Astatotilapia aeneocolor

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Astatotilapia aeneocolor - Weibchen
 
Astatotilapia aeneocolor - Papyrus-Maulbrüter / "Yellow Belly"

Wissenschaftlicher Name
Astatotilapia aeneocolor (Gültiges Synonym: Haplochromis aeneocolor)
Familie
Cichlidae (Buntbarsche)
Ordnung
Cichliformes (Buntbarschartige)
Name
Papyrus-Maulbrüter / "Yellow Belly"
Herkunft
Ostafrika, Uganda Uganda
Lebensraum
Flache, strukturierte Uferzonen nahe dichter Papyrus-Vegetation auf sandigem oder schlammigem Grund; kein Freiwasserfisch.
Ernährung
Omnivor / Detritivor (Allesfresser). Frisst Algen, Aufwuchs, Insektenlarven und Detritus. Im Aquarium unkompliziert mit Cichlidenflocken, Granulat sowie Frost- und Lebendfutter.
Größe
Männchen ca. 8 - 10 cm; Weibchen bleiben etwas kleiner (ca. 7 - 8 cm).
Lebenserwartung
7 bis 9 Jahre bei guter Pflege
Temperatur
24° - 28° C
pH-Wert
7,5 - 8,5 (leicht alkalisch)
Gesamthärte
10° - 20° dGH (mittelhart bis hart)
Karbonathärte
8° - 15° dKH
Haltung
Aquarien ab 250 bis 300 Litern (mind. 120 cm Kantenlänge). Einrichtung mit Steinaufbauten für Sichtschutz, Höhlen als Verstecke sowie Sandboden.
Schwierigkeitsgrad
Mittel (für ambitionierte Einsteiger mit Cichliden-Erfahrung geeignet).
Sozialverhalten
Haremshaltung oder Gruppe. Am besten 1 Männchen mit 3 - 4 Weibchen pflegen. Männchen sind stark territorial und aggressiv bei der Revierverteidigung. Mütterlicher Maulbrüter.
IUCN-Status
Gefährdet (VU / Vulnerable). Die Wildbestände schrumpfen durch Wasserverschmutzung (Bergbau) und Überfischung. Nachzuchten dienen dem Artenschutz.
Verbreitungskarte & Fundort
Der Gelbe Victoriasee-Cichlide, in der Fachwelt präzise als Astatotilapia aeneocolor klassifiziert, ist ein faszinierender und biologisch hochinteressanter Vertreter der ostafrikanischen Buntbarsche. Sein Gattungsname setzt sich aus den griechischen Begriffen für „unbeständig“ oder „unruhig“ und dem bekannten Cichliden-Namen Tilapia zusammen, was auf die dynamische Lebensweise und das agile Verhalten dieser Fische anspielt. Das lateinische Art-Epitheton aeneocolor bedeutet übersetzt so viel wie „bronze-“ oder „erzfarben“ und beschreibt die metallisch glänzende Grundfärbung der Männchen. Obwohl die Art historisch eng mit dem Victoriasee-Becken verknüpft ist, gilt sie in der modernen Aquaristik als Paradebeispiel für die Erhaltung bedrohter afrikanischer Fluss- und Seecichliden außerhalb ihres ursprünglichen Lebensraumes.

Optik & Verhalten

Die visuelle Erscheinung dieses Buntbarsches ist von einem spektakulären, stimmungsabhängigen Farbwechsel und einem extremen Geschlechtsdimorphismus geprägt. Die Männchen erreichen eine Körperlänge von bis zu zehn Zentimetern, während die Weibchen mit rund sieben bis acht Zentimetern spürbar kleiner bleiben. Außerhalb der Balzzeit zeigen beide Geschlechter eine schlichte, gelblich-graue bis olivfarbene Grundfärbung. Sobald das Männchen jedoch in Brutstimmung gerät oder sein Revier verteidigt, verwandelt es sich in ein wahres Farbwunder: Der vordere Körperbereich und die Kehle erstrahlen in einem intensiven, leuchtenden Gelb, während die Flanken einen metallischen Bronzeglanz annehmen. Ein markantes, tiefschwarzes Band zieht sich dann senkrecht durch das Auge, und die Afterflosse präsentiert unübersehbare, leuchtend gelbe oder orangefarbene Eiflecke. Vom Verhalten her zeigen sich die Tiere als überaus schwimmfreudig, aufgeweckt und temperamentvoll, wobei das Männchen eine cichlidenspezifische, robuste Dominanz an den Tag legt.

