Steatocranus casuarius

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Steatocranus casuarius - Buckelkopfbuntbarsch
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Steatocranus casuarius - Buckelkopfbuntbarsch
 
Steatocranus casuarius - Buckelkopfbuntbarsch

Wissenschaftlicher Name
Steatocranus casuarius
Familie
Cichlidae (Buntbarsche)
Ordnung
Cichliformes (Buntbarschartige)
Name
Buckelkopfbuntbarsch (auch Buckelkopfcichlide oder Löwenkopf-Cichlide)
Herkunft
Zentral- und Westafrika (Demokratische Republik Kongo Congo, Democratic Republic und Republik Kongo Congo)
Lebensraum
Felsige, stark strömende Abschnitte des Kongoflusses (z.B. Malebo Pool)
Ernährung
Omnivor (Allesfresser, bevorzugt tierische Kost wie Frost- und Lebendfutter)
Größe
ca. 12 cm (Männchen werden größer als Weibchen)
Lebenserwartung
Ca. 8 bis 10 Jahre
Temperatur
24° - 28° C (tolleriert auch kurzzeitig 23° - 30° C)
pH-Wert
6,0 - 7,5
Gesamthärte
5° - 20° dGH (weich bis mittelhart)
Karbonathärte
3° - 10° dKH
Haltung
In Aquarien ab 100 cm Kantenlänge (160 bis 240 Liter), paarweise, zwingend mit starker Strömung, sauerstoffreichem Wasser und vielen Steinhöhlen.
Schwierigkeitsgrad
Einfach bis mittelschwer (pflegeleicht, benötigt aber gute Wasserströmung)
Sozialverhalten
Streng monogame Paarbildung (lebenslange Treue), revierbildend während der Brutzeit (Höhlenbrüter), gegenüber anderen Fischarten in den oberen Beckenbereichen meist friedlich.
IUCN-Status
Nicht gefährdet (LC / Least Concern)
Verbreitungskarte & Fundort
Der Buckelkopf-Cichlide wird zoologisch präzise als Steatocranus casuarius bezeichnet. Der Gattungsname setzt sich aus den griechischen Wörtern steatos für Fett und kranion für Schädel zusammen, was sich unmissverständlich auf das markanteste anatomische Merkmal dieser Fische bezieht. Das Artattribut casuarius ist eine treffende Anspielung auf den Laufvogel Kasuar, welcher ebenfalls einen charakteristischen Helm auf dem Kopf trägt. Im deutschsprachigen Raum und im Handel ist dieser urige Buntbarsch auch unter den Namen „Löwenkopf-Cichlide“, „Helmbuntbarsch“ oder schlicht als „Buckelkopf“ bekannt.

Optik & Verhalten

Ausgewachsene Männchen dieses außergewöhnlichen Buntbarschs erreichen eine Körperlänge von bis zu zwölf Zentimetern, während die Weibchen mit rund acht bis maximal neun Zentimetern ein gutes Stück kleiner und zierlicher bleiben. Das absolute optische Markenzeichen der Art ist der namensgebende, imposante Fettbuckel auf der Stirn des Männchens, welcher mit zunehmendem Alter und sozialem Status kontinuierlich wächst und den Fischen ein fast steinzeitliches Aussehen verleiht. Bei den Weibchen ist dieser Buckel nur andeutungsweise oder gar nicht vorhanden. Die Körperfarbe ist ein schlichtes, hocheffektives Tarnkleid aus verschiedenen Grau-, Braun- und Olivtönen, das sich perfekt an dunkle Flussbettstrukturen anpasst. Das Verhalten im Aquarium ist absolut faszinierend: Da die Schwimmblase dieser Fische evolutionär stark zurückgebildet ist, schwimmen sie nicht im freien Wasser, sondern bewegen sich ruckartig hoppelnd oder robbend direkt über den Bodengrund vorwärts. Sie sind ausgesprochen bodenorientiert, wachsam und zeigen eine hochinteressante, fast architektonische Aktivität beim Umgestalten ihrer Reviere.

Natürlicher Lebensraum & Herkunft

Die Heimat des Steatocranus casuarius liegt in Zentralafrika, wo er endemisch im Flusssystem des Kongo sowie in dessen zahlreichen Nebenflüssen beheimatet ist. Er besiedelt dort eine extrem lebensfeindliche und dynamische ökologische Nische, nämlich die extrem schnell strömenden Stromschnellen und felsigen Flussabschnitte. In diesen sauerstoffreichen, reißenden Gewässern leben die Fische gut geschützt in den tiefen Felsspalten und zwischen Geröllfeldern am Flussgrund. Ihre zurückgebildete Schwimmblase verhindert hierbei effektiv, dass sie von der starken Strömung weggespült werden, wenn sie ihre schützenden Höhlen verlassen.

