquarium mindestens 100×40×40 cm (160 Liter) für eine kleine Gruppe bereitstellen. Die Einrichtung sollte Fließgewässer-Charakter haben: feiner Sand-Schlamm-Grund, Wurzeln, Steine und robuste Pflanzen (z.B. Vallisnerien, Javafarn). Eine moderate Strömung durch Außenfilter ist wichtig. Kritisch: Für erfolgreiche Fortpflanzung werden lebende Süßwassermuscheln (z.B. Teichmuscheln, Malermuscheln) benötigt – die spezifische Wirtsart für R. nigrodorsalis ist jedoch unbekannt.

Wasserwerte & Technik
Konkrete Wasserwerte aus dem natürlichen Habitat sind nicht dokumentiert. Als Fließgewässer-Art aus gemäßigten Breiten Chinas (29°N) toleriert R. nigrodorsalis vermutlich kühlere Temperaturen als tropische Arten. Die Winter-Laichzeit (Januar–März) deutet auf Anpassung an niedrige Temperaturen hin – möglicherweise 12–18 °C während der Fortpflanzung, 18–22 °C im Sommer. Empfohlen werden neutrale bis leicht alkalische pH-Werte (7,0–7,5), mittlere Härte (8–15 °dGH) und gute Sauerstoffversorgung. Eine Winterruhe mit Temperaturabsenkung könnte die Laichbereitschaft fördern.

Gruppenhaltung & Sozialverhalten
Wie alle Bitterlinge sollte R. nigrodorsalis in Gruppen ab 6–8 Tieren (Geschlechterverhältnis 1:1 oder mehr Weibchen) gehalten werden. Männchen zeigen während der Laichzeit territoriales Verhalten um Muscheln. Die Art erreicht bereits mit 3 cm Geschlechtsreife (Weibchen laichen ab 30 mm SL), was auf eine friedliche Sozialstruktur hindeutet. Beobachtungen aus Aquarienhaltung (mindestens 17 Monate dokumentiert) zeigen keine extremen Aggressionsprobleme.

Vergesellschaftung mit anderen Arten

Aufgrund der geringen Größe (max. 5 cm) und friedlichen Natur eignen sich kleine, ebenfalls kühle Temperaturen tolerierende Arten aus Ostasien: Bärblinge (Tanichthys), Gründlinge (Misgurnus, Cobitis), kleine Karpfenfische. Wichtig: Keine großen oder aggressiven Arten, die mit den Bitterlingen um Muscheln konkurrieren oder diese fressen könnten. Schnecken und Garnelen sind problemlos möglich.

Ernährung & Fütterung

Das natürliche Nahrungsspektrum ist nicht dokumentiert. Basierend auf verwandten Arten ernährt sich R. nigrodorsalis vermutlich omnivor von Kleinkrebsen, Insektenlarven, Algenaufwuchs und Detritus. Im Aquarium sollten Lebend- und Frostfutter (Cyclops, Daphnien, Mückenlarven, Artemia) sowie hochwertiges Flockenfutter mit pflanzlichen Anteilen angeboten werden. Mehrmals täglich kleine Portionen füttern.

Zucht & Vermehrung

Rhodeus nigrodorsalis zeigt die typische Bitterlings-Fortpflanzung: Weibchen legen Eier mit einem Ovipositor in die Kiemenkammer lebender Süßwassermuscheln ab, wo die Larven geschützt heranwachsen. Die Art ist einzigartig unter Rhodeus durch ihre Winter-Laichzeit (Januar–März) bei niedrigsten Jahrestemperaturen. Weibchen beginnen bereits bei 30 mm Standardlänge mit der Fortpflanzung und laichen mehrfach während der Saison (2–7 Eier pro Laichakt bei manueller Auslösung dokumentiert). Männchen entwickeln intensive Nuptialfärbung und verteidigen Reviere um Muscheln. Kritisch: Die Wirtsmuschel-Art ist unbekannt, was gezielte Zucht im Aquarium erschwert. Europäische Teichmuscheln (Anodonta) oder Malermuscheln (Unio) könnten funktionieren, müssen aber getestet werden. Eine Winterruhe mit Temperaturabsenkung auf 10–15 °C über 8–12 Wochen ist vermutlich essentiell als Laichtrigger.

