Sewellia analis – Vietnamesischer Flossensauger mit spezialisierter Saugscheibe
Wissenschaftlicher Name
Sewellia analis (Kottelat, 2005)
Sewellia analis (Kottelat, 2005)
Familie
Gastromyzontidae (Plattbauch-Flossensauger)
Gastromyzontidae (Plattbauch-Flossensauger)
Ordnung
Cypriniformes (Karpfenartige)
Cypriniformes (Karpfenartige)
Name
...
...
Herkunft
Vietnam
(schnellfließende Oberläufe und Nebenflüsse)
Vietnam
Lebensraum
Flache, schnellfließende und sauerstoffreiche Gewässer
Flache, schnellfließende und sauerstoffreiche Gewässer
Ernährung
Limnivor
Limnivor
Größe
6 - 7 cm
6 - 7 cm
Lebenserwartung
5 bis 8 Jahre
5 bis 8 Jahre
Temperatur
20 - 24°C
20 - 24°C
pH-Wert
6,0 - 7,5
6,0 - 7,5
Gesamthärte
1 - 10 °dH (18 - 179 ppm)
1 - 10 °dH (18 - 179 ppm)
Karbonathärte
3° - 10° dKH
3° - 10° dKH
Haltung
Aquarium ab 100 cm Kantenlänge
Aquarium ab 100 cm Kantenlänge
Schwierigkeitsgrad
Fortgeschritten
Fortgeschritten
Sozialverhalten
Gruppe (dominant gegenüber anderen Saugschmerlen, friedlich zu unähnlichen Arten)
Gruppe (dominant gegenüber anderen Saugschmerlen, friedlich zu unähnlichen Arten)
IUCN-Status
Nicht bewertet (NE)
Nicht bewertet (NE)
Verbreitungskarte & Fundort
Sewellia analis ist ein hochspezialisierter Flossensauger aus den schnellfließenden Oberläufen vietnamesischer Gebirgsbäche. Diese 2005 von Maurice Kottelat beschriebene Art gehört zur Familie der Gastromyzontidae und beeindruckt durch ihre einzigartige Morphologie: Der abgeflachte Körper und die zu einer Saugscheibe verwachsenen Flossen ermöglichen es ihr, selbst in stärkster Strömung sicher am Substrat zu haften. Mit 19-26 verzweigten Brustflossenstrahlen und einer charakteristischen Bauchflosse, die in eine fleischige Klappe mündet, ist sie perfekt an das Leben in sauerstoffreichen Stromschnellen angepasst. Die kleinen Kiemenöffnungen oberhalb der Brustflossenbasis und die drei Paar kurzer Barteln am gekrümmten Maul vervollständigen das Bild eines hochgradig spezialisierten Algenfressers. Für Aquarianer stellt diese Art eine faszinierende Herausforderung dar, die besondere Anforderungen an Strömung und Wasserqualität stellt.
Optik & Verhalten
Sewellia analis zeigt eine bemerkenswerte Anpassung an das Leben in schnellfließenden Gewässern. Der Kopf und Körper sind stark abgeflacht (depressiert), während der Schwanz seitlich komprimiert ist. Die größte Körpertiefe liegt am Ansatz der Rückenflosse. Das herausragende Merkmal ist die Saugscheibe, die von den paarigen Flossen, dem Kopf und Körper bis zum Ende der Bauchflosse reicht. Die Brustflosse erstreckt sich über den Ansatz der Bauchflosse hinaus, und letztere bildet zusammen mit den letzten beiden Flossenstrahlen und einer fleischigen Klappe ein spezialisiertes Saugventil. Die Kiemenöffnung ist kleiner als das Auge und liegt oberhalb der Brustflossenbasis. Das kleine, gekrümmte Maul weist einen überhängenden Oberkiefer auf, begleitet von zwei Paaren kurzer Rostralbarteln und einem Paar Maxillarbarteln. Männchen entwickeln zur Fortpflanzungszeit charakteristische weiche Tuberkel-Reihen auf den vorderen 5-6 Brustflossenstrahlen sowie zusätzliche Reihen auf der dorsalen Kopfoberfläche. Diese Strukturen dienen vermutlich der Partnererkennung und dem Festhalten während der Paarung.
