Sphaerichthys vaillanti

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Sphaerichthys vaillanti - Weibchen
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Sphaerichthys vaillanti - Männchen
 
Sphaerichthys vaillanti - Roter Schokoladengourami

Wissenschaftlicher Name
Sphaerichthys vaillanti
Familie
Osphronemidae (Labyrinthfische)
Ordnung
Anabantiformes (Kletterfischartige)
Name
Roter Schokoladengurami (auch: Vaillants Schokoladengurami oder Samurai-Gurami)
Herkunft
Südostasien (Indonesien Indonesia, Insel Borneo, insbesondere das Kapuas-Flusssystem in Kalimantan)
Lebensraum
Langsam fließende, schattige Schwarzwasserbäche und Torfsumpfwälder mit viel Laub und Wurzeln
Ernährung
Carnivor (Fleischfresser); bevorzugt feines Lebend- und Frostfutter (z. B. Mückenlarven, Artemia, Wasserflöhe)
Größe
ca. 5 - 6 cm
Lebenserwartung
3 bis 5 Jahre
Temperatur
24° - 28° C (zeitweise bis 30° C)
pH-Wert
4,0 - 6,5 (stark sauer)
Gesamthärte
1° - 5° dGH (sehr weich)
Karbonathärte
0° - 4° dKH
Haltung
In Aquarien ab 54 - 60 Litern (ca. 60 cm Kantenlänge); dicht bepflanzt mit Schwimmpflanzen zur Abdunklung und viel Laub am Boden.
Schwierigkeitsgrad
Für Fortgeschrittene / Experten (reagiert sehr empfindlich auf schwankende Wasserwerte und Keimdichte).
Sozialverhalten
Ruhig und schüchtern; bildet innerhalb der Gruppe (ab 6 Tieren empfohlen) eine feste, mäßig aggressive Hierarchie aus; paternaler Maulbrüter (Männchen trägt die Eier aus).
IUCN-Status
Stark gefährdet (Endangered - EN) aufgrund von Lebensraumverlust und Umweltverschmutzung
Verbreitungskarte & Fundort
Die zoologisch korrekte Bezeichnung für diesen außergewöhnlichen Labyrinthfisch lautet Sphaerichthys vaillanti. Der Artname vaillanti wurde zu Ehren des französischen Ichthyologen Léon Vaillant gewählt, der sich im neunzehnten Jahrhundert intensiv mit der Erforschung der asiatischen Fischfauna beschäftigte. Im deutschsprachigen Raum und im Zoofachhandel ist dieser filigrane Aquarienbewohner primär unter dem Namen Roter Schokoladengurami oder aufgrund seiner faszinierenden Querstreifenzeichnung auch als Samurai-Gurami bekannt.

Optik & Verhalten

Mit einer maximalen Endgröße von fünf bis fünfeinhalb Zentimetern bleibt der Rote Schokoladengurami angenehm kompakt, besitzt jedoch im Vergleich zum klassischen Schokoladengurami eine deutlich spitzere Kopf- und Schnauzenpartie. Die Art bricht mit einer eisernen Regel der Fischwelt, denn bei Sphaerichthys vaillanti sind die Weibchen die weitaus farbenprächtigeren Tiere. Während die Männchen zeitlebens ein schlichtes, unauffälliges Graubraun bis Khaki zeigen, entwickeln geschlechtsreife Weibchen insbesondere in der Balzzeit eine atemberaubende Färbung. Ihr Körper erstrahlt dann in einem intensiven Ziegelrot bis Weinrot, das von leuchtend smaragdgrünen bis blaugrünen vertikalen Querstreifen durchzogen wird. Das Verhalten der Tiere ist von Natur aus ausgesprochen ruhig, grazil und fast majestätisch, da sie sich meist in Zeitlupe durch die Dekoration schieben. Sie sind sehr friedliche, aber auch schüchterne Charakterfische. Als Labyrinthfische atmen sie zudem regelmäßig atmosphärischen Sauerstoff an der Wasseroberfläche.

