Tiger Hillstream Loach (Sewellia lineolata) – Meister der Strömung
Wissenschaftlicher Name
Sewellia lineolata (Valenciennes, 1846)
Sewellia lineolata (Valenciennes, 1846)
Familie
Gastromyzontidae (Plattbauch-Flossensauger)
Gastromyzontidae (Plattbauch-Flossensauger)
Ordnung
Cypriniformes (Karpfenartige)
Cypriniformes (Karpfenartige)
Name
Tiger Hillstream Loach
Tiger Hillstream Loach
Herkunft
Vietnam
(Provinzen Thua Thien-Hue, Quang Nam, Quang Ngai, Binh Dinh), Laos
Vietnam
Lebensraum
Flache, schnellfließende und sauerstoffreiche Gewässer
Flache, schnellfließende und sauerstoffreiche Gewässer
Ernährung
Limnivor
Limnivor
Größe
Männchen ~5 cm, Weibchen ~4,4 cm
Männchen ~5 cm, Weibchen ~4,4 cm
Lebenserwartung
5 bis Jahre
5 bis Jahre
Temperatur
20° - 24°C
20° - 24°C
pH-Wert
6,5 - 7,5
6,5 - 7,5
Gesamthärte
5° - 15° dGH
5° - 15° dGH
Karbonathärte
3° - 10° dKH
3° - 10° dKH
Haltung
Aquarium ab 80 cm Kantenlänge
Aquarium ab 80 cm Kantenlänge
Schwierigkeitsgrad
Fortgeschritten
Fortgeschritten
Sozialverhalten
Friedlich, in Gruppen; dominante Männchen können territorial sein
Friedlich, in Gruppen; dominante Männchen können territorial sein
IUCN-Status
Nicht bewertet (NE)
Nicht bewertet (NE)
Verbreitungskarte & Fundort
Sewellia lineolata, bekannt als Tiger Hillstream Loach oder Reticulated Hillstream Loach, ist ein faszinierender Spezialist für schnellfließende Gewässer aus Zentralvietnam und Laos. Mit seiner einzigartigen Haftscheibe auf der gesamten Bauchseite kann dieser kleine Schmerle selbst in reißenden Stromschnellen mühelos an Felsen haften. Die charakteristischen 3–5 dunklen Längstreifen und das markante Gleitverhalten – bei dem die Fische von erhöhten Steinen abspringen, auf der Strömung gleiten und präzise auf anderen Unterlagen landen – machen diese Art zu einem echten Hingucker. Ursprünglich 1846 von Valenciennes beschrieben, gehört Sewellia lineolata zur Familie der Gastromyzontidae und stellt besondere Anforderungen an die Aquarienhaltung. Die Art benötigt hochoxygeniertes, schnellfließendes Wasser und eine biofilmreiche Umgebung. Ihre spezialisierte Morphologie mit deprimiertem Kopf und Körper sowie komprimiertem Schwanz ermöglicht das Leben in extremen Strömungen, schränkt jedoch die Schwimmfähigkeit im offenen Wasser ein. Für erfahrene Aquarianer, die bereit sind, die natürlichen Lebensbedingungen nachzubilden, bietet diese Art ein einzigartiges Verhaltensspektrum und sogar Zuchterfolge sind dokumentiert.
Optik & Verhalten
Sewellia lineolata beeindruckt durch seine charakteristische Zeichnung mit 3–5 dunklen Längstreifen auf dem Körper und 1–2 konzentrischen Bändern auf der hinteren Partie der paarigen Flossen. Die spezialisierte Morphologie zeigt einen deutlich depremierten (abgeflachten) Kopf und Körper sowie einen komprimierten Schwanz. Die gesamte Bauchseite – von Kopf über Körper bis zu den paarigen Flossen – bildet eine funktionale Haftscheibe, die es dem Fisch ermöglicht, selbst in stärkster Strömung sicher an Felsen zu haften. Männchen lassen sich an den charakteristischen Reihen weicher, erhabener Tuberkel auf den ersten 5–6 Brustflossenstrahlen erkennen, die wie kleine Zäune wirken, sowie an zusätzlichen Tuberkelreihen auf der Dorsalfläche des Kopfes. Weibchen sind größer und fülliger, ihr Kopf scheint fast nahtlos in die Brustflossen überzugehen. Das spektakulärste Verhalten ist das artspezifische Gleiten: Die Fische springen von erhöhten Steinen ab, lassen sich von der Strömung tragen und landen präzise auf anderen Unterlagen – ein Verhalten, das sie von ähnlichen Gattungen wie Gastromyzon oder Beaufortia unterscheidet. Mit 38–49 Seitenlinienschuppen und dem Ursprung der Bauchflosse direkt unter dem Ursprung der Rückenflosse sind sie morphologisch perfekt an ihr extremes Habitat angepasst.