Artgerechte Haltung im Aquarium

Für die erfolgreiche Pflege eines harmonierenden Paares wird ein Aquarium mit einer Mindestkantenlänge von einhundert Zentimetern empfohlen, was einem Bruttovolumen von etwa einhundertsechzig bis zweihundert Litern entspricht. Der Buckelkopf-Cichlide gilt als ein ausgesprochen robuster, anpassungsfähiger und langlebiger Pflegling, der sich auch für engagierte Einsteiger in die Welt der afrikanischen Fluss-Cichliden hervorragend eignet. Die wichtigste Grundvoraussetzung bei der Pflege liegt in der Bereitstellung einer kräftigen Wasserbewegung und eines hohen Sauerstoffgehalts, um die Bedingungen der kongolesischen Stromschnellen perfekt nachzuahmen.

Aquarium-Einrichtung
Die Innengestaltung muss der bodenorientierten Lebensweise und dem ausgeprägten Höhlentrieb der Fische angepasst werden. Das absolute Kernelement sind große, standsichere Steinaufbauten aus Basalt, Schiefer oder Flusskieseln, die so geschichtet werden müssen, dass zahlreiche enge, einseitig geschlossene Höhlen entstehen. Da die Tiere leidenschaftlich gerne graben, müssen alle Steine absolut kippsicher direkt auf der Bodenscheibe aufliegen. Als Bodengrund ist feiner, abgerundeter Sand oder feiner Kies zwingend erforderlich, da die Fische den Sand maulweise aus ihren Wohnhöhlen heraustragen. Eine Bepflanzung ist problemlos möglich, wobei robuste Aufsitzerpflanzen wie Anubias oder Javafarn, die fest auf den Steinen fixiert werden, die beste Wahl darstellen, da sie von den Grabeaktivitäten der Cichliden unberührt bleiben.

Wasserwerte & Technik
Die technischen Komponenten müssen auf die Bedürfnisse von Fließgewässerfischen abgestimmt sein. Ein leistungsstarker Außenfilter, kombiniert mit einer zusätzlichen Strömungspumpe, ist unverzichtbar, um eine kräftige Wasserbewegung und eine exzellente mechanische Reinigung zu garantieren. Eine starke Oberflächenbewegung sichert zudem die lebensnotwendige, hohe Sauerstoffsättigung des Wassers. Bei den Wasserparametern erweist sich der Buckelkopf als sehr tolerant: Die Wassertemperatur fühlt sich in einem tropischen Bereich zwischen vierundzwanzig und siebenundzwanzig Grad Celsius am wohlsten. Der pH-Wert sollte im neutralen Bereich zwischen 6,5 und 7,5 liegen, während die Gesamthärte von weich bis mittelhart im breiten Spektrum zwischen fünf und fünfzehn Grad deutscher Härte perfekt toleriert wird.

Gruppenhaltung & Sozialverhalten
Das Sozialverhalten von Steatocranus casuarius ist extrem bemerkenswert und strikt monogam geprägt. Die Fische finden sich zu festen Paaren zusammen, die eine dauerhafte Dauerehe eingehen und oft ein Leben lang treu zusammenbleiben. Stirbt ein Partner, wird ein neuer Partner vom verbliebenen Tier oft nur schwer oder gar nicht akzeptiert. Eine Haltung von mehreren Paaren oder mehreren Männchen in einem Standardaquarium führt unweigerlich zu heftigen, dauerhaften Revierkämpfen um die besten Höhlen. Daher ist die paarweise Haltung die einzig artgerechte Option für normale Heimaquarien. Untereinander gehen die Partner meist sehr liebevoll und harmonisch um, verteidigen ihr gemeinsames Heim jedoch vehement gegen alle Eindringlinge.

