Trichogaster chuna

Trichogaster chuna - Honiggurami
 
Honiggurami (Trichogaster chuna) – Friedlicher Labyrinthfisch mit Farbenpracht

Wissenschaftlicher Name
Trichogaster chuna (Hamilton, 1822)
Familie
Osphronemidae (Fadenfische)
Ordnung
Anabantiformes (Labyrinthfischartige)
Name
Honiggurami
Herkunft
Indien India (Ganges- und Brahmaputra-System, Nordindien, Bangladesh Bangladesh)
Lebensraum
Langsam fließende und stehende Gewässer
Ernährung
Omnivor
Größe
4 - 5 cm
Lebenserwartung
4 bis 6 Jahre
Temperatur
22 - 27 °C
pH-Wert
6,0 - 7,5
Leitfähigkeit
36 - 268 ppm
Gesamthärte
5 - 15 °dGH
Karbonathärte
1 - 6 °dKH
Haltung
Aquarium ab 60×30×30 cm / 50 Liter
Schwierigkeitsgrad
Anfänger
Sozialverhalten
Gruppe oder Paar, friedlich
IUCN-Status
Least Concern (LC)
Verbreitungskarte & Fundort
Der Honiggurami (Trichogaster chuna) ist ein kleiner, friedlicher Labyrinthfisch aus dem Ganges- und Brahmaputra-System in Indien und Bangladesh. Besonders die Männchen begeistern in Brutstimmung mit ihrer leuchtend orangefarbenen Körperfärbung, schwarzer Kehle und zitronengelber Rückenflosse. Als Labyrinthfisch besitzt Trichogaster chuna ein spezielles Atmungsorgan, das ihm ermöglicht, atmosphärische Luft an der Wasseroberfläche aufzunehmen – eine Anpassung an sauerstoffarme Gewässer. Die Art wurde 1822 von Francis Buchanan-Hamilton als Trichopodus chuna erstbeschrieben und später in die Gattung Trichogaster überführt. Mit seiner geringen Größe, dem ruhigen Wesen und der unkomplizierten Haltung gilt der Honiggurami als idealer Aquarienfisch für Anfänger. Die Weibchen zeigen eine dezentere bräunliche Färbung mit einem charakteristischen braunen Längsstreifen. Im Handel sind verschiedene Zuchtformen erhältlich, darunter der Gold-Honiggurami und der Red Flame Gourami.

Optik & Verhalten

Der Honiggurami zeigt einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus. Männchen in Brutstimmung entwickeln eine spektakuläre Färbung: Der Körper leuchtet hellorange, die Kehle färbt sich tiefschwarz und die Rückenflosse erstrahlt in Zitronengelb. Die Bauchflossen sind zu langen, fadenförmigen Tastorganen umgebildet, mit denen die Tiere ihre Umgebung erkunden. Weibchen bleiben deutlich schlichter: Sie sind bräunlich gefärbt und tragen einen breiten, dunklen Längsstreifen. Im Gegensatz zu verwandten Colisa-Arten fehlen dem Honiggurami die vertikalen Körperstreifen. Als Labyrinthfisch schwimmt Trichogaster chuna regelmäßig zur Wasseroberfläche, um Luft zu atmen – ein faszinierendes Verhalten, das ihn an sauerstoffarme Gewässer anpasst. Die Art ist tagaktiv und zeigt ein ruhiges, friedliches Verhalten. Männchen können territorial werden, bleiben aber deutlich friedlicher als andere Guramis.

Natürlicher Lebensraum & Herkunft

Trichogaster chuna bewohnt langsam fließende und stehende Gewässer im Ganges- und Brahmaputra-Flusssystem. Die Typ-Lokalität liegt in den Gangetic provinces in Indien. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Nordindien, das Bangladesh-Delta sowie die indischen Bundesstaaten Assam, Manipur, Meghalaya und Arunachal Pradesh bis nach Nepal. Die Art bevorzugt dicht bewachsene Habitate wie Teiche, Gräben, Überschwemmungsflächen (Beels) und saisonal überflutete Reisfelder in niedrigen Höhenlagen. Diese Gewässer zeichnen sich durch schwache Strömung, dichte Vegetation und oft niedrige Sauerstoffkonzentrationen aus – Bedingungen, die der Honiggurami dank seines Labyrinthorgans problemlos toleriert. Während der Monsunzeit (Juni bis Oktober) kommt es zu erheblichen Schwankungen in Wasserstand, Chemie und Trübung. In der Trockenzeit werden die Fische in isolierten Marschen mit extremem Sauerstoffmangel eingeschlossen, was die Bedeutung der Luftatmung unterstreicht.