Natürlicher Lebensraum & Herkunft
Die Art stammt aus Vietnam, wo sie ausschließlich in flachen, schnellfließenden und hochgradig sauerstoffangereicherten Oberläufen und Nebenflüssen vorkommt. Diese Habitattypen sind durch Stromschnellen und schnell fließende Abschnitte charakterisiert, in denen das Wasser ständig in Bewegung ist und hohe Sauerstoffkonzentrationen aufweist. Das Substrat besteht typischerweise aus Steinen und Felsen, die von Aufwuchsalgen und assoziierten Mikroorganismen besiedelt sind. Die natürlichen Wasserwerte in diesen Habitaten liegen bei einem pH-Wert zwischen 6,0 und 7,5 sowie einer Gesamthärte von 18-179 ppm (entspricht etwa 1-10 °dH). Die starke Strömung und der hohe Sauerstoffgehalt sind essenzielle Faktoren für das Überleben dieser spezialisierten Art. Über saisonale Einflüsse wie Regen- oder Trockenzeiten liegen keine dokumentierten Daten vor, jedoch ist anzunehmen, dass die Tiere während der Monsunzeit mit erhöhten Wasserständen und stärkerer Strömung konfrontiert sind.
Artgerechte Haltung im Aquarium
Aquarium-Einrichtung
Für die Haltung von Sewellia analis ist ein Aquarium mit starker Strömung und hoher Sauerstoffanreicherung unerlässlich. Das Becken sollte mit zahlreichen glatten Steinen und Felsen eingerichtet werden, die den Tieren Halt bieten und gleichzeitig als Substrat für Aufwuchsalgen dienen. Eine offene Schwimmzone mit starker Strömung simuliert die natürlichen Stromschnellen. Leistungsstarke Außenfilter oder zusätzliche Strömungspumpen sind erforderlich, um die notwendige Wasserbewegung zu erzeugen. Pflanzen spielen eine untergeordnete Rolle, können aber in strömungsberuhigten Randbereichen platziert werden. Das Substrat sollte aus feinem Kies oder Sand bestehen, wobei die Steine die Hauptstruktur bilden. Eine gute Beleuchtung fördert das Algenwachstum auf den Steinen, was die natürliche Nahrungsgrundlage darstellt.
Wasserwerte & Technik
Die Wasserqualität muss konstant hochwertig sein. Der pH-Wert sollte zwischen 6,0 und 7,5 liegen, die Gesamthärte bei 1-10 °dH (18-179 ppm). Besonders wichtig ist die hohe Sauerstoffsättigung, die durch starke Oberflächenbewegung und gegebenenfalls zusätzliche Belüftung erreicht wird. Regelmäßige, großzügige Wasserwechsel (mindestens 50% wöchentlich) sind essentiell, um Schadstoffe niedrig zu halten und die Wasserqualität zu gewährleisten. Die Filterung sollte leistungsstark sein, wobei biologische und mechanische Filterung kombiniert werden. Eine Temperaturangabe für die natürlichen Habitate liegt nicht vor, jedoch empfiehlt sich für die Gattung eine Haltung bei moderaten Temperaturen von etwa 20-24°C. Zu hohe Temperaturen reduzieren den Sauerstoffgehalt und sollten vermieden werden.Gruppenhaltung & Sozialverhalten
Sewellia analis sollte in Gruppen gehalten werden, da die Art ein ausgeprägtes Sozialverhalten zeigt. Innerhalb der Gruppe etabliert sich eine Hierarchie, wobei die Tiere dominant gegenüber anderen Saugschmerlen sein können. Gegenüber morphologisch unähnlichen Fischen zeigen sie sich jedoch friedlich. Die Gruppenhaltung fördert natürliches Verhalten und reduziert Stress. Eine Mindestgruppengröße von 5-6 Tieren wird empfohlen.