Natürlicher Lebensraum & Herkunft

Der Rote Schokoladengurami ist ein Endemit der südostasiatischen Insel Borneo und kommt dort ausschließlich im indonesischen Teil der Insel (Kalimantan) vor. Sein Hauptverbreitungsgebiet liegt im Einzugsgebiet des mächtigen Kapuas-Flusssystems. Dort bewohnt er extrem saubere, aber stark huminstoffreiche Schwarzwasser-Waldbäche, flache Torfmoorsümpfe und Überschwemmungsgebiete des tropischen Regenwaldes. Die natürlichen Gewässer weisen so gut wie keine messbare Strömung auf, liegen im tiefen Schatten der dichten Urwaldkrone und sind durch gigantische Mengen herabgefallenen Laubs extrem mineralarm und sauer.

Artgerechte Haltung im Aquarium

Aufgrund seiner hochspezifischen Ansprüche an die Wasserchemie gilt der Rote Schokoladengurami als anspruchsvoller Pflegling für erfahrene Aquarianer. Für die Pflege einer kleinen Gruppe ist ein Aquarium ab sechzig Zentimetern Kantenlänge (ca. 54 bis 60 Liter Volumen) ausreichend, wobei ein größeres Becken die Stabilisierung der Wasserwerte erheblich erleichtert. Die Tiere reagieren empfindlich auf Transportstress, schwankende Keimdichten und ungeeignete Wasserwerte, weshalb sie niemals in ein frisch eingerichtetes, biologisch instabiles Becken eingesetzt werden dürfen.

Aquarium-Einrichtung
Die Aquariengestaltung muss sich strikt am natürlichen Schwarzwasserhabitat orientieren, um den scheuen Fischen die nötige Sicherheit zu geben. Ein dunkler Sandboden sorgt für zusätzliche Beruhigung der Tiere. Das Becken muss extrem dicht und unübersichtlich mit feinen Moorkienwurzeln und einer großen Menge an getrocknetem Laub (wie Seemandelbaumblätter, Eichen- oder Buchenlaub) strukturiert werden. Die Bepflanzung sollte aus schattentoleranten Arten wie Cryptocorynen oder Javafarn bestehen. Absolut lebensnotwendig ist eine dichte Decke aus Schwimmpflanzen wie dem Sumatrafarn oder Muschelblumen, da die Fische grelles Licht meiden. Das Aquarium muss vollständig und lückenlos abgedeckt sein, damit die Luftschicht über dem Wasser warm bleibt, da sich die Guramis beim Einatmen kalter Luft sonst tödliche Entzündungen des Labyrinthorgans zuziehen können.

Wasserwerte & Technik
Die präzise Einstellung der Wasserparameter entscheidet bei dieser Art über Leben und Tod. Der Samurai-Gurami benötigt zwingend extremes Weichwasser mit einer Gesamthärte von unter drei Grad deutscher Härte und einer Karbonathärte, die idealerweise nicht nachweisbar sein sollte. Der pH-Wert muss sich konstant im sauren Bereich zwischen 4,5 und 6,2 bewegen. Die Wassertemperatur fühlt sich in einem warmen tropischen Spektrum zwischen fünfundzwanzig und achtundzwanzig Grad Celsius am wohlsten. Technisch sollte auf eine starke Strömung komplett verzichtet werden, weshalb ein luftbetriebener Schwammfilter oder ein sanft eingestellter Außenfilter die beste Wahl darstellt. Eine dauerhafte Filterung über Torf oder der regelmäßige Einsatz von reinen Huminstoffkonzentraten ist unerlässlich, um das Wasser teebraun einzufärben und die Keimdichte biologisch niedrig zu halten.

