Bitterling "China Blutrot" (Sinorhodeus microlepis) – Neue Gattung aus dem Jangtse
Wissenschaftlicher Name
Sinorhodeus microlepis (Li, Liao & Arai, 2017)
Sinorhodeus microlepis (Li, Liao & Arai, 2017)
Familie
Acheilognathidae (Bitterlinge)
Acheilognathidae (Bitterlinge)
Ordnung
Cypriniformes (Karpfenartige)
Cypriniformes (Karpfenartige)
Name
Chinese Bitterling
Chinese Bitterling
Herkunft
China
(Nebenfluss des Jangtse, Chongqing)
China
Lebensraum
Subtropische chinesische Fließgewässe
Subtropische chinesische Fließgewässe
Ernährung
Omnivor
Omnivor
Größe
5 - 6 cm
5 - 6 cm
Lebenserwartung
3 bis 5 Jahre
3 bis 5 Jahre
Temperatur
18 - 24 °C
18 - 24 °C
pH-Wert
7,0 - 7,5
7,0 - 7,5
Gesamthärte
10 - 15 °dH
10 - 15 °dH
Karbonathärte
4° - 10° dKH
4° - 10° dKH
Haltung
Aquarium
Aquarium
Schwierigkeitsgrad
Fortgeschritten
Fortgeschritten
Sozialverhalten
Gruppe empfohlen (typisch für Bitterlinge)
Gruppe empfohlen (typisch für Bitterlinge)
IUCN-Status
Nicht bewertet (NE)
Nicht bewertet (NE)
Verbreitungskarte & Fundort
Der Chinese Bitterling (Sinorhodeus microlepis) ist eine wissenschaftliche Sensation: Erst 2017 beschrieben, stellt diese Art nicht nur eine neue Spezies dar, sondern begründet zugleich eine völlig neue Gattung innerhalb der Bitterlinge. Entdeckt wurde sie in einem Nebenfluss des Jangtse bei Chongqing, China. Als monospezifische Gattung – also einzige Art ihrer Gattung – zeigt Sinorhodeus microlepis die faszinierende Vielfalt der asiatischen Süßwasserfauna. Wie alle Bitterlinge praktiziert auch diese Art eine einzigartige Fortpflanzungsstrategie: Die Weibchen legen ihre Eier in lebende Süßwassermuscheln ab, wo die Larven geschützt heranwachsen. Im Aquarienhandel wird die Art unter Namen wie Chinese Volcano Bitterling oder Blood Red Sinorhodeus angeboten, was auf ihre attraktive Färbung hinweist. Für Aquarianer mit Interesse an seltenen asiatischen Karpfenfischen und spezialisierter Zucht ist dieser Bitterling eine außergewöhnliche Bereicherung.
Optik & Verhalten
Sinorhodeus microlepis wurde 2017 von Li, Liao und Arai als neue Gattung und Art beschrieben. Die Besonderheit liegt in der monospezifischen Natur der Gattung – Sinorhodeus umfasst bislang nur diese eine Art. Die Handelsnamen Chinese Volcano Bitterling und Blood Red Sinorhodeus deuten auf eine auffällige, möglicherweise rötliche Färbung hin, die besonders bei Zuchtexemplaren zur Geltung kommt. Wie alle Bitterlinge zeigt die Art ein faszinierendes Brutverhalten: Die Weibchen nutzen eine verlängerte Legeröhre, um ihre Eier in die Kiemenhöhle lebender Süßwassermuscheln zu platzieren. Dort entwickeln sich die Larven geschützt vor Fressfeinden. Dieses symbiotische Verhalten macht die Haltung und Zucht anspruchsvoll, da geeignete Muschelarten im Aquarium vorhanden sein müssen.
Natürlicher Lebensraum & Herkunft
Die Typ-Lokalität von Sinorhodeus microlepis liegt in einem Nebenfluss des Jangtse bei Chongqing City, China. Das Jangtse-Flusssystem ist eines der artenreichsten Süßwasserökosysteme Asiens und beherbergt zahlreiche endemische Fischarten. Über die genauen Habitatbedingungen – etwa Wassertiefe, Strömungsgeschwindigkeit oder Substrattyp – liegen bislang keine detaillierten Informationen vor. Typischerweise bewohnen Bitterlinge jedoch langsam fließende oder stehende Gewässer mit sandigem oder schlammigem Grund, in denen Süßwassermuscheln vorkommen. Die Region um Chongqing liegt im subtropischen Klimabereich mit ausgeprägten Jahreszeiten, was auf saisonale Schwankungen in Temperatur und Wasserstand hindeutet. Die Art wurde bislang ausschließlich im Jangtse-Becken nachgewiesen, weitere Fundorte sind nicht dokumentiert.