Vergesellschaftung mit anderen Arten
Die Vergesellschaftung sollte mit kleinen, pelagischen Cypriniden erfolgen, die die oberen und mittleren Wasserschichten bewohnen und ähnliche Wasserwerte bevorzugen. Geeignet sind beispielsweise kleine Bärblinge oder Rasboras. Aggressive oder große Fische sollten vermieden werden, da sie die bodenorientierten Saugschmerlen stressen oder bedrohen könnten. Auch andere Bodenbewohner mit ähnlichen Ansprüchen können vergesellschaftet werden, solange ausreichend Raum und Strukturen vorhanden sind. Wichtig ist, dass die Mitbewohner die starke Strömung tolerieren.
Ernährung & Fütterung
In der Natur ernährt sich Sewellia analis hauptsächlich von benthischen Algen und assoziierten Mikroorganismen, ergänzt durch opportunistische Aufnahme von Insektenlarven. Im Aquarium sollte die Ernährung primär auf Aufwuchsalgen basieren, die sich auf den Steinen bilden. Ergänzend können Spirulina-Tabletten, vegetarische Gele und spezielles Algenfutter angeboten werden. Gelegentlich können auch proteinreiche Futtersorten wie Frost- oder Lebendfutter (Mückenlarven, Artemia) gegeben werden, um eine ausgewogene Ernährung zu gewährleisten. Die Fütterung sollte in kleinen Portionen erfolgen, wobei darauf zu achten ist, dass die Tiere ausreichend Zugang zu Algenaufwuchs haben. Überfütterung ist zu vermeiden, da sie die Wasserqualität beeinträchtigt.
Zucht & Vermehrung
Die Zucht von Sewellia analis ist anspruchsvoll, aber möglich. Geschlechtsunterschiede zeigen sich in den charakteristischen Tuberkel-Reihen der Männchen auf den vorderen Brustflossenstrahlen und der dorsalen Kopfoberfläche. Als Laichtrigger kann eine Temperaturerhöhung auf 25-26°C dienen, gefolgt von einem kühleren Wasserwechsel, der die Regenzeit simuliert. Die Paarung erfolgt im freien Wasser: Das Paar steigt in der Wassersäule auf, die Brustflossen werden umeinander geschlungen, und Eier sowie Spermien werden in der stärksten Strömung abgegeben. Die Eier werden mit der Strömung flussabwärts verdriftet. Zur Aufzucht sollten die Eier in ein separates Becken mit schwächerer Strömung überführt werden. Die Larven werden zunächst mit Infusorien gefüttert, später mit Artemia-Nauplien und Mikrowürmern. Die Jungfische sind anfangs weniger abgeflacht und besitzen deutliche Barteln. Sie beginnen bald, am Substrat nach Nahrung zu suchen. Adulte Tiere tolerieren Jungfische ab etwa 5 mm Größe.
Gesundheit & typische Probleme
Die größten gesundheitlichen Risiken für Sewellia analis resultieren aus suboptimalen Haltungsbedingungen. Unzureichende Strömung, niedriger Sauerstoffgehalt und schlechte Wasserqualität führen zu Stress und erhöhter Krankheitsanfälligkeit. Typische Probleme sind bakterielle Infektionen, Pilzbefall und Parasiten, die bei geschwächten Tieren auftreten. Besonders kritisch ist eine zu hohe Wassertemperatur, die den Sauerstoffgehalt reduziert. Regelmäßige Wasserwechsel, stabile Wasserwerte und eine ausgewogene Ernährung sind die beste Prophylaxe. Bei Krankheitsanzeichen sollte die Wasserqualität überprüft und gegebenenfalls eine Behandlung mit geeigneten Medikamenten eingeleitet werden. Quarantäne neuer Tiere ist empfehlenswert, um Krankheitseinschleppung zu vermeiden.