Natürlicher Lebensraum & Herkunft

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet von Astatotilapia aeneocolor liegt im ostafrikanischen Grabensystem und erstreckt sich über das Einzugsgebiet des Victoriasees. Hauptsächlich bewohnt die Art die flachen, stark bewachsenen Uferzonen, Buchten und Mündungsbereiche von Flüssen, die mit dem Edwardsee und dem Georgsee in Uganda verbunden sind, wie etwa den Kazinga-Kanal. Im Gegensatz zu den reinen Felsbewohnern anderer afrikanischer Seen bevorzugt diese Art Biotope mit schlammigem oder sandigem Untergrund, die reich an Papyrusbeständen, Schilfgürteln und ufernaher Vegetation sind. Diese reich strukturierten Fluss- und Uferlandschaften bieten den Fischen ein immenses Nahrungsangebot an Insektenlarven, kleinen Krebstieren und Algenaufwuchs.

Artgerechte Haltung im Aquarium

Für eine dauerhaft erfolgreiche und artgerechte Pflege von Astatotilapia aeneocolor muss dem ausgeprägten Bewegungsdrang und dem durchsetzungsstarken Wesen der Fische ausreichend Rechnung getragen werden. Aufgrund ihrer Agilität und des territorialen Verhaltens der Männchen sollte das Aquarium eine Mindestlänge von einhundert Zentimetern und ein Volumen von etwa zweihundert Litern aufweisen. In kleineren Becken würde der permanente Paarungsdrang des Männchens die weiblichen Tiere schnell in den Tod treiben. Das Aquarium benötigt eine geschickte Aufteilung, die sowohl großzügigen, freien Schwimmraum im mittleren Bereich als auch dichte Rückzugszonen an den Rändern umfasst.

Aquarium-Einrichtung
Die Gestaltung des Aquarieninnenraums sollte den natürlichen Übergangszonen ostafrikanischer Flussläufe nachempfunden werden. Als Bodengrund ist feiner, heller oder beigefarbener Sand die absolut beste Wahl, da die Männchen während der Laichzeit flache Mulden in den Sand graben und den Boden intensiv umschichten. Die Dekoration sollte aus großen, standsicheren Steinaufbauten bestehen, die jedoch im Gegensatz zu einem reinen Tanganjika-Setup nicht das gesamte Becken dominieren, sondern einzelne Reviergrenzen und Höhlen markieren. Eine robuste Bepflanzung mit barschfesten Arten wie Vallisneria gigantea, Anubias-Arten oder Javafarn ist dringend zu empfehlen, da die Pflanzen den Weibchen als lebenswichtiger Sichtschutz vor den Blicken des dominanten Männchens dienen.

Wasserwerte & Technik
In Bezug auf die Wasserparameter erweist sich der Gelbe Victoriasee-Cichlide als bemerkenswert tolerant und anpassungsfähig, was seine Pflege im Vergleich zu hochspezialisierten Schwarzwasserfischen sehr unkompliziert macht. Er gedeiht hervorragend in mittelhartem bis hartem Wasser bei einer Gesamthärte zwischen zehn und zwanzig Grad deutscher Härte. Der pH-Wert sollte stabil im leicht alkalischen bis alkalischen Bereich zwischen 7,5 und 8,5 eingeregelt werden. Die Wassertemperatur fühlt sich im Bereich von vierundzwanzig bis siebenundzwanzig Grad Celsius optimal ein. Technisch ist eine leistungsstarke, sauerstoffreiche Filterung wichtig, die für klares Wasser sorgt und eine moderate Strömung erzeugt. Regelmäßige Teilwasserwechsel von rund dreißig Prozent pro Woche halten die organische Belastung niedrig.

Gruppenhaltung & Sozialverhalten
Das Sozialverhalten von Astatotilapia aeneocolor ist von einer stark ausgeprägten Polygamie und einer dominanten Haremshierarchie geprägt. Die Haltung eines einzelnen Paares ist im Aquarium absolut nicht zu empfehlen, da das Männchen das einzelne Weibchen ununterbrochen jagen und physisch überfordern würde. Die ideale Besatzform ist ein Harem, bestehend aus einem Männchen und mindestens drei bis vier Weibchen, wodurch sich die Aggressionen und der Werbedruck gleichmäßig verteilen. Eine Haltung mehrerer Männchen ist nur in sehr großen Aquarien ab einhundertfünfzig Zentimetern Kantenlänge denkbar, da die Tiere erbitterte Kommentkämpfe um die Vorherrschaft und die besten Sandmulden austragen.

