Vittina waigiensis

Vittina waigiensis - Red Racer Nerite
 
Red Racer Nerite (Vittina waigiensis) – Farbenfrohe Algenschnecke

Wissenschaftlicher Name
Vittina waigiensis (Lesson, 1831)
Familie
Neritidae (Kahnschnecken)
Ordnung
Cycloneritida
Name
Red Racer Nerite
Herkunft
Waigeo (West-Papua) Papua new Guinea, Philippinen Philippines, Indonesien Indonesia (Sulawesi, Maluku-Inseln)
Lebensraum
Süß-, Brack- und Salzwasser
Ernährung
Limnivor
Größe
1,2 - 2,2 cm (Schalengröße)
Lebenserwartung
1 bis 2 Jahre
Temperatur
20 - 30 °C
pH-Wert
6,5 - 8,5
Gesamthärte
10 - 20 °dGH
Karbonathärte
2 - 12 °dH
Haltung
Aquarium ab 50 Liter
Schwierigkeitsgrad
Anfänger
Sozialverhalten
Einzeln oder Gruppe, friedlich
IUCN-Status
Nicht bewertet (NE)
Verbreitungskarte & Fundort
Die Red Racer Nerite (Vittina waigiensis) ist eine der farbenprächtigsten und variabelsten Schneckenarten für das Süßwasseraquarium. Mit ihren spektakulären Schalenmustern in Rot, Gold und Schwarz sowie ihrer Effizienz als Algenfresser hat sie sich weltweit einen festen Platz in der Aquaristik erobert. Ursprünglich aus den Küstengebieten Indonesiens und der Philippinen stammend, besiedelt diese amphibische Schnecke sowohl Süß- als auch Brackwasserhabitate. Besonders bemerkenswert ist ihre Fähigkeit, über die Wasserlinie zu klettern, was eine sichere Abdeckung des Aquariums erforderlich macht. Trotz ihrer tropischen Herkunft ist Vittina waigiensis äußerst anpassungsfähig und eignet sich hervorragend für Anfänger in der Aquaristik. Die Art wurde 1831 von René Primevère Lesson erstmals wissenschaftlich beschrieben und trägt den Namen der Insel Waigeo in West-Papua.

Optik & Verhalten

Vittina waigiensis besticht durch ihre außergewöhnliche Farbvariabilität. Die Schale zeigt je nach Herkunft und Individuum unterschiedliche Muster: von leuchtend roten Streifen (Red Racer) über goldene Bänder (Gold Racer) bis hin zu diagonal verlaufenden schwarzen Zebrastreifen (Zebra Nerite). Charakteristisch ist das Fehlen einer Schalenapikalspitze, was jedoch kein Defekt, sondern ein normaler Wachstumszustand ist. Der Weichkörper ist ebenfalls auffällig gestreift, besonders im Kopfbereich. Diese Schnecke ist tagaktiv und zeigt ein ausgeprägtes amphibisches Verhalten: Sie klettert regelmäßig über die Wasserlinie und kann mehrere Stunden außerhalb des Wassers überleben. Dieses Verhalten macht eine gut schließende Aquarienabdeckung unerlässlich, da die Tiere sonst aus dem Becken entkommen können.

Natürlicher Lebensraum & Herkunft

Die Typ-Lokalität von Vittina waigiensis ist die Insel Waigeo in West-Papua, Indonesien. Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die Philippinen sowie verschiedene indonesische Inseln wie Sulawesi und die Maluku-Inseln. Die Art besiedelt bevorzugt dicht bewachsene Küstengebiete, Mangrovenwälder und Flussdeltas, wo sie sowohl in Süß-, Brack- als auch Salzwasser vorkommt. In diesen Habitaten findet sie reichlich Algen und Biofilm auf Steinen, Wurzeln und Pflanzen. Die amphibische Lebensweise ermöglicht es ihr, gezeitenabhängige Bereiche zu nutzen und bei Ebbe über feuchte Oberflächen zu wandern. Das Zentrum des Verbreitungsgebiets liegt bei etwa 0,5° nördlicher Breite und 128° östlicher Länge im indonesischen Archipel.