Vergesellschaftung mit anderen Arten

Von Walter Hilgner:

Steatocranus casuarius lebt in Westafrika in den Stromschnellen des Kongos. Viel Strömung und ein hoher Sauerstoffgehalt ist für eine artgerechte Haltung im Aquarium notwendig. Als Bodenbewohner hat sich seine Schwimmblase zurückentwickelt, sodass freies Schwimmen in mittleren und oberen Beckenbereichen nur bei der Fütterung zu sehen ist. Der Buckelkopfbuntbarsch wird bis zu 12 Zentimeter groß. Auf dem Kopf der Männchen entwickelt sich ein Fettpolster, das mit zunehmendem Alter größer wird und ihn zu einer imposanten Erscheinung macht.

Steatocranus casuarius ist ein Höhlenbrüter, der eine feste Paarbildung eingeht. Das Weibchen bewacht das Gelege, während das Männchen das Revier um die Bruthöhle verteidigt. Aus den zwei Millimeter großen Eiern schlüpfen nach vier Tagen die Larven. Weitere zehn Tage später ist der Dottersack aufgebraucht und die Jungfische werden von nun an mit Artemia und Staubfutter gefüttert.

Steatocranus casuarius ist eine "graue Maus", die keine großen Ansprüche an den Aquarianer stellt. Seine Körperform, sein zurückgezogenes Verhalten und seine interessante Brutpflege machen jedem Liebhaber lange Freude.
Da der Buckelkopf-Cichlide ausschließlich den unmittelbaren Bodenbereich bewohnt, lässt er sich hervorragend mit Fischen vergesellschaften, die primär die mittleren und oberen Wasserregionen nutzen. Perfekte Mitbewohner für ein Kongo-Biotopbecken sind flinke, robuste Freischwimmer wie Kongosalmler oder afrikanische Langgahn-Bärblinge, die mit der starken Strömung gut zurechtkommen. Eine Vergesellschaftung mit anderen bodenlebenden Fischen, wie beispielsweise mit Panzerwelsen oder territorialen Harnischwelsen, sollte unbedingt vermieden werden: Da die Buckelköpfe ihren Bodenbereich während der Brutzeit extrem rabiat verteidigen, würden andere Bodenfische dauerhaft attackiert, schwer verletzt und massiv unter Stress gesetzt werden. Zwerggarnelen werden als Nahrung angesehen.

Ernährung & Fütterung

In ihren Heimatflüssen ernähren sich die Fische omnivor von allem, was die Strömung an ihre Höhleneingänge spült. Sie nehmen kleine Wirbellose, Insektenlarven, Kleinkrebse sowie Algenaufwuchs von den Steinen auf. Im Aquarium sind sie absolut unkomplizierte Allesfresser und akzeptieren jede Form von handelsüblichem Flockenfutter, Granulaten oder absinkenden Cichliden-Pellets problemlos. Für eine vitale Gesundheit, ein gesundes Wachstum des Fettbuckels und ein erfolgreiches Brutverhalten sollte die Ernährung regelmäßig durch kräftiges Frost- und Lebendfutter wie Artemia, Mysis, Krill und weiße oder schwarze Mückenlarven ergänzt werden. Auch pflanzliche Kost in Form von Spirulina-Tabs wird gerne vom Boden aufgenommen.

Zucht & Vermehrung

Die Vermehrung im Aquarium ist gut dokumentiert und gelingt bei einem harmonierenden Paar meist völlig problemlos. Steatocranus casuarius ist ein klassischer, sehr treuer Höhlenbrüter, der seine Brutpflege im Familienverband organisiert. Das Paar bereitet eine tief im Gestein verborgene Höhle sorgfältig vor, indem sie den Sand komplett heraustragen. Das Weibchen heftet bis zu einhundert große, gelbliche Eier an die Höhlendecke oder die Innenwände. Nach der Befruchtung übernimmt das Weibchen die direkte Pflege des Geleges in der Höhle, während das Männchen den Höhleneingang und das Außenrevier vehement bewacht. Nach dem Schlupf und dem Aufbrauchen des Dottersacks führen beide Elternteile den dichten Jungfischschwarm hoppelnd über den Aquarienboden. Die Jungfische können sofort mit frisch geschlüpften Artemia-Nauplien oder feinstem Staubfutter ernährt werden.

Gesundheit & typische Probleme

Aufgrund ihrer extrem robusten Natur sind Krankheiten bei guten Haltungsbedingungen ein seltenes Phänomen. Das größte Risiko resultiert aus einem akuten Sauerstoffmangel oder dem Ausfall der Strömungstechnik, da die Fische an ein sauerstoffgesättigtes Fließgewässer angepasst sind und sensibel auf stagnierendes, stickiges Wasser reagieren. Bei dauerhaft schlechter Wasserhygiene oder starkem Stress durch falsche Mitbewohner können die Fische an der klassischen Pünktchenkrankheit oder bakteriellen Infektionen erkranken. Ein wöchentlicher Teilwasserwechsel hält die Keimdichte niedrig, was die Tiere mit vitaler Agilität danken.