Artgerechte Haltung im Aquarium

Aquarium-Einrichtung
Für die Haltung von Trichogaster chuna wird ein Aquarium mit mindestens 60×30×30 cm (50 Liter) empfohlen. Die Einrichtung sollte den natürlichen Lebensraum nachbilden: Dichte Bepflanzung mit feinfiedrigen Pflanzen, Schwimmpflanzen zur Dämpfung des Lichts und Wurzeln oder Moorkienholz als Versteckmöglichkeiten. Ein dunkler Bodengrund aus Torf oder Humus verstärkt die natürliche Optik und fördert das Wohlbefinden. Die Beleuchtung sollte gedämpft sein, da die Art aus schattigen, pflanzenreichen Habitaten stammt. Wichtig ist eine freie Wasserfläche für die Luftatmung – Schwimmpflanzen dürfen die Oberfläche nicht vollständig bedecken. Eine schwache Filterung ohne starke Strömung ist ideal, da Honiggurami aus stehenden oder langsam fließenden Gewässern stammt.

Wasserwerte & Technik
Die optimalen Wasserwerte orientieren sich an den natürlichen Bedingungen: Temperatur 22–27 °C, pH-Wert 6,0–7,5 und Leitfähigkeit 36–268 ppm. Trichogaster chuna toleriert eine gewisse Bandbreite, bevorzugt aber weiches bis mittelhartes Wasser. Eine Filterung ist notwendig, sollte aber keine starke Strömung erzeugen. Regelmäßige Teilwasserwechsel (20–30 % wöchentlich) halten die Wasserqualität stabil. Dank des Labyrinthorgans ist der Honiggurami unempfindlich gegenüber niedrigen Sauerstoffkonzentrationen – eine Belüftung ist nicht zwingend erforderlich, schadet aber auch nicht. Die Wassertemperatur sollte konstant gehalten werden, um Stress zu vermeiden.

Gruppenhaltung & Sozialverhalten
Honiggurami können als Paar oder in kleinen Gruppen gehalten werden. Bei Gruppenhaltung sollte ein Männchen mit mehreren Weibchen vergesellschaftet werden, um innerartliche Aggression zu minimieren. Die Art ist friedlich und zeigt nur während der Fortpflanzung leicht territoriales Verhalten. Ausreichend Verstecke und Struktur im Aquarium reduzieren Stress und fördern natürliches Verhalten. Trichogaster chuna nutzt alle Wasserzonen, hält sich aber bevorzugt im mittleren und oberen Bereich auf.

Vergesellschaftung mit anderen Arten

Aufgrund seines friedlichen Wesens eignet sich der Honiggurami hervorragend für Gesellschaftsaquarien. Ideale Mitbewohner sind andere ruhige, kleine Fischarten wie Bärblinge (Rasbora), Salmler, Panzerwelse (Corydoras) oder Zwergfadenfische. Aggressive oder zu lebhafte Arten sollten vermieden werden, da sie den Honiggurami stressen können. Auch große, räuberische Fische sind ungeeignet. Garnelen und Schnecken können problemlos vergesellschaftet werden. Bei der Auswahl der Mitbewohner ist darauf zu achten, dass diese ähnliche Wasserwerte bevorzugen und die ruhige Atmosphäre nicht stören.

Ernährung & Fütterung

Trichogaster chuna ist omnivor und ernährt sich in der Natur von kleinen Insektenlarven, Krustentieren und pflanzlichem Material. Im Aquarium akzeptiert die Art bereitwillig handelsübliches Futter: Flocken, Granulat, Frost- und Lebendfutter. Besonders gerne werden Mückenlarven, Artemia, Daphnien und Cyclops gefressen. Eine abwechslungsreiche Ernährung mit regelmäßigen Lebendfuttergaben fördert die Farbenpracht und Vitalität. Gefüttert wird täglich in kleinen Portionen, die innerhalb weniger Minuten verzehrt werden. Überfütterung sollte vermieden werden, um die Wasserqualität nicht zu belasten. Kleines Futter ist aufgrund der geringen Maulöffnung ideal.

Zucht & Vermehrung

Die Zucht von Trichogaster chuna ist im Aquarium gut möglich und für Anfänger geeignet. Männchen bauen an der Wasseroberfläche ein Schaumnest aus Luftblasen, oft unter Schwimmpflanzen. Die Balz beginnt, wenn ein Weibchen laichreif ist: Das Männchen umwirbt das Weibchen mit gespreizten Flossen und führt es zum Nest. Dort findet die Umarmung statt, bei der die Eier abgegeben und befruchtet werden. Das Männchen sammelt die sinkenden Eier ein und platziert sie im Schaumnest. Nach dem Laichakt sollte das Weibchen entfernt werden, da das Männchen aggressiv werden kann. Das Männchen bewacht das Nest und die Brut bis zum Freischwimmen der Jungfische (ca. 3–4 Tage nach dem Schlupf). Danach sollte auch das Männchen entfernt werden. Die Jungfische werden mit Infusorien, Artemia-Nauplien oder speziellem Aufzuchtfutter gefüttert. Regelmäßige kleine Wasserwechsel und eine stabile Temperatur von 26–27 °C fördern das Wachstum.