Artgerechte Haltung im Aquarium

Aquarium-Einrichtung
Für die Haltung von Vittina waigiensis wird ein Mindestvolumen von 50 Litern empfohlen, wobei größere Becken aufgrund der besseren Wasserstabilität vorzuziehen sind. Die Einrichtung sollte stark bepflanzt sein und zahlreiche Versteckmöglichkeiten bieten, etwa durch Laub, Wurzeln oder Steine. Schwaches bis mittleres Licht fördert das Algenwachstum, welches die Hauptnahrungsquelle darstellt. Eine sichere Abdeckung ist zwingend erforderlich, da die Schnecken ausgezeichnete Kletterer sind und das Aquarium sonst verlassen können. Die Dekoration sollte keine scharfen Kanten aufweisen, um Schalenverletzungen zu vermeiden.

Wasserwerte & Technik
Die Art ist hinsichtlich der Wasserwerte sehr anpassungsfähig. Die optimale Temperatur liegt zwischen 20 und 30 °C, der pH-Wert sollte im Bereich von 6,5 bis 8,5 liegen. Die Karbonathärte kann zwischen 2 und 12 °dH variieren. Wichtig ist, dass der Nitratgehalt unter 50 mg/L bleibt, da höhere Werte zu Schalenproblemen führen können. Die Strömung sollte schwach bis stehend sein, da die Schnecken keine starke Wasserbewegung bevorzugen. Ein monatlicher Wasserwechsel von 20–30 % trägt zur Stabilität der Wasserwerte bei. Eine moderate Filterung ist ausreichend.

Gruppenhaltung & Sozialverhalten
Vittina waigiensis kann sowohl einzeln als auch in Gruppen gehalten werden. Die Tiere sind untereinander friedlich und zeigen kein territoriales Verhalten. Bei der Gruppenhaltung sollte darauf geachtet werden, dass ausreichend Nahrung in Form von Algen und Biofilm vorhanden ist. Die Schnecken sind auch gegenüber anderen Aquarienbewohnern vollkommen friedlich und stellen keine Gefahr für Pflanzen dar.

Vergesellschaftung mit anderen Arten

Die Red Racer Nerite eignet sich hervorragend für Gemeinschaftsaquarien. Sie ist mit nahezu allen friedlichen Fischarten, Garnelen und anderen Wirbellosen vergesellschaftbar. Da sie Pflanzen nicht anknabbert, ist sie auch für stark bepflanzte Aquascapes ideal. Lediglich aggressive Schneckenfresser wie große Kugelfische sollten vermieden werden. Die Schnecken konkurrieren nicht um Futter mit anderen Bodenbewohnern, da sie sich hauptsächlich von Aufwuchs ernähren.

Ernährung & Fütterung

In der Natur ernährt sich Vittina waigiensis von Algen, Biofilm und absterbender Pflanzenmaterie. Im Aquarium sollte stets ein natürlicher Algenaufwuchs vorhanden sein. Ergänzend können pflanzliche Futtermittel wie Spirulina-Flakes, Algenpellets oder blanchiertes Gemüse (Gurke, Zucchini) angeboten werden. Auch gefrorene oder frische pflanzliche Kost wird gerne angenommen. Die Fütterung sollte täglich in kleinen Portionen erfolgen. Wichtig ist, dass die Schnecken nicht verhungern, falls der Algenaufwuchs im Aquarium nicht ausreicht. Überreste sollten nach 24 Stunden entfernt werden, um die Wasserqualität nicht zu beeinträchtigen.

Zucht & Vermehrung

Die Zucht von Vittina waigiensis im Süßwasseraquarium ist nicht möglich. Die Art ist amphidrom, was bedeutet, dass die planktonischen Larven für ihre Entwicklung Brackwasser benötigen. Die Schnecken legen zwar Gelege mit 50–100 Eiern im Aquarium ab, die charakteristischen weißen Eikapseln sind oft auf Scheiben und Dekoration zu finden. Aus diesen Eiern schlüpfen jedoch im Süßwasser keine lebensfähigen Jungtiere. Für eine erfolgreiche Aufzucht wäre ein separates Brackwasserbecken mit speziellen Bedingungen erforderlich, was in der Praxis kaum durchgeführt wird. Geschlechtsunterschiede sind äußerlich nicht erkennbar.