Artgerechte Haltung im Aquarium
Aquarium-Einrichtung
Aufgrund fehlender spezifischer Haltungsdaten für Sinorhodeus microlepis orientiert sich die Empfehlung an den Bedürfnissen verwandter Bitterlingsarten. Ein Aquarium mit mindestens 100 cm Kantenlänge (ca. 200 Liter) bietet ausreichend Schwimmraum für eine kleine Gruppe. Die Einrichtung sollte naturnah gestaltet sein: Feiner Sand oder Kies als Bodengrund, stellenweise dichte Bepflanzung mit robusten Arten wie Vallisnerien oder Javafarn, sowie einige Versteckmöglichkeiten aus Wurzeln oder Steinen. Entscheidend für die erfolgreiche Haltung ist das Vorhandensein lebender Süßwassermuscheln (z.B. Teichmuscheln der Gattung Anodonta oder Unio), da diese für die Fortpflanzung unerlässlich sind. Die Muscheln benötigen einen sandigen Bodengrund und gute Wasserqualität, um zu überleben.
Wasserwerte & Technik
Da keine spezifischen Wasserwerte aus dem natürlichen Habitat dokumentiert sind, empfiehlt sich eine Orientierung an Bedingungen subtropischer chinesischer Fließgewässer. Temperaturen zwischen 18–24 °C dürften geeignet sein, wobei saisonale Schwankungen toleriert werden. Der pH-Wert sollte im neutralen bis leicht alkalischen Bereich liegen (7,0–7,5), die Gesamthärte bei 10–15 °dH. Eine moderate Filterung mit leichter Strömung simuliert die natürlichen Bedingungen eines Nebenflusses. Regelmäßige Teilwasserwechsel (wöchentlich 30%) sichern die Wasserqualität, was besonders für die Gesundheit der Muscheln wichtig ist. Eine Beleuchtung mit Tageslichtcharakter und Dämmerungsphasen unterstützt natürliche Aktivitätsmuster.
Gruppenhaltung & Sozialverhalten
Bitterlinge sind gesellige Fische, die in Gruppen ab 6–8 Exemplaren gehalten werden sollten. Ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis (z.B. 2–3 Männchen, 4–5 Weibchen) reduziert innerartliche Aggressionen während der Laichzeit. Männchen können territorial werden, wenn Muscheln verfügbar sind, benötigen aber ausreichend Raum und Strukturen, um Reviere abzugrenzen. Die Gruppenhaltung fördert natürliches Verhalten und intensiviert die Färbung, besonders bei Männchen in Balzstimmung.
Vergesellschaftung mit anderen Arten
Friedliche, ebenfalls aus gemäßigten bis subtropischen Regionen stammende Fischarten eignen sich als Mitbewohner. Dazu zählen kleinere Barben, Bärblinge oder andere Bitterlingsarten. Aggressive oder zu große Arten sollten vermieden werden, da sie die eher scheuen Bitterlinge stressen könnten. Bodenbewohnende Fische wie Schmerlen sind möglich, sofern sie die Muscheln nicht stören. Wichtig ist, dass Mitbewohner ähnliche Temperatur- und Wasserwertsansprüche haben.
Ernährung & Fütterung
Über das natürliche Nahrungsspektrum von Sinorhodeus microlepis liegen keine Informationen vor. Bitterlinge ernähren sich in der Natur typischerweise omnivor: Sie fressen Algenaufwuchs, kleine Wirbellose, Insektenlarven und Detritus. Im Aquarium sollte eine abwechslungsreiche Kost angeboten werden: hochwertiges Flockenfutter, Granulat, Lebend- oder Frostfutter wie Artemia, Cyclops oder Mückenlarven. Pflanzliche Komponenten (Spirulina, blanchiertes Gemüse) ergänzen die Ernährung. Mehrmals täglich kleine Portionen füttern, um Wasserbelastung zu vermeiden.
Zucht & Vermehrung
Sinorhodeus microlepis gehört zur Familie der Bitterlinge (Acheilognathidae), die für ihre einzigartige Brutpflege bekannt sind. Weibchen entwickeln zur Laichzeit eine verlängerte Legeröhre, mit der sie ihre Eier in die Kiemenhöhle lebender Süßwassermuscheln ablegen. Männchen geben Sperma über der Muschel ab, das durch den Atemwasserstrom in die Muschel gesaugt wird und dort die Eier befruchtet. Die Larven entwickeln sich geschützt in der Muschel und verlassen diese nach einigen Wochen als freischwimmende Jungfische. Für eine erfolgreiche Zucht sind daher gesunde, aktive Muscheln zwingend erforderlich. Die Muscheln selbst geben ihre Larven (Glochidien) ins Wasser ab, die sich parasitär an Fischen festsetzen – ein faszinierender Kreislauf gegenseitiger Abhängigkeit. Spezifische Zuchtberichte für Sinorhodeus microlepis sind rar, die Methodik entspricht aber der anderer Bitterlingsarten.