Gesundheit & typische Probleme

Trichogaster chuna ist robust und wenig anfällig für Krankheiten, sofern die Haltungsbedingungen stimmen. Typische Probleme entstehen durch schlechte Wasserqualität, Stress oder Überfütterung. Häufige Erkrankungen sind Ichthyophthirius (Weißpünktchenkrankheit), Pilzinfektionen und bakterielle Infektionen. Vorbeugend wirken regelmäßige Wasserwechsel, eine ausgewogene Ernährung und die Vermeidung von Stress durch geeignete Vergesellschaftung. Bei Krankheitsanzeichen sollte schnell gehandelt werden. Quarantäne neuer Fische vor dem Einsetzen ins Hauptbecken minimiert das Einschlepprisiko von Krankheiten. Das Labyrinthorgan ist empfindlich gegenüber starken Temperaturschwankungen – eine konstante Wassertemperatur ist wichtig.

Schutzstatus & Verantwortung

IUCN
Least Concern (LC) – Die Art gilt als nicht gefährdet.

CITES
Nicht gelistet – Kein internationaler Handelsschutz erforderlich.

WISIA
Nicht geschützt – In Deutschland unterliegt Trichogaster chuna keinem besonderen Artenschutz. Ein Herkunftsnachweis ist nicht erforderlich.

Trotz des günstigen Schutzstatus tragen Aquarianer Verantwortung für artgerechte Haltung und den Erhalt genetischer Vielfalt. Nachzuchten sollten bevorzugt werden, um Wildfänge zu reduzieren. Hybridisierung mit Colisa lalia ist möglich und sollte vermieden werden, um reine Linien zu erhalten.


Häufig gestellte Fragen

Wie groß wird ein Honiggurami?
Honiggurami bleiben mit 4–5 cm Körperlänge relativ klein. Weibchen werden tendenziell etwas größer als Männchen. Diese geringe Größe macht sie ideal für kleinere Aquarien ab 50 Litern.

Kann man Honiggurami mit Garnelen halten?
Ja, Trichogaster chuna kann problemlos mit Garnelen vergesellschaftet werden. Die friedliche Art stellt keine Gefahr für ausgewachsene Garnelen dar. Lediglich sehr kleine Junggarnelen könnten als Futter betrachtet werden.

Warum schwimmt mein Honiggurami an die Oberfläche?
Als Labyrinthfisch muss Trichogaster chuna regelmäßig atmosphärische Luft an der Wasseroberfläche aufnehmen. Dieses Verhalten ist völlig normal und lebensnotwendig. Achten Sie darauf, dass die Wasseroberfläche nicht vollständig von Schwimmpflanzen bedeckt ist.

Wie unterscheidet man Männchen und Weibchen?
Männchen sind kleiner, schlanker und zeigen in Brutstimmung eine leuchtend orange Färbung mit schwarzer Kehle und gelber Rückenflosse. Weibchen sind größer, fülliger und bräunlich mit einem dunklen Längsstreifen. Außerhalb der Brutzeit sind die Unterschiede weniger deutlich.

Wie züchtet man Honiggurami?
Das Männchen baut ein Schaumnest an der Wasseroberfläche. Nach der Balz und Eiablage bewacht es das Nest bis zum Freischwimmen der Jungfische (3–4 Tage). Das Weibchen sollte nach dem Laichen entfernt werden. Die Jungfische werden mit Infusorien oder Artemia-Nauplien gefüttert.



Wissenschaftliche Quellen

  1. FishBase (2024)
    Trichogaster chuna summary
  2. IUCN Red List (2019)
    Trichogaster chuna
  3. Seriously Fish (2024)
    Trichogaster chuna – Honey Gourami
  4. Aquarium Glaser GmbH (2024)
    Colisa chuna
  5. TFH Magazine (2024)
    Trichogaster chuna Species
  6. Fishkeeper.co.uk (2024)
    Honey Gourami - Trichogaster chuna
  7. Fishipedia (2024)
    Trichogaster chuna
  8. Tetra Blog (2024)
    Honey Gourami (Trichogaster chuna)
  9. Wikipedia (2024)
    Honey gourami
  10. Aquarium Co-op (2024)
    Care Guide for Honey Gouramis