Gesundheit & typische Probleme

Vittina waigiensis ist grundsätzlich robust, kann aber bei ungünstigen Bedingungen Schalenprobleme entwickeln. Zu hohe Nitratwerte (über 50 mg/L) können zu Schalenerosion führen. Auch zu weiches Wasser mit zu geringer Karbonathärte kann die Schalenbildung beeinträchtigen. Bei plötzlichen Wasserwertänderungen können die Schnecken gestresst reagieren und sich für längere Zeit zurückziehen. Parasiten oder Krankheiten sind bei dieser Art selten. Wichtig ist, dass die Schnecken nicht mit kupferhaltigen Medikamenten in Kontakt kommen, da Kupfer für Wirbellose hochgiftig ist.

Schutzstatus & Verantwortung

IUCN
Nicht bewertet (NE) – Die Art wurde bisher nicht durch die IUCN Red List bewertet.

CITES
Nicht gelistet – Vittina waigiensis unterliegt keinen internationalen Handelsbeschränkungen.

WISIA
Nicht geschützt – Die Art ist in Deutschland nicht nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Ein Herkunftsnachweis ist nicht erforderlich.

Trotz des fehlenden formalen Schutzstatus sollten Aquarianer verantwortungsvoll mit der Art umgehen und auf nachhaltige Herkunft achten. Die meisten im Handel erhältlichen Tiere stammen aus Wildfängen, da eine Nachzucht im Süßwasser nicht möglich ist.


Häufig gestellte Fragen

Welche Aquariengröße benötigt die Red Racer Nerite?
Für die Haltung von Vittina waigiensis wird ein Mindestvolumen von 50 Litern empfohlen. In größeren Becken ist die Wasserstabilität besser, was der Gesundheit der Schnecken zugutekommt. Die Tiere können einzeln oder in Gruppen gehalten werden.

Frisst die Red Racer Nerite meine Aquarienpflanzen?
Nein, Vittina waigiensis ist vollkommen pflanzensicher. Die Schnecke ernährt sich ausschließlich von Algen, Biofilm und absterbender Pflanzenmaterie. Gesunde Aquarienpflanzen werden nicht angeknabbert, weshalb die Art ideal für bepflanzte Aquarien ist.

Kann ich die Red Racer Nerite im Aquarium nachzüchten?
Eine erfolgreiche Nachzucht im Süßwasseraquarium ist nicht möglich. Die Art ist amphidrom, das heißt die Larven benötigen für ihre Entwicklung Brackwasser. Zwar legen die Schnecken Eier im Aquarium ab, aus diesen schlüpfen jedoch im Süßwasser keine lebensfähigen Jungtiere.

Warum klettert meine Red Racer Nerite aus dem Aquarium?
Vittina waigiensis zeigt ein ausgeprägtes amphibisches Verhalten und klettert regelmäßig über die Wasserlinie. In der Natur nutzt sie gezeitenabhängige Bereiche. Im Aquarium kann dies dazu führen, dass die Schnecke das Becken verlässt. Eine gut schließende Abdeckung ist daher unbedingt erforderlich.

Welche Wasserwerte sind optimal für die Red Racer Nerite?
Die Art ist sehr anpassungsfähig. Optimal sind Temperaturen zwischen 20 und 30 °C, ein pH-Wert von 6,5 bis 8,5 und eine Karbonathärte von 2 bis 12 °dH. Wichtig ist, dass der Nitratgehalt unter 50 mg/L bleibt, um Schalenprobleme zu vermeiden. Regelmäßige Wasserwechsel von 20–30 % monatlich sind empfehlenswert.



Wissenschaftliche Quellen

  1. Wikipedia (2024)
    Vittina waigiensis
  2. Fishi-Pedia
    Vittina waigiensis
  3. Aquarium Glaser / Frank Schäfer
    Vittina waigiensis
  4. Aquatic Arts
    Red Racer Nerite Snail
  5. GreenAqua
    Vittina waigiensis
  6. IUCN Red List
    Art nicht bewertet
  7. WISIA
    Art nicht gelistet