Natürlicher Lebensraum & Herkunft
Sewellia lineolata bewohnt die flachen, schnellfließenden und hochoxygenierten Kopfwässer und Nebenflüsse Zentralvietnams, insbesondere in den Provinzen Thua Thien-Hue, Quang Nam, Quang Ngai und Binh Dinh. Die Art wurde auch in Laos nachgewiesen. Ihr natürlicher Lebensraum umfasst Stromschnellen, Läufe und Becken oder Wasserfälle mit Substraten aus Bedrock, Sand, Kies und Felsbrocken. Die ripäre Vegetation ist in diesen Habitaten gut entwickelt, während aquatische Pflanzen typischerweise fehlen. Das Wasser ist klar, sauerstoffgesättigt und biofilmreich – eine essenzielle Nahrungsquelle für diese tagaktiven Algenfresser. Während der Hochregenzeiten können die Bäche temporär durch erhöhte Strömung und Schwebstoffe trüb werden, wobei auch die Wassertiefen zunehmen. Die Strömungsgeschwindigkeiten in den bevorzugten Habitaten können über 1 m/s erreichen. In diesem extremen Lebensraum weiden Sewellia lineolata über Felsen und Substrate ab, ernähren sich von benthischen Algen, assoziierten Mikroorganismen sowie opportunistisch von Insektenlarven und Mollusken. Die Art ist perfekt an diese Bedingungen angepasst und zeigt in ruhigeren Gewässern deutlich reduzierte Schwimmfähigkeit – sie 'kriechen' regelrecht über Felsen, anstatt zu schwimmen.
Artgerechte Haltung im Aquarium
Aquarium-Einrichtung
Für die artgerechte Haltung von Sewellia lineolata ist eine Einrichtung erforderlich, die ihren natürlichen Lebensraum nachbildet. Das Aquarium sollte zahlreiche felsige Verstecke bieten, ergänzt durch glatte Kiesel und Felsbrocken, die als Weideflächen dienen. Die Förderung der Biofilm-Entwicklung ist essentiell – dies gelingt durch ausreichend Licht in Kombination mit sauberem, nährstoffreichem Wasser. Aquatische Pflanzen sind nicht notwendig und entsprechen auch nicht dem natürlichen Habitat. Das Substrat sollte aus einer Mischung von Sand, Kies und größeren Steinen bestehen, um natürliche Spalten und Verstecke zu schaffen. Wichtig ist eine offene Schwimmzone mit starker Strömung, in der die Fische ihr charakteristisches Gleitverhalten zeigen können. Die Einrichtung sollte so gestaltet sein, dass verschiedene Strömungszonen entstehen – von sehr starker Strömung bis zu strömungsberuhigten Bereichen, in denen sich die Tiere ausruhen können.
Wasserwerte & Technik
Sewellia lineolata stellt hohe Ansprüche an die Wasserqualität. Das Wasser muss hochoxygeniert und sehr sauber sein. Eine starke Strömung ist absolut erforderlich – externe Filter mit hoher Pumpenleistung sind empfehlenswert, eventuell ergänzt durch zusätzliche Strömungspumpen. Die Art bevorzugt kühlere Temperaturen; eine Heizung ist nicht zwingend erforderlich, Zimmertemperatur ist oft ausreichend. Das Wasser sollte klar und frei von Schwebstoffen sein, um die natürlichen Bedingungen zu simulieren. Regelmäßige, großzügige Wasserwechsel sind essentiell, um die Wasserqualität hochzuhalten und die Biofilm-Entwicklung zu fördern. Bei der Wartung externer Filter ist Vorsicht geboten, da Larven häufig in die Filter eindringen können.