Gesundheit & typische Probleme

Spezifische Krankheitsanfälligkeiten sind nicht dokumentiert. Wie alle Bitterlinge reagiert R. nigrodorsalis empfindlich auf schlechte Wasserqualität (Nitrit, Ammoniak) und Sauerstoffmangel. Parasiten (Ichthyo, Costia) und bakterielle Infektionen können bei Stress auftreten. Die größte Herausforderung in Aquarienhaltung ist die Abhängigkeit von lebenden Muscheln für erfolgreiche Fortpflanzung – ohne diese verkümmert der Ovipositor der Weibchen, was zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Regelmäßige Wasserwechsel (30 % wöchentlich) und abwechslungsreiche Ernährung sind präventiv wichtig.

Schutzstatus & Verantwortung

IUCN
Vulnerable (VU) – Bewertet am 18. Januar 2025. Die Art gilt als gefährdet aufgrund ihres sehr begrenzten Verbreitungsgebiets (nur zwei Flüsse im Yangtze-Becken) und zunehmender Habitatzerstörung durch Wasserkraftwerksbau, Verschmutzung und Überfischung im Poyang-See-Einzugsgebiet.

CITES
Nicht gelistet. Kein internationaler Handelsschutz.

WISIA
Nicht geschützt. Die Art ist nicht in der deutschen Artenschutzdatenbank gelistet, ein Herkunftsnachweis ist nicht erforderlich.

Verantwortung: Aufgrund des IUCN-Status sollten Aquarianer ausschließlich Nachzuchten erwerben (derzeit kaum verfügbar). Wildfänge tragen zur Gefährdung bei. Die Etablierung von Erhaltungszucht-Programmen wäre wünschenswert, erfordert aber Klärung der Wirtsmuschel-Frage. Jeder Halter trägt Verantwortung für artgerechte Bedingungen und sollte Zuchterfolge dokumentieren und melden.

Häufig gestellte Fragen

Ist Rhodeus nigrodorsalis für Anfänger geeignet?
Nein, die Art ist nur für erfahrene Aquarianer geeignet. Die Seltenheit im Handel, fehlende Haltungserfahrungen, die Notwendigkeit lebender Muscheln für die Fortpflanzung und der Vulnerable-Status machen R. nigrodorsalis zu einer Expertenart. Zudem sind spezielle Temperaturbedingungen (Winterruhe) erforderlich.

Wo kann ich Rhodeus nigrodorsalis kaufen?
Die Art ist extrem selten im Handel. Gelegentlich bieten spezialisierte Importeure Wildfänge an (dokumentiert 2024 bei niederländischem Händler für ca. 15 Euro pro Tier). Nachzuchten sind derzeit praktisch nicht verfügbar. Interessenten sollten Spezialisten-Foren und Importlisten beobachten.

Welche Muscheln braucht Rhodeus nigrodorsalis zur Fortpflanzung?
Die natürliche Wirtsmuschel-Art ist wissenschaftlich noch nicht identifiziert. Vermutlich funktionieren große Süßwassermuscheln aus dem Yangtze-Becken (Anodonta-Arten, Unio-Arten). Europäische Teichmuscheln oder Malermuscheln könnten als Ersatz dienen, müssen aber getestet werden. Ohne Muscheln ist keine Fortpflanzung möglich.

Warum laicht die Art im Winter?
Rhodeus nigrodorsalis ist der einzige bekannte Rhodeus mit Winter-Laichzeit (Januar–März). Dies ist vermutlich eine Anpassung an spezifische ökologische Bedingungen im Yangtze-Becken – möglicherweise höhere Muschelaktivität oder geringere Konkurrenz durch andere Fischarten bei niedrigen Temperaturen. Im Aquarium sollte eine Winterruhe mit Temperaturabsenkung die Laichbereitschaft auslösen.

Wie unterscheidet sich R. nigrodorsalis von anderen Bitterlingen?
Diagnostisches Merkmal ist die komplett schwarze Dorsalflossenflächenmembran der Männchen in Laichfärbung – kein anderer Rhodeus zeigt dies. Weitere Unterschiede: blauschwarzes Flankenband, gelbe Bauchflossen, Winter-Laichzeit, kleine Eigröße und frühe Geschlechtsreife (bereits 3 cm). Verwechslungen sind nur mit dem sympatrischen R. cyanorostris möglich, der jedoch Flecken auf der Dorsalflosse hat.



Wissenschaftliche Quellen