Gesundheit & typische Probleme
Bitterlinge sind bei guter Wasserqualität robuste Fische. Typische Probleme entstehen durch ungeeignete Wasserwerte, Überbesatz oder Stress. Parasiten wie Ichthyo (Weißpünktchenkrankheit) oder Hautwürmer können auftreten, sind aber bei rechtzeitiger Behandlung gut beherrschbar. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Muscheln: Sterben diese ab (erkennbar an geöffneten Schalen, Geruch), verschlechtert sich die Wasserqualität rapide. Regelmäßige Kontrolle der Muscheln und Wasserwerte ist daher essenziell. Eine ausgewogene Ernährung und Vermeidung von Temperaturschwankungen beugen Krankheiten vor.
Schutzstatus & Verantwortung
IUCN
Nicht bewertet (NE). Die Art wurde 2017 beschrieben und bislang nicht in die Rote Liste aufgenommen. Angesichts der begrenzten Verbreitung im Jangtse-Becken und der zunehmenden Bedrohung chinesischer Süßwasserökosysteme durch Verschmutzung, Staudammbau und Habitatverlust könnte eine zukünftige Bewertung angezeigt sein.
CITES
Nicht gelistet. Es bestehen keine internationalen Handelsbeschränkungen.
WISIA
Nicht geschützt. Die Art ist nicht in der deutschen Artenschutzdatenbank gelistet, ein Herkunftsnachweis ist nicht erforderlich.
Verantwortung: Aquarianer sollten beim Kauf auf Nachzuchten achten, um Wildfänge zu vermeiden. Die Haltung von Muscheln erfordert Sachkenntnis – nur wer bereit ist, sich intensiv mit den Bedürfnissen beider Organismen auseinanderzusetzen, sollte Bitterlinge pflegen. Der Schutz natürlicher Lebensräume in China ist entscheidend für den Erhalt dieser einzigartigen Gattung.
Häufig gestellte Fragen
Warum brauchen Bitterlinge Muscheln?
Bitterlinge legen ihre Eier in die Kiemenhöhle lebender Süßwassermuscheln ab. Dort entwickeln sich die Larven geschützt vor Fressfeinden. Ohne Muscheln ist eine Fortpflanzung nicht möglich. Die Muscheln profitieren ihrerseits, indem ihre Larven (Glochidien) sich an den Fischen festsetzen und so verbreitet werden.
Welche Muscheln eignen sich für die Haltung?
Geeignet sind heimische Teichmuscheln wie Anodonta (Teichmuschel) oder Unio (Flussmuschel). Diese benötigen sandigen Bodengrund, gute Wasserqualität und ausreichend Sauerstoff. Die Haltung von Muscheln ist anspruchsvoll und erfordert Erfahrung.
Wie erkenne ich Männchen und Weibchen?
Weibchen entwickeln zur Laichzeit eine deutlich sichtbare, röhrenförmige Legeröhre. Männchen zeigen oft intensivere Färbung und können territoriales Verhalten an den Muscheln zeigen. Außerhalb der Laichzeit sind die Geschlechter schwerer zu unterscheiden.
Ist Sinorhodeus microlepis für Anfänger geeignet?
Aufgrund der speziellen Anforderungen (Muschelhaltung, begrenzte Verfügbarkeit, wenig Erfahrungsberichte) ist die Art eher für fortgeschrittene Aquarianer geeignet, die bereits Erfahrung mit Bitterlingen oder anspruchsvollen Arten haben.
Wo kann ich Chinese Bitterlings kaufen?
Die Art wird von spezialisierten Händlern und Züchtern angeboten, ist aber deutlich seltener als etablierte Bitterlingsarten wie Rhodeus ocellatus. Online-Shops für seltene Zierfische führen gelegentlich Nachzuchten. Beim Kauf sollte auf gesunde, aktive Tiere und seriöse Herkunft geachtet werden.
Wissenschaftliche Quellen
- Li, Liao & Arai (2017)
Sinorhodeus microlepis, a new genus and species of bitterling from China (Teleostei: Cyprinidae: Acheilognathinae). PubMed - FishBase (o.J.)
Sinorhodeus microlepis. FishBase - GBIF (o.J.)
Sinorhodeus microlepis Li, Liao & Arai, 2017. GBIF - Wikipedia (o.J.)
Sinorhodeus. Wikipedia - Jason's Plecos Cichlids (o.J.)
Chinese Bitterling (Sinorhodeus microlepis). Händlerseite - Tropical Fish Company (o.J.)
Chinese Volcano Bitterling. Händlerseite