Gruppenhaltung & Sozialverhalten
Sewellia lineolata sind friedliche Fische, die in Gruppen gehalten werden sollten. Dominante Individuen, meist Männchen, können territorial gegenüber ähnlichen Fischen sein, jedoch ist diese Territorialität in größeren Gruppen und geräumigen Becken deutlich weniger ausgeprägt. Die Gruppenhaltung fördert natürliches Verhalten und reduziert Stress. In ausreichend großen Aquarien mit vielen Verstecken und Weideflächen können auch mehrere Männchen problemlos zusammenleben.
Vergesellschaftung mit anderen Arten
Die Vergesellschaftung von Sewellia lineolata ist in geräumigen Becken mit friedlichen Arten möglich. Geeignet sind andere strömungsliebende Fische, die ähnliche Wasserbedingungen bevorzugen, jedoch sollten keine direkten Konkurrenten um Weideflächen gewählt werden. Wichtig ist, dass Mitbewohner die starke Strömung tolerieren und nicht zu aggressiv sind. Aufgrund ihrer spezialisierten Lebensweise und reduzierten Schwimmfähigkeit im offenen Wasser sollten keine schnellen, hektischen Fische vergesellschaftet werden, die Stress verursachen könnten.
Ernährung & Fütterung
In der Natur ernährt sich Sewellia lineolata hauptsächlich von benthischen Algen und assoziierten Mikroorganismen, die sie von Felsen und Substraten abweiden. Ergänzend werden opportunistisch Insektenlarven und Mollusken aufgenommen. Im Aquarium sind diese omnivoren Fische auf reichlich Algen und Biofilm angewiesen – dies ist essentiell für ihre Langlebigkeit. Sie akzeptieren verschiedene Futterarten wie Trockenfutter, Frostfutter, Algenwaffeln, Mini-Pellets, Bloodworms, Artemia, Daphnia und Tubifex. Kritisch ist jedoch: Ein zu hoher Anteil an Fleischfutter kann ernsthafte Gesundheitsprobleme verursachen oder sogar zum Tod führen. Die Ernährung sollte daher primär auf pflanzlicher Basis erfolgen, mit gelegentlichen proteinreichen Ergänzungen. Die Förderung natürlicher Biofilm-Entwicklung auf Steinen und Scheiben ist die beste Ernährungsstrategie für diese Art.
Zucht & Vermehrung
Sewellia lineolata ist ein permanenter Laicher, der konstant ablaicht. Das Fortpflanzungsverhalten ist bemerkenswert: Das Paar steigt in die Wassersäule auf, wobei die Brustflossen miteinander verflochten sind. Eier und Milch werden direkt in die Strömung abgegeben, typischerweise in den Bereichen mit der stärksten Strömung. Die Eier verstecken sich anschließend in Kieselspalten, wo sie vor den Eltern geschützt sind. Die Larven schlüpfen mit einer Größe von etwa 2 mm und wachsen bis Tag 41 auf bis zu 1 cm heran. Anders als adulte Tiere können die Jungfische noch nicht wie ihre Eltern an Oberflächen haften und verbringen ihre Zeit auf oder im Substrat. Interessanterweise fressen adulte Sewellia lineolata ihre Larven ab einer Größe von etwa 5 mm nicht mehr, sodass die Larven zusammen mit den Adulten bleiben können. Bei der Verwendung externer Filter ist besondere Vorsicht geboten, da Larven häufig in die Filter eindringen. Die Geschlechtsunterschiede sind bei adulten Tieren deutlich erkennbar: Männchen zeigen die charakteristischen Tuberkelreihen auf den Brustflossenstrahlen und dem Kopf, während Weibchen größer und fülliger sind mit einem rundlicheren Vorderteil.
Gesundheit & typische Probleme
Die häufigsten Gesundheitsprobleme bei Sewellia lineolata resultieren aus ungeeigneten Haltungsbedingungen. Unzureichende Strömung, zu warmes Wasser oder mangelnde Sauerstoffversorgung führen zu Stress und erhöhter Krankheitsanfälligkeit. Ein zu hoher Anteil an Fleischfutter in der Ernährung kann ernsthafte Verdauungsprobleme oder sogar den Tod verursachen. Schlechte Wasserqualität mit erhöhten Schwebstoffen oder Schadstoffen beeinträchtigt die empfindlichen Kiemen und die Biofilm-Qualität, von der die Fische abhängig sind. Bei optimalen Bedingungen – starke Strömung, kühles, sauerstoffreiches Wasser, biofilmreiche Umgebung und primär pflanzliche Ernährung – sind Sewellia lineolata robuste und langlebige Aquarienbewohner. Regelmäßige Wasserwechsel und die Vermeidung von Überfütterung sind die besten Präventivmaßnahmen.