Gruppenhaltung & Sozialverhalten
Sphaerichthys vaillanti besitzt ein bemerkenswertes und im Vergleich zu anderen Labyrinthfischen untypisches Sozialverhalten. Sie sollten am besten in einer kleinen Gruppe von mindestens fünf bis sechs Tieren gepflegt werden, wobei ein Überschuss an Weibchen ideal ist. Während der Balzzeit sind es hier die Weibchen, die kleine Kleinstreviere besetzen, untereinander imponieren und aktiv um die Gunst der unscheinbaren Männchen werben. Das innerartliche Verhalten ist im Wesentlichen friedfertig; harmlose Drohgebärden dienen lediglich der Festlegung einer lockeren Hierarchie innerhalb des Trupps. Eine reine Paarhaltung ist oft weniger erfolgreich, da sich die Interaktionen in der Gruppe besser verteilen.

Vergesellschaftung mit anderen Arten

Aufgrund ihres extrem ruhigen und zurückhaltenden Wesens ist für den Roten Schokoladengurami ein reines Artbecken die mit Abstand beste Option. Falls eine Vergesellschaftung gewünscht wird, dürfen ausschließlich winzige, extrem friedliche und langsame Fische gewählt werden, die die sauren Weichwasserwerte problemlos teilen. Perfekte Mitbewohner sind winzige Zwergbärblinge der Gattung Boraras oder kleine Keilfleckbärblinge. Absolut ungeeignet sind quirlige, schnelle Salmler, aggressive Barben oder sehr dominante Bodenfische, da die scheuen Guramis durch die Hektik gestresst werden und beim Füttern umgehend zu kurz kommen würden. Größere Garnelenarten werden ignoriert.

Ernährung & Fütterung

Der Samurai-Gurami ist ein spezialisierter Fleischfresser (Carnivor) und erweist sich im Aquarium als äußerst wählerischer Nahrungsspezialist. Handelsübliches Trocken-, Flocken- oder Granulatfutter wird von den Tieren im Regelfall komplett ignoriert und darf nicht als Hauptnahrung dienen. Die Fische müssen zwingend abwechslungsreich mit hochwertigem, feinem Lebendfutter versorgt werden. Frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien, Cyclops, Daphnien, Bananenwürmchen und feine weiße Mückenlarven sind ideal. Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase wird auch feines Frostfutter akzeptiert, sofern es sich in einer leichten Wasserbewegung befindet. Eine vitaminreiche Fütterung ist essenziell, um die Farbpracht der Weibchen zu unterstützen.

Zucht & Vermehrung

Die Nachzucht im Aquarium ist produktiv, gilt jedoch als hohe Kunst. Im Gegensatz zu den Weibchen der meisten Labyrinthfische übernimmt hier das Männchen die Rolle des maulbrütenden Elternteils. Nach einem intensiven Balztanz, den das Weibchen initiiert, laichen die Tiere meist über einer flachen Wurzel oder einem großen Blatt ab. Das Männchen nimmt die befruchteten Eier ins Maul und erbrütet diese dort für eine beachtliche Dauer von etwa vierzehn bis einundzwanzig Tagen. Während dieser gesamten Phase frisst das Männchen nichts und zieht sich in das dichteste Laubdickicht zurück. Nach rund drei Wochen entlässt es voll entwickelte, selbstständige Jungfische, die sofort mit Pantoffeltierchen und frisch geschlüpften Artemia-Nauplien aufgezogen werden müssen.

Gesundheit & typische Probleme

Aufgrund ihrer evolutionären Anpassung an die keimfreien Schwarzwasserbiotope Borneos besitzen die Fische ein sehr anfälliges Immunsystem gegenüber klassischen Aquarienkeimen. Bei mangelhafter Wasserhygiene, einem zu hohen pH-Wert oder organischen Schadstoffbelastungen erkranken die Guramis rasch an bakteriellen Infektionen der Haut, der gefürchteten Samtkrankheit oder Pilzinfektionen der Schleimhäute. Regelmäßige, vorsichtige Teilwasserwechsel mit exakt temperiertem und chemisch angepasstem Osmosewasser sowie der permanente Einsatz von Huminstoffen sind die wichtigste Prophylaxe zur Gesunderhaltung dieser Sensibelchen.