Schutzstatus & Verantwortung
IUCN
Nicht bewertet (NE). Die Art wurde bisher nicht durch die IUCN Red List bewertet, sodass keine Informationen über Gefährdungsstatus oder Bestandstrends vorliegen.
CITES
Nicht gelistet. Sewellia analis unterliegt keinen internationalen Handelsbeschränkungen gemäß dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen.
WISIA
Nicht geschützt. Die Art ist nicht im deutschen Artenschutzrecht (WISIA-Datenbank) gelistet. Ein Herkunftsnachweis ist für die Haltung nicht erforderlich.
Trotz des fehlenden offiziellen Schutzstatus tragen Aquarianer Verantwortung für den Erhalt der Art. Die spezialisierte Lebensweise macht Sewellia analis anfällig für Habitatzerstörung durch Verschmutzung, Staudammbau und Klimawandel. Eine verantwortungsvolle Haltung und Nachzucht im Aquarium kann zur Erhaltung beitragen und den Druck auf Wildpopulationen reduzieren.
Häufig gestellte Fragen
Welche Aquariengröße benötigt Sewellia analis?
Aufgrund der Notwendigkeit starker Strömung und ausreichender Schwimmfläche wird ein Aquarium mit mindestens 100 cm Kantenlänge empfohlen. Dies entspricht etwa 200 Litern Volumen. Wichtiger als die reine Größe ist jedoch die technische Ausstattung mit leistungsstarken Pumpen und Filtern.
Kann ich Sewellia analis mit anderen Saugschmerlen vergesellschaften?
Ja, aber mit Vorsicht. Sewellia analis zeigt dominantes Verhalten gegenüber anderen Saugschmerlen. Eine Vergesellschaftung ist möglich, wenn ausreichend Raum und Strukturen vorhanden sind. Besser geeignet sind morphologisch unähnliche Fische wie kleine pelagische Cypriniden.
Wie erkenne ich das Geschlecht bei Sewellia analis?
Männchen entwickeln charakteristische weiche Tuberkel-Reihen auf den vorderen 5-6 Brustflossenstrahlen sowie zusätzliche Reihen auf der dorsalen Kopfoberfläche. Diese Strukturen sind besonders zur Fortpflanzungszeit ausgeprägt. Weibchen bleiben glatter.
Welches Futter ist für Sewellia analis am besten geeignet?
Die Basis sollte Aufwuchsalgen bilden, die sich natürlich auf Steinen im Aquarium entwickeln. Ergänzend eignen sich Spirulina-Tabletten, vegetarische Gele und spezielles Algenfutter. Gelegentlich können auch proteinreiche Futtersorten wie Frost- oder Lebendfutter angeboten werden.
Ist die Zucht von Sewellia analis im Aquarium möglich?
Ja, die Zucht ist möglich, aber anspruchsvoll. Als Trigger dient eine Temperaturerhöhung auf 25-26°C, gefolgt von einem kühleren Wasserwechsel. Die Paarung erfolgt im freien Wasser mit Eiabgabe in der Strömung. Die Aufzucht der Larven erfordert ein separates Becken und spezielle Fütterung mit Infusorien und später Artemia-Nauplien.
Wissenschaftliche Quellen
- FishBase (2026)
Sewellia analis summary - Wikipedia (2026)
Sewellia analis - SeriouslyFish (2026)
Sewellia sp. 'SEW03' (Genus data) - Aquarium Glaser (2026)
Sewellia "breviventralis" - Acquariofilia Consapevole (2026)
Sewellia - IUCN Red List (2026)
Artsuche - WISIA (2026)
Wissenschaftliches Informationssystem zum Internationalen Artenschutz