Schutzstatus & Verantwortung
IUCN
Nicht bewertet (NE) – Sewellia lineolata wurde bisher nicht in der IUCN Red List bewertet.
CITES
Nicht gelistet – Die Art unterliegt keinen internationalen Handelsrestriktionen gemäß dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen.
WISIA
Nicht geschützt – In Deutschland ist kein besonderer Schutzstatus oder Herkunftsnachweis erforderlich.
Trotz des fehlenden formalen Schutzstatus tragen Aquarianer Verantwortung für den Erhalt dieser spezialisierten Art. Die natürlichen Lebensräume in Zentralvietnam sind durch Habitatzerstörung und Wasserverschmutzung bedroht. Eine verantwortungsvolle Aquarienhaltung mit Nachzuchtbemühungen kann zum Erhalt der Art beitragen und den Druck auf Wildpopulationen reduzieren.
Häufig gestellte Fragen
Welche Aquariengröße benötigt Sewellia lineolata?
Obwohl die Mindestgröße in den Quellen nicht exakt spezifiziert ist, sollte aufgrund der Anforderungen an starke Strömung, zahlreiche Verstecke und Gruppenhaltung ein Aquarium mit mindestens 80 cm Kantenlänge gewählt werden. Größere Becken ab 100 cm sind ideal, um verschiedene Strömungszonen und ausreichend Weideflächen zu bieten.
Braucht Sewellia lineolata eine Heizung?
Nein, Sewellia lineolata bevorzugt kühlere Temperaturen und eine Heizung ist nicht zwingend erforderlich. Zimmertemperatur ist oft ausreichend, da die Art aus schnellfließenden Gebirgsbächen stammt, die natürlicherweise kühler sind. Zu warmes Wasser kann sogar problematisch sein, da es weniger Sauerstoff enthält.
Wie fördere ich die Biofilm-Entwicklung für Sewellia lineolata?
Die Biofilm-Entwicklung wird durch ausreichend Licht in Kombination mit sauberem, nährstoffreichem Wasser gefördert. Glatte Steine und Felsbrocken sollten gut beleuchtet werden, um Algenwachstum zu stimulieren. Regelmäßige Wasserwechsel halten das Wasser sauber, während moderate Nährstoffwerte die Biofilm-Bildung unterstützen. Vermeiden Sie übermäßige Reinigung der Steine, um den Biofilm nicht zu zerstören.
Kann ich Sewellia lineolata mit anderen Schmerlen vergesellschaften?
Ja, eine Vergesellschaftung mit anderen friedlichen, strömungsliebenden Schmerlen ist in geräumigen Becken möglich. Wichtig ist, dass ausreichend Weideflächen und Verstecke vorhanden sind, um Konkurrenz zu minimieren. Arten wie Beaufortia oder Gastromyzon haben ähnliche Ansprüche, können aber territorial sein – daher sollte das Becken groß genug sein.
Wie erkenne ich, ob meine Sewellia lineolata gesund sind?
Gesunde Sewellia lineolata zeigen aktives Weideverhalten auf Steinen und Scheiben, klare Augen, intakte Flossen und eine kräftige Färbung. Sie sollten regelmäßig ihr charakteristisches Gleitverhalten zeigen und sich sicher an Oberflächen festhalten können. Anzeichen für Probleme sind: reduzierte Aktivität, Appetitlosigkeit, aufgehellte Färbung, Schleimhautveränderungen oder Schwierigkeiten beim Anhaften an Oberflächen. Bei solchen Symptomen sollten sofort die Wasserwerte überprüft und die Strömung sowie Sauerstoffversorgung kontrolliert werden.
Wissenschaftliche Quellen
- FishBase (2024)
Sewellia lineolata - Wikipedia (2024)
Sewellia lineolata - Seriously Fish (2024)
Sewellia lineolata – Tiger Hillstream Loach - Aquarium Glaser (2024)
Sewellia lineolata - Loaches.com (2024)
Sewellia lineolata: The Reticulated Hillstream Loach - Aquatic Arts (2024)
Reticulated Hillstream Loach (Sewellia lineolata)