Schutzstatus & Verantwortung

IUCN
In der globalen Roten Liste der gefährdeten Arten der IUCN ist Sphaerichthys vaillanti derzeit offiziell als nicht gefährdet (Least Concern) gelistet. Dennoch verzeichnen die spezifischen Torfmoorwälder Kalimantans durch illegale Brandrodung, Holzeinschlag und die großflächige Anlage von Palmölplantagen einen dramatischen Rückgang. Da die meisten im Handel angebotenen Samurai-Guramis Wildfänge sind, trägt der Halter eine hohe Verantwortung, den Tieren ein perfektes Umfeld zu bieten, um Ausfälle zu vermeiden.

CITES
Die Art unterliegt gegenwärtig keinen Handelsbeschränkungen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES).

WISIA
Im wissenschaftlichen Informationssystem zum Artenschutz des Bundesamtes für Naturschutz (WISIA) wird der Rote Schokoladengurami nicht als geschützte Art geführt. Es bestehen somit für den privaten Aquarianer in Deutschland keinerlei gesetzliche Dokumentations- oder Meldepflichten bei den Behörden.

Häufig gestellte Fragen

Warum sind die Weibchen bei dieser Art schöner als die Männchen?
Dieses Phänomen wird in der Biologie als umgekehrter Geschlechtsdimorphismus bezeichnet und ist eng mit der Fortpflanzungsstrategie verknüpft. Da das Männchen die zeit- und energieaufwändige Brutpflege als Maulbrüter übernimmt und während dieser Zeit schutzlos im Laub verharrt, profitiert es von einer unauffälligen Tarnfärbung. Die Weibchen hingegen konkurrieren aktiv um die besten Männchen und präsentieren dafür ihre intensivste Prachtfärbung.

Kann man Sphaerichthys vaillanti mit normalem Leitungswasser pflegen?
Nein, das ist absolut unmöglich. Fast jedes Leitungswasser in Europa ist viel zu hart, kalkreich und weist einen alkalischen pH-Wert auf. Der Versuch, diese Schwarzwasserfische in normalem Leitungswasser zu halten, führt unweigerlich innerhalb kürzester Zeit zu schwersten Schleimhautschäden, Organsversagen und dem Tod der Tiere. Die Aufbereitung über eine Osmoseanlage oder einen Vollentsalzer ist eine zwingende Grundvoraussetzung.

Wie hoch ist die Lebenserwartung des Roten Schokoladenguramis?
Unter optimalen Bedingungen, im extrem sauren Milieu und bei einer konsequenten Fütterung mit feinem Lebendfutter können die zierlichen Labyrinther im Heimaquarium ein Alter von drei bis fünf Jahren erreichen. Bei Haltungsfehlern oder zu hoher Keimbelastung des Wassers versterben sie jedoch leider oft schon nach wenigen Monaten.

Woran erkennt man, ob das Männchen Eier im Maul trägt?
Ein tragendes Männchen lässt sich sehr leicht an seiner markant geschwollenen, prallen Kehlregion erkennen, die in Aquarianerkreisen oft als „Kropf“ bezeichnet wird. Zudem verändert sich sein Verhalten schlagartig: Das Tier stellt das Fressen komplett ein, meidet jegliche Bewegung im freien Wasser und steht vollkommen isoliert und regungslos im tiefsten Pflanzendickicht oder unter großen Laubblättern.

Nehmen die Fische auch gefriergetrocknetes FD-Futter an?
In den allermeisten Fällen verweigern sie gefriergetrocknete Insektenlarven hartnäckig, da ihnen der visuelle Bewegungsreiz fehlt. Der Jagdinstinkt dieser hochspezialisierten Labyrinther wird primär durch zappelndes Lebendfutter ausgelöst. Nur sehr gut eingewöhnte Gruppen lassen sich mit viel Geduld an feines Frostfutter gewöhnen, das in der Filterströmung treibt; lebende Nahrung bleibt jedoch für ihre Vitalität unersetzlich.