Vergesellschaftung mit anderen Arten

Der yellow belly Cichlide ist nicht so häufig im Handel zu finden. Warum eigentlich nicht? Er hat alle Vorzüge, die ein Zierfisch braucht, wird nicht zu groß, ist einfach zu halten, sieht schön aus und hat ein tolles Balzverhalten.

Die Tiere leben in Ostafrika, genauer gesagt in Uganda. Sein Vorkommen beschränkt sich auf den Kazinga Channel. Dieser Kanal verbindet den Lake Gorge mit dem Lake Edward. Möglicherweise kommen auch in diesen Seen Populationen o. g. Art vor. Sein Lebensraum sind die mit Papyrus bewachsenen Ufer der Gewässer.

Die Tiere stellen an die Wasserbeschaffenheit keine nennenswerten Anforderungen, außer, dass es nicht zu sauer sein sollte. Gefressen wird neben Flocken- und Granulatfutter auch Frost- und Lebendfutter. Die Tiere hält man paarweise oder in einer kleinen Gruppe. Aufgrund ihrer Größe von ca. 7,5 cm, lassen sich die Tiere auch in einem Aquarium ab 80 cm Seitenlänge sehr gut halten.

Die Tiere werden mittlerweile aufgrund der Wasserverschmutzung in ihrem Lebensraum in der Roten Liste der internationalen Union zur Erhaltung der Natur (IUCN) geführt.

www.iucnredlist.org/apps/redlist/details/60498/0

Schon das alleine ist ein Grund, warum die Tiere bei uns erhalten werden sollten und sind deshalb auch bei uns in unserem Zuchtprojekt integriert.

Auch hier hat unser Züchter Walter Hilgner einen Zuchtbericht mit einer Fotoserie vorbereitet, die Sie unter Zuchtprojekte finden.
 Bei der Vergesellschaftung im Gesellschaftsaquarium eignet sich Astatotilapia aeneocolor hervorragend für ein spezialisiertes Ostafrika-Becken. Geeignete Mitbewohner sind andere robuste, nicht allzu aggressive Cichliden aus dem Victoriasee-Becken oder friedliche, felsbewohnende Buntbarsche (Mbunas) aus dem Malawisee, die ähnliche Ansprüche an die Wasserwerte und die Ernährung stellen. Auch größere Fiederbartwelse der Gattung Synodontis können problemlos integriert werden. Auf die Vergesellschaftung mit kleinen, scheuen oder extrem langflossigen Fischarten muss zwingend verzichtet werden, da diese von den quirligen Cichliden unterdrückt oder als Nahrung angesehen würden. Zwerggarnelen werden von den jagdfreudigen Barschen sofort erbeutet.

Ernährung & Fütterung

Als klassischer Allesfresser mit einer starken Präferenz für fleischliche Kost benötigt Astatotilapia aeneocolor eine abwechslungsreiche und nährstoffreiche Ernährung. Den Schwerpunkt im Speiseplan sollte hochwertiges Frostfutter und Lebendfutter wie Artemia-Salinenkrebse, Daphnien, Mysis, Krill sowie weiße und schwarze Mückenlarven bilden. Rote Mückenlarven sollten aufgrund potenzieller Darmunverträglichkeiten bei afrikanischen Cichliden generell vermieden werden. Die Fische akzeptieren zudem völlig problemlos hochwertiges Granulatfutter, Cichliden-Flocken und Sticks. Eine regelmäßige Ergänzung durch pflanzliche Kost, wie beispielsweise spirulinahaltiges Futter, unterstützt die Verdauung und sorgt für eine langanhaltende, intensive Farbausprägung der Männchen.

Zucht & Vermehrung

Die Nachzucht im Aquarium ist ein ungemein faszinierendes Schauspiel und gelingt bei guter Pflege fast wie von selbst, da die Art zu den maternalen (mütterlichen) Maulbrütern gehört. Zur Paarung lockt das prachtvoll gefärbte Männchen das Weibchen mit heftig zitternden Körperbewegungen in eine zuvor im Sand ausgehobene Laichmulde. Das Weibchen legt die Eier ab, nimmt sie sofort in ihr Maul auf und schnappt nach den Eiflecken auf der Afterflosse des Männchens, wodurch dieses sein Sperma abgibt und die Eier direkt im Maul des Weibchens befruchtet werden. Nach der Paarung zieht sich das Weibchen ins Pflanzendickicht zurück und trägt die Brut etwa zwei bis drei Wochen lang im Kehlsack aus, ohne in dieser Zeit Nahrung aufzunehmen. Sobald die Jungfische vollständig entwickelt sind, werden sie entlassen und können sofort mit frisch geschlüpften Artemia-Nauplien oder feinstem Staubfutter ernährt werden.