Schutzstatus & Verantwortung

IUCN
In der globalen Roten Liste der gefährdeten Arten der IUCN wird Steatocranus casuarius aktuell als nicht gefährdet (Least Concern) geführt, da die weitläufigen Populationen im Kongobecken als stabil und ungefährdet gelten. Da die Art zudem seit Jahrzehnten weltweit erfolgreich in großen Mengen nachgezüchtet wird, ist der Handel völlig unabhängig von Wildfängen, was die natürlichen Flussbiotope schont.

CITES
Die Art unterliegt gegenwärtig keinen Handelsbeschränkungen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES). Der Erwerb und die Haltung von Nachzuchten sind international völlig frei und an keine speziellen Schutzdokumente gebunden.

WISIA
Im wissenschaftlichen Informationssystem zum Artenschutz des Bundesamtes für Naturschutz (WISIA) wird der Buckelkopf-Cichlide nicht als geschützte Art gelistet. Für den privaten Aquarianer bestehen in Deutschland keinerlei gesetzliche Dokumentations- oder Meldepflichten bei den Behörden.

Häufig gestellte Fragen

Woraus besteht der große Stirnbuckel des Männchens eigentlich?
Der charakteristische Buckel ist kein Knochenauswuchs, sondern ein reines Polster aus Fettgewebe und Bindegewebe, das direkt unter der Haut liegt. Er entwickelt sich erst mit dem Erreichen der Geschlechtsreife und wächst im Laufe des Lebens kontinuierlich weiter. In der Natur dient er vermutlich als Statussymbol gegenüber Konkurrenten und Weibchen; zudem unterstützt die hydrodynamische Form des Buckels das Andrücken des Fisches an den Boden bei starker Strömung.

Warum schwimmen meine Buckelköpfe nicht durch das freie Wasser?
Dieses Verhalten ist anatomisch bedingt und völlig normal. Da die Fische in den reißenden Stromschnellen des Kongos leben, wäre eine voll ausgebildete Schwimmblase kontraproduktiv, da sie permanent abgetrieben werden würden. Durch die evolutionäre Rückbildung der Schwimmblase haben die Fische im Freiwasser keinen Auftrieb und sinken sofort zu Boden. Ihre ruckartige, hoppelnde Fortbewegung auf den Brustflossen ist ihre perfekt angepasste Art der Fortbewegung.

Kann man ein einzelnes Männchen mit zwei Weibchen halten?
Nein, von einer solchen Haremshaltung wird bei dieser Art dringend abgeraten. Da Steatocranus casuarius streng monogam lebt, wird sich das Männchen ein festes Weibchen aussuchen, mit dem es eine lebenslange Ehe eingeht. Das zweite, überschüssige Weibchen wird anschließend von dem fest formierten Paar als Reviereindringling angesehen und unbarmherzig durch das Becken gejagt, was aufgrund fehlender Ausweichmöglichkeiten tödlich enden kann.

Wie reagieren die Fische, wenn einer der beiden Partner stirbt?
Der Verlust des Partners ist für diese monogamen Cichliden ein schwerer Einschnitt. Oft verharrt das verbliebene Tier tagelang lethargisch in seiner Höhle und verweigert die Nahrung. Der Versuch, dem Alttier direkt einen neuen, erwachsenen Partner beizusetzen, scheitert in kleinen Aquarien oft an heftigen Aggressionen, da der Neuling als Eindringling attackiert wird. Die Vergesellschaftung gelingt am besten, wenn man ein junges, noch nicht geschlechtsreifes Tier einsetzt.

Warum graben die Fische permanent so viel Sand aus ihren Höhlen?
Das Ausgraben des Bodengrundes gehört zum natürlichen Verhaltensrepertoire bei der Revier- und Brutvorbereitung. Die Fische nehmen den Sand mit dem Maul auf und spucken ihn in hohem Bogen vor dem Höhleneingang wieder aus, wodurch oft beachtliche Sandberge entstehen. Dies dient dazu, die Höhle exakt an ihre Körpergröße anzupassen und den Eingang für Feinde möglichst eng und kontrollierbar zu gestalten. Sorge daher für ausreichend feinen Sand im Becken.