Gesundheit & typische Probleme

Obwohl Astatotilapia aeneocolor als überaus robuster und langlebiger Fisch gilt, reagiert er empfindlich auf anhaltenden Stress durch Überbesatz oder mangelhafte Versteckmöglichkeiten. Ein unzureichender Pflegeplan mit zu hohen Nitratwerten schwächt das Immunsystem der Tiere schnell, was den Ausbruch von bakteriellen Infektionen, Flossenfäule oder der gefürchteten Aufblähkrankheit (Bloat) begünstigen kann. Die beste und wichtigste Prophylaxe besteht in einem strikten Rhythmus bei den Wasserwechseln, einer ausgewogenen Ernährung mit hohem Ballaststoffanteil und der Bereitstellung von ausreichend Sichtblenden im Aquarium, um den Weibchen permanente Ruhephasen zu ermöglichen.

Schutzstatus & Verantwortung

IUCN
In der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN ist Astatotilapia aeneocolor derzeit nicht final als ausgestorben oder akut bedroht erfasst, da seine Populationen in den ugandischen Flusssystemen außerhalb des eigentlichen Victoriasees als stabiler gelten. Dennoch trägt der Aquarianer eine hohe Verantwortung, da viele verwandte Arten des Victoriasee-Beckens durch die Einführung des Nilbarsches in der Natur bereits ausgerottet wurden und Nachzuchten im Hobby genetische Arche Noachs darstellen.

CITES
Die Art unterliegt zum aktuellen Zeitpunkt keinen Handelsbeschränkungen oder Kontrollen nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES). Der internationale Transport, Import und Export von Nachzuchten für die aquaristische Erhaltungspflege sind ohne spezielle artenschutzrechtliche Genehmigungen zulässig.

WISIA
Auch im deutschen Artenschutz-Informationssystem des Bundesamtes für Naturschutz sind für diesen Cichliden keine behördlichen Meldepflichten oder besonderen Schutzstatus verzeichnet. Der Erwerb, die Pflege und die Weitergabe von Nachzuchten im privaten Rahmen sind somit vollkommen unbürokratisch möglich.

Häufig gestellte Fragen

Warum verliert mein Männchen außerhalb der Paarungszeit seine gelbe Farbe?
Dieses Verhalten ist absolut natürlich und dient dem Energiesparen sowie dem Schutz vor Fressfeinden. Das strahlend gelbe Prachtkleid wird vom Männchen hormonell gesteuert und nur dann voll ausgeprägt, wenn es aktiv balzt, Reviere abgrenzt oder seine Dominanz gegenüber Konkurrenten behaupten muss; in Ruhephasen tarnt es sich in schlichten Olivtönen.

Kann man Astatotilapia aeneocolor in normalem Leitungswasser halten?
Ja, das ist in den meisten Regionen problemlos möglich, da die Art hartes, leicht alkalisches Wasser bevorzugt. Solange das Leitungswasser einen pH-Wert von über 7,5 aufweist und frei von Schadstoffen wie Kupfer oder Chlor ist, bietet es die idealen Voraussetzungen für diese robusten afrikanischen Buntbarsche.

Wie lange trägt das Weibchen die Eier im Maul und muss ich es separieren?
Das Weibchen trägt die Brut je nach Wassertemperatur etwa 18 bis 21 Tage im Maul. In einem gut strukturierten Gesellschaftsbecken mit vielen Steinspalten kann man das Weibchen im Becken belassen; möchte man jedoch den gesamten Wurf gezielt aufziehen, empfiehlt es sich, das tragende Weibchen nach etwa zwei Wochen vorsichtig in ein separates Aufzuchtbecken zu überführen.

Wie alt werden diese Victoriasee-Cichliden im Aquarium?
Unter optimalen Haltungsbedingungen, erstklassiger Wasserhygiene und einer abwechslungsreichen Ernährung können die Tiere im Aquarium eine bemerkenswerte Lebensspanne von etwa fünf bis sieben Jahren erreichen, sofern sie nicht permanentem Stress durch zu dominante Mitbewohner ausgesetzt sind.

Woran erkenne ich, dass das Weibchen Eier im Maul trägt?
Ein tragendes Weibchen lässt sich sehr leicht an einem deutlich prall aufgeblähten Kehlsack erkennen, der oft leicht dunkel durchschimmert. Zudem sondert sich das Tier komplett von der Gruppe ab, versteckt sich intensiv in den oberen Beckenecken oder Felsspalten und verweigert bei der täglichen Fütterung strikt jegliche Nahrungsaufnahme, um die Brut nicht zu verschlucken.